Die Testplanung hat begonnen

In den nächsten Wochen entwickeln vier Architekturbüros Modelle für die Entwicklung des Areals Bahnhof Nord. Zentral ist vor allem die Zukunft von vier Teilgebieten. Die Ergebnisse werden Ende November öffentlich vorgestellt.

David Gadze
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ST. GALLEN. Die Entwicklung des St. Galler Areals Bahnhof Nord geht in die entscheidende Phase. Die Testplanung für das Gebiet hat kürzlich begonnen. Vier Architekturbüros – Barão-Hutter und Thomas Kai Keller Architekten aus St. Gallen sowie Boltshauser Architekten und Meili & Peter Architekten aus Zürich – erarbeiten bis Ende Oktober städtebauliche Entwicklungsvorschläge. Dabei müssen sie verschiedene Anforderungen und Bedingungen unter einen Hut bringen.

Mehr als Baulücken füllen

Wie das Stadtplanungsamt im Programm für die Testplanung schreibt, sollen im Gebiet Bahnhof Nord nicht einfach Baulücken gefüllt werden. «Vielmehr soll hier ein lebendiger, vielfältiger, sozialer und zukunftsfähiger Ort entstehen.» In den Rahmenbedingungen hält es explizit fest, dass eine «Belebung und Aufwertung» des Gebiets das Ziel ist.

Aus der Testplanung erwartet die Stadt zwei Hauptergebnisse: Zum einen sollen Leitlinien und Handlungsfelder für das Gebiet festgelegt, zum anderen Empfehlungen für die Entwicklung der einzelnen Areale und zur Aufwertung des öffentlichen Raums abgegeben werden. Der Fokus der Testplanung liegt gemäss Programm auf einer «Entwicklungsstrategie für das Gesamtgebiet». Gleichzeitig sollen die Resultate Lösungen für die «koordinierte Entwicklung der einzelnen Areale» aufzeigen.

In Etappen und über Jahre

Die Stadt erwartet konkrete Empfehlungen für die bauliche Entwicklung der ihr gehörenden Häuserzeile mit dem Klubhaus an der Nordseite der Lagerstrasse sowie für die Areale Lagerstrasse Süd (oberirdischer Parkplatz zwischen Lagerstrasse und Gleisen), das Haus Montana und die Villa Wiesental. Wie das Stadtplanungsamt im Programm zur Testplanung schreibt, wird eine Realisierung und Umsetzung der Entwicklungsstrategie absehbar in Etappen und über Jahre erfolgen. Aus diesem Grund ist die Aufgabenstellung an die vier Büros in zwei zeitliche Ebenen gegliedert: Einerseits sollen sie langfristige (Zeithorizont bis 2040) Möglichkeiten oder Vorstellungen für eine Entwicklung «mit einem stimmigen Gesamtbild auf Basis von städtebaulichen Grundsätzen und Nutzungsszenarien» erarbeiten. Anderseits müssen sie kurz- bis mittelfristige (Zeithorizont bis 2025) Entwicklungsschritte aufzeigen, insbesondere für die vier genannten Areale.

Überbauungsplan anpassen?

Mit dem Testplanungsverfahren soll das städtebauliche Entwicklungspotenzial des Gebiets ausgelotet werden, heisst es weiter im Programm. Deshalb stehe nicht das Einhalten bestehender Bauvorschriften im Vordergrund, sondern «das Ermitteln der als stimmig empfundenen Dichte und Baumasse». Lösungen, die den bau- und privatrechtlichen Vorgaben zuwiderlaufen, seien sorgfältig abzuwägen und nachvollziehbar zu begründen. «Es ist wahrscheinlich, dass die heutigen Bauvorschriften, insbesondere der geltende Überbauungsplan, aufgrund der Testplanung angepasst werden», sagt Florian Kessler, Leiter des Stadtplanungsamts. An der verkehrlichen Erschliessung über die Lagerstrasse dürfte sich kaum Grundlegendes ändern. Eine direkte Zu- und Wegfahrt von der Rosenbergstrasse zum Parkhaus Bahnhof, also entlang der Fachhochschule, sei gemäss den Erkenntnissen eines verkehrstechnischen Gutachtens ausgeschlossen, heisst es im Programm. Festgelegt wurde auch, dass kein Ausbau für Fernbusse erfolgen soll und weiterhin nur zwei Haltestellen angeboten werden sollen.

Präsentation Ende November

Die Testplanung wird von einem breit abgestützten Beurteilungsgremium begleitet, dem 33 Personen angehören. Die Ergebnisse der Testplanung werden am 30. November an einem öffentlichen Forum präsentiert. Der Entscheid des Stadtrates über das weitere Vorgehen ist für Anfang 2017 vorgesehen.