Die Tage werden wieder kürzer. . .

…und wir Menschen schalten das elektrische Licht ein. Die Natur zieht sich langsam zur Ruhe zurück, und wir Menschen schalten das elektrische Licht ein.

Michael Steuer Pfarreibeauftragter Seelsorgeeinheit Unteres Toggenburg
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Ein Kerzlein entzünden und es beobachten. Das elektrische Licht wird man nicht vermissen. (Bild: pd)

Ein Kerzlein entzünden und es beobachten. Das elektrische Licht wird man nicht vermissen. (Bild: pd)

…und wir Menschen schalten das elektrische Licht ein. Die Natur zieht sich langsam zur Ruhe zurück, und wir Menschen schalten das elektrische Licht ein. Die Bäume lassen ihre Last aus Früchten und Blättern fallen und warten auf den Schnee, und wir Menschen schalten das elektrische Licht ein und stellen Auftausalz bereit.

Für uns Menschen ist die wohl schwierigste Jahreszeit der Herbst. In den letzten Jahren, vielleicht sogar Jahrzehnten haben wir uns antrainiert, ständig im Sommer zu leben. Nichts ist unmöglich. Allzeit parat und einsatzfähig. Gute Laune pur. 365 Tage im Jahr 100 Prozent. Wenn die Umstände nur 99 Prozent erlauben, na, und wir Menschen schalten das elektrische Licht ein. Dabei ist der Herbst die Jahreszeit, in der die Natur das Licht ausschaltet, in unseren Breiten zumindest abdimmt.

Der Herbst ist der Abend im Lauf des Jahres, dem die Winternacht folgt. Aber nur, um nach einem frischen Frühlingsmorgen einem warmen Sommertag entgegenzustreben, um in einem Herbstabend zu enden.

Dies entspricht dem Lauf der Natur, wie er von Gott gedacht ist. In diesen Kreislauf ist der Mensch durch Gott hineingestellt. In diesem göttlichen Rhythmus gibt es Tage zur Aktivität und Tage zur Ruhe, die selbst Gott wahrnimmt. Warum machen wir Menschen dann die Nacht zum Tag oder die Ruhetage zu Rast( )los(!)tagen? Warum gönnen wir uns nicht die Ruhe zu neuer Kraft? In ihrer Ruhe in der dunklen Jahreszeit findet die Natur zu neuer Kraft. Im kommenden Frühling erwacht sie aus dieser Kraft zu neuem Leben, und wir Menschen schalten das elektrische Licht aus und fallen in die Frühjahrsmüdigkeit. Und für einmal können wir uns Luxus leisten, wenn wir uns das Leben im Lauf des Jahres gönnen.

Probieren wir es einfach, und wir Menschen schalten das elektrische Licht einfach aus. Wo? In den Zimmern, in denen gerade niemand ist; die Aussenbeleuchtung; die blinkenden Fensterbilder, die Lichterkette auf dem Sitzplatz; die Lampe im Fernseher…

Kommt in Ihnen dann ein Gefühl der Langeweile auf, sollten Sie es geniessen und nicht mit Aktivität bekämpfen. Die Langeweile ist der Beginn des Zur-Ruhe-Kommens. Es gilt sie auszuhalten. Manchen Menschen fällt es leichter, diese Langeweile auszuhalten, indem sie eine brennende Kerze beobachten. Man sieht scheinbar nichts Ereignisreiches, aber doch passiert viel.

Andere suchen das gemeinsame Stillsein in einer grösseren Gruppe. Probieren Sie es doch einfach einmal aus. In Ihrer Kirche gibt es dazu immer eine Möglichkeit. Einfach mal reingehen, ein Kerzlein entzünden und es beobachten.

Ich bin sicher, Sie werden das elektrische Licht nicht vermissen, und die Kurzweil wird ein Freund Ihrer Gedanken werden.