Die Suche nach Batman

Brosmete

Astrid Zysset
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Die Heiligen Drei Könige brachten dem Jesuskind Gold, Weihrauch und Myrrhe. Materiell waren diese Geschenke äusserst wertvoll. Auch heute noch. Aber ein Kind würde sich in diesen Tagen nicht mehr darüber freuen. Anstatt Edelmetallen und Gewürze haben meine Neffen (4, 7 und 10 Jahre alt) Lego in allen Variationen auf den Wunschzettel geschrieben.

Während die Drei Könige umherirrten und die Krippe suchten, tue ich es ihnen gleich und suche die Spielzeugregale nach dem «Flugsegler» oder dem «ultimativen Tempelversteck» von Ninjago ab. Der Verkäufer muss mir nicht den Weg nach Bethlehem zeigen, sondern denjenigen zu Batman, der gegen Joker kämpft. Ob es diese Packung überhaupt gibt, weiss ich nicht. Aber ein bisschen guter Glaube gehört ja zur Vorweihnachtszeit dazu. Und ein bisschen Druck. Felsenfest beharre ich darauf, dass es Batman in der gewünschten Konstellation gebe und der Verkäufer sucht denn auch verzweifelt danach. Es entstehen Diskussionen, verzweifelte Blicke, Schulterzucken. Erlebten die Könige dies während ihrer beschwerlichen Reise auch? Diskutierten sie, während sie auf den Kamelen sassen, drängte einer zum Umkehren oder schien einer dem Verzweifeln nahe? Zurück zu Batman: Triumphierend hält der Verkäufer die gesuchte Verpackung in die Luft. Endlich! Meine Geschenke sind beisammen.

Gold, Weihrauch und Myrrhe sind es nicht geworden. Wertvoll sind sie für mich trotzdem. Die Suche war beschwerlich. Kein Stern hat mich gelotst, sondern Prospekte, Fernsehspots, der Antrieb, eine gute Gotte zu sein und die Hoffnung, dass es Batman in ersehnter Kampfposition geben möge. Nicht gerade weihnachtlich, nicht gerade besinnlich. Aber: Ich kann ein Stück Freude bei meinem Neffen verbreiten. Ich und Batman.

Astrid Zysset