Die Stimme des «Experten» im Ohr

Speerspitz

Sabine Schmid
Merken
Drucken
Teilen

Die Schweiz ist Spitze. Das ist jetzt schon klar, obwohl die Medaillen an der Curling-EM noch nicht verteilt sind. Was die Schweizer Frauen und Männer in den vergangenen Tagen aufs Eis gezaubert haben, verzückt nicht nur eingefleischte Curling-Fans. Längst ist wieder die Zeit angebrochen, in der die Spiele im Fernsehen übertragen werden und jeder daheim in der warmen Stube das Gefühl hat, Curling könne doch so schwer nicht sein.

Wie schwer Curling ist und welche Emotionen damit verbunden sind, zeigt sich am besten direkt in der Curlinghalle in St. Gallen. Da hält man den Atem an, wenn Silvana Tirinzonis Mitspielerinnen einen Stein hauchdünn an einem anderen vorbei wischen oder Peter de Cruz seinen Stein perfekt hinter einem anderen versteckt. Da applaudiert man für gelungene Take Outs und stöhnt auf, wenn alles Wischen nichts nützt und der Stein ein paar Zentimeter schlechter liegt als derjenige des Gegners.

Das Beste ist: Neben einem sitzt bestimmt ein «Experte». Einer, der besser weiss als jeder Skip auf dem Eis, wie welcher Stein gespielt werden soll. Der Spielzüge als «Fehlsteine» kommentiert, obwohl sie tadellos gespielt waren. Mein absoluter Liebling ist derjenige, der seine Freizeit selber auf dem Curlingrink verbringt und einen Neuling in die Welt des Curlingsports einführt. Er prahlt mit Fachbegriffen, die er selber kaum versteht und erzählt Fakten, die jedem Curlingspieler die Haare zu Berge stehen lässt. Mein Tipp an ihn: Kommentiere bitte leiser. Oder noch besser: verfolge noch ein paar Spiele zu Hause vor dem Fernseher, bis auch du für die EM qualifiziert bist. Dann haben die Schweizer nicht nur die besten Teams, sondern auch die besten Fans.

Sabine Schmid

sabine.schmid@toggenburgmedien.ch