Die Stimme der Jugend

Viviane Schindler lebt in Wald, kandidiert aber auf der Liste der Juso St. Gallen für den Nationalrat. Im Leben der 20-Jährigen ist dies nicht der einzige Gegensatz.

Jesko Calderara
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Viviane Schindler engagiert sich in den Vorständen der Juso St. Gallen und des Jugendparlaments. (Bild: cal)

Viviane Schindler engagiert sich in den Vorständen der Juso St. Gallen und des Jugendparlaments. (Bild: cal)

WALD. Am 18. Oktober kämpft Viviane Schindler aus Wald um einen Sitz im eidgenössischen Parlament. Die 20-Jährige kandidiert auf dem 7. Platz der Nationalratsliste der Juso St. Gallen. «In unserem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen System läuft einiges falsch», sagt Schindler. Deshalb habe sie sich zu einer Kandidatur entschieden. Als Beispiel nennt das Juso-Vorstandsmitglied die grösser werdende Kluft zwischen Arm und Reich. Es war denn auch die 1:12-Initiative, die Schindler zur Mitgliedschaft bei der Jungsozialisten bewog. Politisch aktiv war die Schülerin der Berufsfachschule Wirtschaft Trogen bereits früher. So nahm sie im Sekundarschulalter erstmals an den Sessionen des Jugendparlaments teil. Das habe ihr Interesse an der Politik geweckt, sagt Schindler rückblickend. «Zudem lernt man das Parteienspektrum kennen.» Noch heute gehört sie dem Vorstand des Jugendparlaments an.

Für eine humanitäre Schweiz

Im anstehenden Wahlkampf will die Nationalratskandidatin mit dem Thema Generationengerechtigkeit bei den Wählern punkten. Weil das Budget der Jungpartei knapp ist, werben Viviane Schindler und ihre Mitstreiter mit Flyern, führen Telefonaktionen durch und mobilisieren künftige Wähler über soziale Netzwerke. Es gehe ihr darum, dass etwa in der Renten- oder Energiepolitik die Sicht der künftigen Generationen berücksichtigt werde, sagt Schindler. «Mit solchen Fragen beschäftigen sich die anderen Parteien zu wenig.» Sorgen bereiten ihr zudem die weltweiten Migrationsströme. Die Schweiz müsse sich wieder vermehrt auf ihre humanitäre Tradition besinnen, anstatt von einem Asylchaos zu sprechen. Am 1. Oktober wollen die Jungpolitikerin und die Juso St. Gallen mit einer Demonstration gegen Fremdenhass ein Zeichen setzen.

Viviane Schindler entspricht nicht unbedingt den gängigen Klischees von Jungsozialisten. Weder fällt sie durch ein rebellisches Äusseres auf, noch strebt sie mit ideologischen Extremforderungen den Umbau der Schweiz an. Viel eher macht Schindler den Eindruck einer jungen, selbstbewussten Frau, die für ihre Überzeugungen einsteht. Einen Widerspruch zur Juso-Mitgliedschaft sieht sie darin nicht. In der Partei habe es Platz für unterschiedliche Strömungen. «Ich zähle mich zum liberaleren Flügel.» Pragmatisch ging Schindler auch bei der Suche nach einem Praktikumsplatz vor. Die Banken würden bei den kaufmännischen Ausbildungen die besten Möglichkeiten bieten, sagt sie. «Ein Unternehmen wie die UBS wäre für mich aber nicht in Frage gekommen.» Ihre Wahl fiel auf die als Genossenschaft organisierte Raiffeisenbank. Zurzeit absolviert die Nationalratskandidatin ein Praktikum bei der Raiffeisenbank Heiden.

Im Team von Jens Weber

Aufgewachsen ist Viviane Schindler in Wald, wo sie auch heute noch lebt. Den Sprung nach Bern versucht sie jedoch im Nachbarkanton. «St. Gallen ist zu meinem Lebensmittelpunkt geworden.» Viele ihrer Freunde lebten dort. Darüber hinaus habe sie die «Flade» besucht. Schindler, die nebst der Politik das Klettern und das Reisen zu ihren Hobbies zählt, wird in den kommenden Wochen auch in Ausserrhoden unterwegs sein. Sie gehört dem Wahlkampfteam von SP-Kandidat Jens Weber an.