«Die Steuererträge stagnieren»

Nach dem Gottesdienst besprach die Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Herisau gestern den Voranschlag 2016 und das Vorhaben, die Liegenschaft Kreuzstrasse 17 zu verkaufen. Zudem stellte sich Kivo-Kandidat Werner Wanner vor.

Lukas Pfiffner
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Die zurücktretende Mägi Schläpfer (links), Präsidentin Uschi Hofmänner und Werner Wanner, der sich als neuntes Kivo-Mitglied zur Wahl stellt. (Bild: pf)

Die zurücktretende Mägi Schläpfer (links), Präsidentin Uschi Hofmänner und Werner Wanner, der sich als neuntes Kivo-Mitglied zur Wahl stellt. (Bild: pf)

HERISAU. Wer die gestrige Informationsveranstaltung der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde als Stimmungsbarometer ansieht, wird zur Erkenntnis gekommen sein: An der Urnenabstimmung vom 22. November dürfte dem Voranschlag 2016 ebenso zugestimmt werden wie dem Verkauf der Pfarrhaus-Liegenschaft Kreuzstrasse 17.

Gut 50 Personen fanden sich im Anschluss an den Gottesdienst zur Besprechung der Vorlagen in der Kirche ein. Es gab nur vereinzelte Wortmeldungen, und diese waren in der Mehrheit bejahend.

Grosser Sanierungsbedarf

«Wir haben uns mit dem Entscheid, den Verkauf der Liegenschaft zu beantragen, nicht leicht getan», sagte Monika Hagmann, Mitglied der Kirchenvorsteherschaft (Kivo). Eine Analyse habe ergeben, dass ein grosser Sanierungs- und Unterhaltsbedarf bestehe. Es wurden danach drei Varianten von Grobkostenschätzungen erstellt. «Aufgrund der finanziellen Lage wollen wir nun das Haus verkaufen.»

Zwei Versammlungsteilnehmer sprachen sich für den Verkauf aus: Der Unterhalt und die Vermietung von Liegenschaften seien nicht Kernaufgaben der Kirche. Ein anderes Kirchenmitglied warnte davor, mit ähnlichen Argumenten weitere Liegenschaften in Frage zu stellen.

«Vom Vermögen zehren»

Beat Dick, der in der Kivo dem Bereich Finanzen vorsteht, erläuterte den Voranschlag für das Jahr 2016. Bei Aufwendungen von rund 2,3 Millionen Franken und Einnahmen von rund 2,16 Millionen Franken steht ein Fehlbetrag von rund 137 000 Franken in Aussicht. «Der Grund liegt darin, dass die Steuererträge stagnieren», erklärte Dick. Er ging auf den Finanzplan 2017 bis 2019 ein: «Wir werden mittelfristig vom Vermögen zehren müssen.» Und früher oder später werde die Kirchgemeinde auf der Aufwand- oder der Ertragsseite etwas unternehmen müssen. In den Finanzplan aufgenommen wurde die Sanierung des Hauses Friedeck; die Schäden an diesem Gebäude sind grösser als ursprünglich angenommen.

Tag der offenen Tür im Februar

Kivo-Präsidentin Uschi Hofmänner ging an der Versammlung auf den Neubau des Kirchgemeindehauses ein. «Die Schlussphase hat begonnen; alle Beteiligten sind gefordert.» Jedesmal, wenn sie durch den Bau gehe und die Fortschritte sehe, freue sie sich. «Ich bin überzeugt, dass dieses Haus ein reges Kirchgemeindeleben unterstützen wird.» Der Bezug ist im Januar vorgesehen, ein Tag der offenen Tür im Februar. Das Einweihungsfest ist auf den Sonntag, 26. Juni, festgesetzt.

Kirchenrenovation ab 2017?

Uschi Hofmänner informierte auch über die vorgesehene Innenrenovation der Kirche, die ja im Besitz der Politischen Gemeinde ist. Im März ist der Planungskredit vom Einwohnerrat genehmigt worden. Unter anderem sind die Erneuerung der technischen Einrichtungen und raumakustische Massnahmen notwendig. Auch Neben- und Lagerräume sollen geschaffen werden. Nach Abschluss der Planungsphase wird der Baukredit von rund 5,3 Millionen Franken dem Stimmvolk der Gemeinde vorgelegt. Der Bau ist von 2017 bis 2019 vorgesehen. «Ich bin wegen der Verzögerung beim Gemeindehausbau punkto Termine vorsichtiger geworden.»

«Was die Kirche macht»

«Ich durfte vor einem Jahr in der Pfarrwahlkommission mitarbeiten; da faszinierte es mich, was die Kirche für die Bevölkerung alles macht», sagte Werner Wanner. Er stellt sich an der Urnenabstimmung vom 22. November der Wahl als neuntes Mitglied der Kivo. Auf jenen Termin hat Mägi Schläpfer den Rücktritt eingereicht. Von der Präsidentin nach Themen befragt, die ihm besonders nahestehen, antwortete Werner Wanner: «Es sind die Menschen, die mich interessieren. Ob gross oder klein, reich oder arm, in schönen Momenten oder weniger erfreulichen Momenten.» Als Herausforderung bezeichnete er gestern die Tatsache, dass er sich in Strukturen und Rahmenbedingungen zurechtfinden müsse und vielleicht nicht ganz so schnell vorwärtskomme, wie er manchmal gerne würde.