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«Die Stellenprofile ändern sich»

Der Frankenschock hat ihn beschleunigt, existiert hat der Trend der Digitalisierung aber schon länger. Bisherige Stellenprofile werden verschwinden, neue entstehen. In Zukunft arbeiten wir in Berufen, die es heute noch gar nicht gibt.
Ruben Schönenberger
Nicole Burth Tschudi, CEO von Adecco Schweiz, ist sich sicher, dass sich die Stellenprofile in Zukunft ändern werden. (Bild: PD)

Nicole Burth Tschudi, CEO von Adecco Schweiz, ist sich sicher, dass sich die Stellenprofile in Zukunft ändern werden. (Bild: PD)

Seit rund einem Jahr ist die Lichtensteigerin Nicole Burth Tschudi CEO von Adecco Schweiz. Im Interview mit unserer Zeitung spricht sie über grundlegende Entwicklungen im Arbeitsmarkt.

Nicole Burth Tschudi, Adecco ist vor allem bekannt als Vermittler von Temporärstellen. Dabei macht das Unternehmen mehr.

Die Adecco, die alle kennen, fokussiert auf Temporärstellen. Wir sehen uns als Adecco Gruppe aber als HR-Solutions-Anbieter. Dazu gehören beispielsweise Firmen, die sich auf die Feststellenvermittlung im Kadersegment fokussieren. Das kann dann auch in Richtung Headhunting gehen. Insgesamt sind wir auf jeder Stufe präsent, von der Aushilfskraft bis zum Finanzchef.

Der Ruf der Temporärstellen hat sich jüngst verbessert. Wie kommt das?

Früher waren temporäre Stellen meist nur für schlecht ausgebildete Arbeitskräfte gedacht. Das hat sich geändert. Heute wird oft in Projekten gearbeitet. Dafür brauchen Firmen passende Spezialisten. Der Arbeitnehmer auf der anderen Seite gewinnt so eine reichhaltigere Arbeitserfahrung, weil er öfter neue Projekte begleiten kann. Das bietet Studiums- und Lehrabgängern auch die Chance, schnell viel Erfahrung zu sammeln.

Adecco veröffentlicht auch regelmässig Studien zum Arbeitsmarkt. Was sagt ihr Index aus (siehe Zweitstoff)?

Er gibt einen Trend an, wohin sich die Wirtschaft entwickeln könnte. Wenn man sich einen normalen Wirtschaftszyklus anschaut, ist der Ablauf meist so: Bevor man Feststellen schafft, deckt man Spitzen mit temporären Angestellten ab. Dann beginnt man, Feststellen zu schaffen. Unser Indikator erfasst die ausgeschriebenen Feststellen, kann also als guter Indikator für den Zyklus dienen.

Wie interpretieren Sie das erste halbe Jahr für die Ostschweiz?

Im zweiten Quartal verzeichnete die Ostschweiz eine positive Entwicklung. Die Ostschweiz hat relativ viele Randregionen, die stark vom Export abhängen. Da hat man den Frankenschock stärker und länger gespürt. Deshalb kam der Aufschwung in der Ostschweiz wohl auch etwas später als in der restlichen Schweiz.

Der Bereich Bau und Industrie hinkt aber weiterhin hinterher. Zeigt sich hier ein grundsätzlicherer Trend?

Die Digitalisierung und Automatisierung führt sicher zu weniger Jobs in den Produktionsstätten. Die Frankenstärke hat diesen Trend beschleunigt. Es braucht weniger Hilfskräfte in der Produktion. Dafür mehr Informatiker oder Ingenieure. Die Stellenprofile ändern sich.

Sie haben die Frankenstärke angesprochen. Spürt man den Brexit auch?

Bis jetzt kaum. Wichtiger sind die Verhandlungen mit der EU bezüglich der Umsetzung der Masseneinwanderungs-Initiative. Es ist extrem wichtig für den Wirtschaftsstandort Schweiz, dass man ganz schnell eine wirtschaftsfreundliche, pragmatische Lösung findet. Wir sehen, dass es gerade im Fachkräftebereich nicht möglich ist, die Nachfrage nur mit Schweizern zu decken.

Ist im Toggenburg der Digitalisierungstrend einschneidender, weil die ersten zwei Sektoren relativ gross sind?

Grundsätzlich kann man schon sagen, dass Regionen stärker betroffen sind, wenn sie noch verhältnismässig wenige Stellen im Dienstleistungssektor haben. Man darf aber nicht vergessen, dass sich dadurch auch grosse Chancen bieten. Es wird in Zukunft nicht weniger Arbeit geben. Sie wird einfach anders sein. Dazu gibt es eine Studie des World Economic Forum: Im Jahr 2025 werden von zehn Berufseinsteigern sechs in einem Beruf arbeiten, den es heute noch gar nicht gibt.

Im Toggenburg blieben viele Lehrstellen unbesetzt. Was hat das für einen Einfluss auf die Wirtschaft?

In der Schweiz ist die Statistik in den letzten zwei, drei Jahren grundsätzlich positiv. Die Jugendarbeitslosigkeit ist nicht höher als die restliche. Da können wir extrem froh sein. Der umgekehrte Fall wäre volkswirtschaftlich eine wahnsinnige Hypothek.

Ihre Wurzeln liegen im Toggenburg. Wo genau?

Ich bin in einem Restaurant in Lichtensteig aufgewachsen. Im Städtchen habe ich auch die Primar- und Oberstufe besucht. Danach bin ich nach Wattwil an die Kantonsschule und habe schon damals ein Jahr im Ausland verbracht. Das hat mir sehr gut gefallen. Ich wollte Neues kennenlernen, auch wenn mir das Toggenburg gut gefallen hat – und nach wie vor gut gefällt.

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