Die Siedler von «Country City»

Jeden Sommer verwandelt sich Unterwasser während dreier Tage in Country-City und ist fest in den Händen der entsprechenden Szene. Countrymusik, Cowboys und Cowgirls, dazu eine Handvoll Hobbyisten und vor allem eine friedliche Szene prägten das Geschehen am Wochenende.

Adi Lippuner
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UNTERWASSER. Aus dem Festzelt erklingt «Wenn Cowboys träumen», an den Marktständen können sich die Besucher mit allem, was das Countryfan-Herz begehrt, eindecken und auf der «Sternenwiese» haben die Hobbyisten ihre Zelte aufgeschlagen. Mit dabei sind die beiden Hobbyisten Ruth und Bruno Konrad, alias Mc Colby's, angereist aus Malters, Luzern. Ihr Leben spielt sich in zwei Welten ab, da ist einerseits das «ganz normale» als Spengler und Schuhverkäuferin und die Zeitreise, in der sie ganz in der Mc Colby-Rolle aufgehen. Äusseres Zeichen sind die Kleider, er im Kilt, sie im passenden Kleid mit vielen Accessoires aus der Zeit um 1850, als Siedler aus Europa Amerika eroberten. Auch ihre Unterkunft passt. Jedes Stück der Ausstattung wurde entweder einzeln angefertigt oder nach langem Suchen auf einem Flohmarkt gefunden. Doch was bringt moderne Menschen dazu, in ihrer Freizeit in die Vergangenheit abzutauchen? «Alles begann mit einem Cowboyhut», sagt Bruno Konrad.

Zurück zur Natur

Die Suche nach Ruhe, der Wunsch, zurück zur Natur, aber auch ein Stück Romantik erleben, das sind die Gründe, weshalb aus Ruth und Bruno Konrad von Frühling bis Herbst an möglichst vielen Wochenenden die Mc Colbys werden. «Ich habe als Kind ein Büchlein über Santa Fee gehabt und war von diesen Bildern fasziniert», sagt Bruno Konrad. Nach einer Reise an den Ort seiner Kindheitsträume sei er auf dem Boden der Realität gelandet. «Das echte Santa Fee hatte mit meinen Vorstellungen nichts gemeinsam.»

Ein Besuch bei einem Countryfest und der Kauf eines Cowboyhuts habe vor einigen Jahren die Wende in seinem Leben eingeläutet, so Bruno Konrad. «Plötzlich habe ich gespürt, dass die Welt der Hobbyisten zu mir passt.» Ehefrau Ruth pflichtet bei: «Es ist einfach friedlich, wir haben Zeit füreinander, werden nicht von Verpflichtungen abgelenkt und können so leben, wie es uns gefällt».

Vom ersten Cowboyhut zur Verwandlung zu den Mc Colbys war es aber noch ein langer Weg: «Wer einmal von der Hobbyisten-Szene fasziniert ist, will immer mehr wissen. Man tauscht sich aus, beschafft sich Informationen, vor allem über die geschichtlichen Hintergründe und lernt dabei vieles», blicken Ruth und Bruno Konrad zurück. Heute sind sie als Mc Colbys fest in der Szene verankert, reisen während der warmen Jahreszeit von einem Wochenend-Lager zum nächsten und gehen unter der Woche ganz gewöhnlich ihrer Arbeit nach.

Kombination von einst und jetzt

Eine vollständige Abkehr aus der realen Welt mit moderner Wohnung, gut bezahlter Arbeit und sozialer Sicherheit suchen die beiden nicht. «Wir fühlen uns in beiden Welten wohl, mögen unseren Beruf und geniessen den temporären Ausstieg während der Ferien und an den Wochenenden», sagt Bruno Konrad. Es sei so, wie wenn jemand einen zweiten Hausstand, in Form einer Ferienwohnung oder eines Wohnmobils besitze. «Bei uns ist es einfach das Zelt, die ganze Ausstattung und vor allem auch die passenden Kleider», sagt Ruth Konrad und merkt an: «Der Kleiderschrank mit unseren Hobbyisten-Sachen ist gleich gross wie derjenige, in dem unsere zivile Kleidung hängt.» Dass die Mc Colbys problemlos zwischen beiden Welten wechseln, zeigt sich an der Tatsache, dass beide Zigaretten aus dem 21.Jahrhundert rauchen, diese mit einem Feuerzeug anzünden und auch das Bier aus Plastikbechern trinken. «Im Zelt gehören aber Becher und das Kochen am Lagerfeuer dazu», betonen sie.

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