Die Sehnsuchtsfalle

Medientipp der Appenzeller Bibliotheken

Ingrid Bolting
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Rita vertraute aus Liebe einem Nigerianer ihren Sohn an und erklärte sich bereit, für ihn in Brasilien etwas Geschäftliches zu erledigen. Auch wenn sie schon ahnte, dass da was faul sein konnte: Sie hoffte, ihre grosse Liebe wiederzufinden, den Vater ihres Sohnes, der auch ein Schwarzer war. Sie handelte aus Liebe, mit einer grossen Portion Wagemut. Als sie dann unschuldig wegen Rauschgiftschmuggels sechs Jahre lang in Brasilien in São Paulo im Gefängnis sass, wollte sie sich erst aufgeben. Sie hatte ihren Sohn verloren, ihr ganzes Leben war eine Lüge. Aber dann siegte ihr Überlebenswille, sie schrieb mehr als 1000 Seiten per Hand, später alles noch mal in den Computer, machte auf Portugiesisch ihr Abitur und schaffte sich nach dem Gefängnis in Brasilien eine Existenz, weil sie noch nicht mal das Geld für einen Rückflug hatte. Ihren Sohn sah sie später erst als Erwachsenen wieder, aber sie adoptierte ein brasilianisches Strassenkind und gab ihm das Zuhause, das sie ihrem Sohn nicht mehr hatte geben können. Grossartig, wie ich finde.

Fasziniert von Mut und Anderssein

Die Geschichte von Rita Rosario spielt sich teilweise in einem halb kriminellen Milieu ab. Deren Hauptfigur (Rita) nicht immer nur tapfer, perfekt und vorbildlich, sondern auch ziemlich spontan, chaotisch und manchmal verantwortungslos war. Sie hat sich Dinge getraut, die sich manche im Leben nie trauen würden. Von ihrem Mut, ihrem Querdenken und Anderssein und auch ein bisschen von ihren Grenzüberschreitungen war ich fasziniert.

Selten hat mich eine Geschichte so in den Bann gezogen, fasziniert und manchmal auch abgestossen. Aber gleichzeitig war sie auch unglaublich tapfer, kämpferisch und unkonventionell. Ihre unglaubliche Arbeit, die Disziplin und Zähigkeit imponierte mir. Ihr Schicksal raubt einem fast den Atem und zog mich in den Bann.

Ingrid Bolting

Volksbibliothek Appenzell

Hera Lind, Die Sehnsuchtsfalle: Roman nach einer wahren Geschichte. – München: Diana Verlag, 2016. (978-3-453-35783-9). Auch als E-Book erhältlich unter www.dibiost.ch. Ausleihbar in Ihrer Bibliothek. Buchtipps nachzulesen unter: www.biblioapp.ch