Die Schaltsekunde am 1. Januar 2017

Hanspeter Steidle
Drucken
Teilen

Verlängerung Am 1. Januar 2017 wird die letzte Minute der ersten Neujahrsstunde 61 Sekunden bekommen. Warum werden ab und zu Schaltsekunden eingefügt und von wem? 1972 wurde eine internationale Vereinigung von Wissenschaftern gegründet, welche die Erdrotation überwacht. 400 Atomuhren in aller Welt geben dieser Vereinigung genaueste Auskunft über die Erddrehung. Atomuhren gehen heute so genau, dass sie in 100 Millionen Jahren nur 1 Sekunde abweichen. Mit dieser Genauigkeit können Wissenschafter messen, dass auch die tägliche Rotation der Erde nicht konstant ist. Die Flutberge, verursacht durch den Mond und manchmal zusätzlich durch die Sonne, bremsen die Erdrotation. Die sich langsamer drehende Erde gibt ihren Drehimpuls, der im System Erde-Mond erhalten bleibt, an den Mond weiter. Der Mond entfernt sich deshalb immer mehr von der Erde. Man kann diese Entfernungszunahme mit der langsamer drehenden Erde berechnen. Seit Anfang der 1970er-Jahre, als die Amerikaner Laserreflektoren auf dem Mond plaziert hatten, lässt sich die Entfernung des Mondes von der Erde millimetergenau messen. Der Mond entfernt sich 3,8 cm pro Jahr von der Erde.

Dieser Effekt wirkt sich wiederum auf die Umdrehungsgeschwindigkeit der Erde aus. Die Rotationsgeschwindigkeit der Erde nimmt laufend ab. Seit 1972 wurden schon 26 Schaltsekunden eingeführt, und 2017 folgt die 27. Schaltsekunde. In ferner Zukunft wird man auf der Erde einen 25-Stunden-Tag erleben, sofern die Menschheit dannzumal noch existiert. Die Saurier hatten zu Beginn ihrer Existenz noch einen 22-Stunden Tag. In ganz ferner Zukunft wird die Erde ebenfalls eine gebundene Rotation zum Mond haben. Mond und Erde werden sich dann immer die gleiche Seite zukehren. Das macht der Mond jetzt schon: Wir sehen immer die gleiche Mondseite. Die Rückseite des Mondes sehen wir nie, ausser mit Orbitern (Mond-Satelliten), welche den Mond heute noch umrunden.

Es gibt in der Wissenschaft Bestrebungen, die Schaltsekunden wieder abzuschaffen. Für die meisten Erdbewohner wäre dies über einige Jahrzehnte hinweg kein spürbarer Nachteil. Man würde sicher in einigen Jahrhunderten einige Schaltminuten zufügen, wenn die Sonne eines Tages nicht um 12 Uhr mittags, sondern schon morgens um 11 Uhr im Süden stehen würde. Wir profitieren jedoch von der heutigen genauen Zeitmessung in vielen Bereichen, so zum Beispiel bei den Navigationsgeräten. Wenn dort die Zeit auch nur um einige Milliardstelsekunden abweicht, würde uns ein Navi bereits zwischen 10 bis 20 Meter neben dem gewünschten Ziel absetzen. In vielen technischen Bereichen wäre das viel zu ungenau, denn da müssen die Angaben bis auf Millimeter genau sein. Die heutigen Computersysteme sind auf das Einfügen gelegentlicher Schaltsekunden vorbereitet. Die Funkuhren rund um die Welt registrieren die Schaltsekunden ohne Probleme.

Am 1. Juli 2012 wurde die ­letzte Schaltsekunde eingefügt. Wann die nächste Schaltsekunde folgen wird, weiss man noch nicht, denn die Erdrotation ist nicht regelmässig. Die Plattentektonik, die im Erdinnern wabbernden, eisenhaltigen, flüssigen Gesteine, welche das Magnetfeld der Erde erzeugen, und die Fluten auf der Erde beeinflussen die Erdrotation massgebend. Die Erde ist ein sehr dynamischer Planet!

Hanspeter Steidle

redaktion@toggenburgmedien.ch