Die Richter-Sicht einnehmen

Heinz Zingg hat sich als Anwalt schon oft gefragt, ob ein Gericht seine Meinung geteilt hätte. Wird er am 3. März zum Oberrichter gewählt, kann er dies herausfinden.

Johannes Wey
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Heinz Zingg ist überzeugt, dass sich seine Erfahrungen als Richter und Anwalt positiv auf die jeweils andere Tätigkeit auswirken würden. (Bild: jw)

Heinz Zingg ist überzeugt, dass sich seine Erfahrungen als Richter und Anwalt positiv auf die jeweils andere Tätigkeit auswirken würden. (Bild: jw)

REHETOBEL. «In der Tätigkeit als Richter sehe ich eine neue Herausforderung, der ich mich aufgrund meines beruflichen Hintergrunds sehr gern stellen würde. Die Zeit ist reif für eine zusätzliche Aufgabe.» Heinz Zingg aus Rehetobel sieht im Amt als Oberrichter die Möglichkeit, den Gerichtssaal von einer anderen Seite kennenzulernen. Der Anwalt mit einer Gemeinschaftskanzlei in St. Gallen hat schon zahlreiche Fälle vor Gericht verhandelt – oftmals enden sie aber auch in einem aussergerichtlichen Vergleich. «Dann frage ich mich manchmal, ob das Gericht meine Ansicht geteilt hätte.» Dies will er nun herausfinden und geht davon aus, dass sich seine Erfahrungen als Richter und Anwalt positiv auf die jeweils andere Tätigkeit auswirken würden.

Die Suche nach neuen Herausforderungen prägt auch den beruflichen Werdegang des bald 55-Jährigen, der im Rheintal aufgewachsen ist: Nachdem er Lehre und erste Berufsjahre in einer Gemeindeverwaltung absolviert hatte, bildete er sich nach der Zweitweg-Matura an der Universität St. Gallen zum Juristen weiter. Zunächst kam er als Auditor am Bezirksgericht und als Mitarbeiter des kantonalen Untersuchungsrichters für Wirtschaftsdelikte im Kanton St. Gallen bereits in Kontakt mit Gerichten, dann wechselte er in die Finanzwirtschaft. Auch heute noch ist er als Verwaltungsratspräsident der Raiffeisenbank Heiden mit dem Bankwesen verbunden.

Selbständigkeit gibt Freiheit

Seit 1999 ist Heinz Zingg als selbständiger Anwalt tätig. Die Selbständigkeit erlaubt es ihm heute auch, «etwas Neues anzufangen, ohne dafür etwas an den Nagel hängen zu müssen.» Etwas Neues, mit dem durchaus auch ein gewisses Prestige verbunden ist.

Auf Erfahrungen aufbauen

Trotz seines vielseitigen beruflichen Werdegangs will sich Heinz Zingg nicht als sprunghaft bezeichnen. Vielmehr will er auf den bisherigen Erfahrungen aufbauen, die ihm auch zu «Unvoreingenommenheit und Offenheit» verholfen haben, welche er heute zu seinen Stärken zählt. Sie werden ihm auch bei einer Wahl ins Obergericht von Nutzen sein, ist er überzeugt. Unterstützt wird Heinz Zingg von der FDP, der er als kantonaler Delegierter der Ortspartei Rehetobel selbst angehört, sowie von SVP, CVP, SP und Bauernverband.

Schnell angekommen

Zusammen mit seiner Lebenspartnerin ist Heinz Zingg seit 15 Jahren in Rehetobel wohnhaft und dort tief verwurzelt. «Ich habe keine Mühe, auf Menschen zuzugehen», sagt er. Er habe sich gleich von Beginn weg gut eingelebt und engagierte sich in öffentlichen Kommissionen und im Kiwanis-Club Appenzeller Vorderland. Und seit in Rehetobel zwei Zingg-Kinder geboren wurden, ist die Familie ohnehin hier zu Hause.