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Rettung aus der Luft: Im Appenzell Ausserrhoden suchen Drohnen nach Rehkitzen

Junge Rehe, die sich im hohen Gras verstecken, sollen besser vor Mähmaschinen geschützt werden. Dazu testet der Kanton einen ungewöhnlichen Ansatz. Mit einer Drohne sollen die Tiere ausfindig gemacht werden.
Jesko Calderara
Pilot Ueli Sager fliegt die Drohne, die künftig den Jungtieren das Leben retten soll. (Bild: Keystone)

Pilot Ueli Sager fliegt die Drohne, die künftig den Jungtieren das Leben retten soll. (Bild: Keystone)

Gemäss der Fallwildstatistik kommen in Appenzell Ausserrhoden jährlich rund fünf Rehkitze durch Mäher ums Leben. Je nach Wetterverhältnissen kann dieser Wert auf bis zu 15 ansteigen. Die Dunkelziffer dürfte erheblich höher liegen. Nun wird im Kanton mit dem Einsatz von Drohnen eine neue Methode getestet, um die Jungtiere vor einem solch qualvollen Tod zu schützen. Seit kurzem läuft dazu ein Pilotprojekt des Amts für Raum und Wald, der Patentjäger, des Bauernverbandes sowie des Landwirtschaftsamts. Gestern zeigten die Verantwortlichen an einem Medienanlass in der Gemeinde Wald auf, wie die Drohne konkret eingesetzt wird, um Wiesen nach Rehkitzen abzusuchen. «Es geht uns darum, den Gebrauch von modernen Mitteln für diesen Zweck zu optimieren», sagte Heinz Nigg, Leiter des Amts für Raum und Wald. Zudem müsse getestet werden, wie effizient die Methode letztlich sei.

Jungtiere im hohen Grass versteckt

Als Anschauungsunterricht diente eine rund sechs Hektar grosse Fläche im Gebiet Tanne. Der Bauer will das Gras mähen und heuen. Oftmals verstecken sich Rehkitze in solchen Wiesen. Ohne entsprechende Massnahmen können die Mähmaschinen für sie zur Todesfalle werden. Besonders gross ist die Gefahr zwischen Anfang Mai und Mitte Juni, wenn die jungen Rehlein noch nicht selbstständig flüchten. In dieser Zeit sind sie klein, geruchlos und drücken sich bei Motorenlärm und anderen Geräuschen vor Angst dicht auf den Boden. Die Rehgeiss entfernt sich zur Nahrungssuche nie weit von ihrem Nachwuchs und kehrt regelmässig zurück, um ihn zu säugen. Liegen die Tiere im hohen Gras, ist es äusserst schwierig, sie zu entdecken. Hier kann die Drohne Abhilfe schaffen.

Jäger Mirko Calderara und René Büchel suchen nach einem Rehkitz in der Wiese. (Bild: Keystone)

Jäger Mirko Calderara und René Büchel suchen nach einem Rehkitz in der Wiese. (Bild: Keystone)

Pilot Ueli Sager, Geschäftsleiter der Bühler Firma Remotevision, überflog vor dem Schnitt des Grases das Gebiet in einer Höhe von rund 40 Metern mit seinem Fluggerät. Dieses hat eine Wärmebildkamera angehängt, welche auf einem Bildschirm am Boden Wärmepunkte anzeigte. Das können Rehkitze sein. Mirko Calderara als Vertreter der Patenjäger, und René Büchel, nebenamtlicher Jagdaufseher, begutachteten die potenziellen Fundstellen. Der Drohnenpilot lotste sie mittels Funk zu diesen Stellen. Die beiden Jagdvertreter konnten Entwarnung geben: Einmal zeigte die Wärmebildkamera einen Feldhasen an, kurze Zeit darauf zwei Katzen. Ein Kitz wurde dagegen keines geortet. Nigg bezeichnet diese Meldung jedoch als «Erfolg». Der Landwirt könne danach beruhigt das Gras mähen. Bei einem Fund werden die entsprechenden Stellen markiert und die Jungtiere unter einem Holzharass festgehalten, bis die Arbeiten mit dem Mäher erledigt sind. Damit wird verhindert, dass sie sich wieder ins Gras legen und erneut ihr Leben riskieren. Nur bei grosser Hitze werden die Rehlein an einen schattigen Waldrand gelegt. Beides soll mit möglichst wenig Stress für die Tiere erfolgen. Trotzdem schreien die Rehkitze in solchen Momenten als Reflex auf drohende Gefahren wie am Spiess.

Einsatz der Drohnen funktioniert

Die Erkenntnisse der ersten Drohnenflüge an drei Vormittagen im Vorderland sind vielversprechend. Sechs junge Rehe konnten auf diese Weise in Sicherheit gebracht werden, bevor die Wiesen gemäht wurden. Grundsätzlich funktioniere der Einsatz der Drohne, sagte Nigg. Bislang stellt man Verblendungen auf, die Rehe davon abhalten sollten, ihre Kitze im hohen Gras abzulegen. Eine zweite gängige Methode ist die Imitierung der Warnrufe der Rehe, um allenfalls Mutter und Kitz im Gras ausfindig zu machen. Beide Verfahren bergen aber ein Restrisiko, das mit der Lösung Drohne nochmals minimiert werden kann. Abgesehen davon ist diese zeitsparend.

Noch gibt es aber zum Pilotprojekt offene Punkte, die es zu klären gilt. Dazu gehört beispielsweise die Klärung der Finanzierung dieser Drohneneinsätze. In einer ersten Phase kommt der Kanton dafür auf. Zudem gilt es, logistische Herausforderungen zu meistern, wenn beispielsweise mehrere Bauern gleichzeitig heuen wollen. Um diese und andere Fragen zu klären, wird nun unter der Leitung des Amts für Raum und Wald eine Arbeitsgruppe mit allen Beteiligten eingesetzt. Ziel ist es, die Drohnensuche nach Rehkitzen für Bauern bereits nächstes Jahr flächendeckend anzubieten.

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