Die Pubertät ist eine Nervenprobe für alle

Kürzlich lud die Elternbildungskommission Mosnang zu einem Referat mit Henri Guttmann, Psychotherapeut SBAP und Familientherapeut aus Winterthur, ein. Der Referent riet den Anwesenden eine klare Linie im Umgang mit den Jugendlichen zu verfolgen.

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MOSNANG. Die Leiterin der Elternbildungskommission, Heidi Widmer, begrüsste die rund sechzig Personen, die zum ersten Anlass des laufenden Jahres ins Pfarreiheim nach Mosnang gekommen waren. Nach einer kurzen Vorstellung seiner Person, kam Henri Guttmann schnell zum Thema des Abends und kam auf den Pubertätsüberlebenskoffer für Eltern – PÜK zu reden.

Der Referent, der in seiner Praxis oft Jugendliche in der schwierigen Zeit der Pubertät coacht, zeigte auf, wie breit seine Erfahrung im Umgang mit Jugendlichen ist, indem er seine Ausführungen mit vielen praktischen Beispielen verständlich und nachvollziehbar machte. Mit dem Zitat «Ich bin nur eine kleine Nummer, ich bin die Nummer 1.» erläuterte er, dass Jugendliche in dieser Zeit oft zwischen Grössenphantasien und grosser Unsicherheit schwanken. So seien die Berufsziele wie Autorennfahrer, Schauspielstar oder Delphintrainerin oft unrealistisch und würden sich erst nach einer Realitätsanpassung Ende der Oberstufe normalisieren.

Nervenprobe für Eltern

Laut mehrerer Studien ist die Zufriedenheit der Ehepartner nie niedriger als während der Pubertätszeit ihrer Kinder. Mit dieser Tatsache verdeutlichte Henri Guttmann die Notwendigkeit des richtigen Rüstzeuges für den Umgang mit den Jugendlichen. Die Entwicklungsaufgaben der Jugendlichen bestehen in der Ablösung von den Eltern und die Orientierung an anderen Personen, wie Idolen und neuen Bezugspersonen. Die Auseinandersetzung mit den Werten und Normen der Eltern ist darin spürbar, dass alles hinterfragt und Grenzen bewusst ausgelotet werden.

Glaubwürdige Vorbilder

Die Kinder müssen mit dem Eintritt in die Berufswelt lernen auch Eigenverantwortung zu übernehmen. Dazu gehört der Umgang mit Sackgeld sowie mit Grenzen, die den Jugendlichen nun auferlegt werden.

Eine weitere Schwierigkeit für die Jugendlichen sei der Umgang mit einem neuen Körperschema des sich schnell entwickelnden Körpers. Pubertäre Jugendliche tendierten dazu, gerne zu experimentieren, was zuweilen auch zu gefährlichen Situationen führen könne, wie dem geplanten Bau einer Bombe oder anderen gefährlichen Gegenständen.

Henri Guttmann wies darauf hin, dass Jugendliche das Gefühl haben wollen, dass sie selber etwas bewirken können. Dieses Gefühl der Selbstwirksamkeit sei sehr wichtig, es bewirke nämlich ein besseres Selbstwertgefühl.

Mit mehreren Pubertäts-Überlebenstips rundete Henri Guttmann das Elternbildungsreferat ab. So brauchen Jugendliche glaubwürdige und lebendige Vorbilder, an denen sie sich reiben können. Unsicherheiten und Begrenzungen sollen sichtbar sein, sie machen die Eltern glaubwürdiger. Siebzig Prozent des Alltags sei Wunschdenken, doch wo bleibt die Eigenleistung? Mit dieser Frage weist Henri Guttmann auf das von ihm entwickelte Spiel «Familiengeflüster» hin, das Wünsche in der Familie thematisiert und Lösungswege aufzeigt. So fordert das Spiel als Gegenleistung für erfüllte Wünsche eine klar definierte Gegenleistung.

Drei verschiedene Nein

Der Referent zeigte auf, dass die Jugendlichen in der Pubertät den Eltern nur selten ein «Beziehungsfenster» öffnen und dass diese Fenster von den Eltern als Geschenk und Gelegenheit genutzt werden sollten, um mit den Kindern ins Gespräch zu kommen. Solche Fenster öffneten sich manchmal in den ungelegendsten Momenten und sollten trotzdem wahrgenommen werden.

Eine goldene Regel im Umgang mit Pubertierenden sei es Nein sagen zu können. Henri Guttmann erläuterte die drei Formen des Neins: das spontane, das kategorische und das verhandelbare Nein. So sei oft der Mut zur Peinlichkeit wichtig und zu viel Grosszügigkeit der Eltern mit Naivität gleichzusetzen. Eine klare Linie sei sehr wichtig und die Jugendlichen empfänden die Eltern sowieso als peinlich.

Der Referent formulierte den Wunsch, dass die Eltern genug Zeit für sich nehmen sollen. So seien Paar-Inseln, jährliche, wöchentliche und sogar tägliche Zeitfenster wichtig, um die Partnerschaft zu pflegen und so den Jugendlichen eine liebevolle Umgebung für deren Entwicklung zu bieten. Mit dem Vorlesen eines Textes mit zwölf Forderungen eines Kindes an seine Eltern schloss Henri Guttmann seinen Vortrag, der mit viel Beifall aus dem Publikum belohnt wurde. Heidi Widmer überreichte dem Referenten ein Präsent mit Spezialitäten aus Mosnang. (pd)

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