Nationalfeiertag
«Wir müssen die Jungen dort ansprechen, wo sie ihre Stärken haben»: FC St.Gallen-Präsident Matthias Hüppi spricht auf dem Kronberg erstmals an einer Bundesfeier

Noch nie in seinem Leben hielt Matthias Hüppi eine 1. August-Ansprache. Dieses Jahr machte er eine Ausnahme. Auf dem Kronberg zeigte er frühmorgens auf, wie sein Club die Coronakrise übersteht und was es für den Erfolg im Leben braucht.

Jesko Calderara
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Auf dem Kronberg trat FC St.Gallen-Präsident Matthias Hüppi erstmals an einer Bundesfeier auf.

Auf dem Kronberg trat FC St.Gallen-Präsident Matthias Hüppi erstmals an einer Bundesfeier auf.

Bild: CAL

«Irgendwann erwischt es jeden», meinte Matthias Hüppi scherzend. Noch nie in über 40 Jahren hatte der Verwaltungsratspräsident des FC St.Gallen und ehemalige Sportmoderator des Schweizer Fernsehens am 1. August eine Rede gehalten – bis am Sonntag. Die Verantwortlichen der Jakobsbad-Kronberg AG konnten Hüppi davon überzeugen, an ihrer Feier als Gastredner aufzutreten. Der traditionelle Anlass auf dem Kronberg findet jeweils in den frühen Morgenstunden statt.

Bei Hüppis Premiere stimmten einzig die äussern Bedingungen nicht. Es regnete in Strömen, als um vier Uhr in der Früh die ersten Gondeln ihren Betrieb aufnahmen. Vom angekündigten mystischen Sonnenaufgang war weit und breit nichts zu sehen, auch weil teilweise Nebel über dem Gipfel hieng. Trotz des schlechten Wetters nahmen bis zu 130 Personen aus nah und fern am Fest teil.

Plädoyer für mehr Mut und Optimismus

Vom wenig einladenden Äusseren liessen sich aber weder die Besucher noch Matthias Hüppi, der um 5.30 Uhr ans Mikrofon trat, die Laune verderben. Er sprach, wie man es von ihm gewohnt ist: emotional, gestenreich, euphorisch. Hüppi ging in seinen Ausführungen der Frage nach, was es für den Erfolg braucht. Er betonte:

«Man muss den steilen Wanderpfad nehmen oder den eigenen Weg finden.»

Auf den Gipfel des Erfolgs führe schliesslich keine Bahn, so Hüppi in Anspielung an Kindheitserinnerungen, als er mit seinem Vater auf den Kronberg laufen musste statt die Luftseilbahn zu nehmen. Je schneller es im Leben hinaufgehe, desto schneller könne es auch hinabgehen. Vor allem wen man öffentlich exponiert sei und von allen beurteilt werde. Im Erfolg sowie im Misserfolg brauche es deshalb eine Balance, eine gewisse Distanz zur Sache und ein gesundes Mass an Emotionen.

Hüppi outete sich als Skeptiker von 1. August-Ansprachen. Von einem guten Redner erwarte er Vertrauenswürdigkeit, Glaubwürdigkeit und Ehrlichkeit. Gerade wenn es gelinge, Vertrauen zu gewinnen und zu rechtfertigen, werfe einem so schnell nichts aus der Bahn.

Zum Schluss seiner Rede zeigte der Präsident des FC St.Gallen, wie er zusammen mit dem Verwaltungsrat und den Mitarbeitenden die Hürden der Coronakrise «übersprang». Kontraproduktiv sei eine negative Grundhaltung, so Hüppi.

«Damit hätten wir die verbreitete Verunsicherung nur noch verstärkt.»

In solchen schwierigen Zeiten sind gemäss Hüppi Empathie («auch unsere Spieler hatten Existenzängste»), Ruhe, Energie, Ziele und ein funktionierendes Team unabdingbar. Er plädierte zudem für mehr Optimismus und Mut. Nur damit könne die ältere Generation dem Nachwuchs auf die Sprünge helfen. «Wir müssen die Jungen dort ansprechen, wo sie ihre Stärken haben.»

Alphornklänge, Jodlerin und Stegreifgruppe

Zur 1. August-Feier auf dem Kronberg gehört auch das musikalische Rahmenprogramm. Bereits vor der Ansprache verkürzten die Stegreifgruppe Gonten, die Alphornspieler Aurel Wyser, Daniel Fritsche und Andre Nägeli sowie die Jodlerin Antonia Manser die Wartezeit. Später erklingt die Nationalhymne. Anschliessend dislozierten die Anwesenden für das Frühstücks-Buffet ins nahe gelegene Berggasthaus.

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