Ausserrhoder Immobilienmarkt:
Die Preise geraten ins Rutschen

2019 sind Liegenschaften in Appenzell Ausserrhoden tendenziell günstiger geworden. Die Ausnahme ist Herisau.

Jesko Calderara
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Entgegen dem kantonalen Trend sind 2019 in Herisau die Immobilienpreise gestiegen.

Entgegen dem kantonalen Trend sind 2019 in Herisau die Immobilienpreise gestiegen.

Bild: Martina Basista

Die Preise für Eigentumswohnungen sind 2019 in den meisten Ausserrhoder Gemeinden gesunken. Dies zeigt der kürzlich veröffentlichte Immobilienmarktbericht der St.Galler Kantonalbank (SGKB). Demnach verzeichnete der regionale Preisindex gegenüber dem Vorjahr ein Minus von 0,7 Prozent. Das Beratungsunternehmen Wüest Partner hat im Auftrag der SGKB den Häusermarkt in den drei grössten und den drei kleinsten Ausserrhoder Gemeinden untersucht. Dazu wird für jedes Dorf der Preis eines Modell-Objekts geschätzt. Das Ziel dieser Methode ist es, Gleiches mit Gleichem zu analysieren.

Auffallend an den neusten Zahlen ist die Entwicklung in Teufen. Nachdem eine mittlere Eigentumswohnung in der steuergünstigsten Ausserrhoder Gemeinde im Vorjahr fast eine Million Franken kostete, bewegen sich die Preise seit einigen Monaten rückläufig.

Objekte müssen länger ausgeschrieben werden

Unter den wichtigsten Immobilienmärkten verzeichnete einzig die grösste Gemeinde im Kanton einen Preisanstieg. In Herisau mussten die Käufer für ihr Wunschobjekt zwei Prozent mehr bezahlen als noch vor zwölf Monaten. Trotz einer preislichen Entspannung ist Stockwerkeigentum in Appenzell Ausserrhoden nach wie vor begehrt. Gemäss der SGKB-Studie entwickeln sich sowohl die Zahl der online geschalteten Suchabonnemente als auch jene der getätigten Handänderungen stabil. Ein weiteres Kriterium zum Zustand des Immobilienmarktes ist die sogenannte Insertionsdauer. Diese Kennzahl gibt an, wie lange ein Inserat bis zum Verkauf einer Immobilie aufgeschaltet ist. Die durchschnittliche Insertionsdauer für Eigentumswohnungen in der Region ist gegen Ende 2019 gestiegen, bewegt sich mit rund 70 Tagen aber noch immer im nationalen Mittelfeld.

Seit 2009 sind die Wohnungspreise in AR stärker gestiegen als in St. Gallen.

Seit 2009 sind die Wohnungspreise in AR stärker gestiegen als in St. Gallen.

Grafik: PD

Anders als bei den Eigentumswohnungen präsentiert sich die Situation im Segment der Einfamilienhäuser. Im dritten Quartal 2019 mussten die Käufer solcher Objekte durchschnittlich 2,3 Prozent mehr bezahlen als vor einem Jahr. Der Schein trügt allerdings. Im Vergleich zum vorangegangenen Quartal lagen die Kaufpreise etwas tiefer. Bei Einfamilienhaussuchenden rücke vermehrt das Preis-Leistungs-Verhältnis in den Vordergrund, folgern die Autoren des Berichts. Angesichts des hohen Preisniveaus erstaune dies nicht. So muss etwa in Teufen für ein mittelgrosses Einfamilienhaus durchschnittlich 1,4 Millionen Franken auf den Tisch gelegt werden. Immer weniger Käufer sind offenbar bereit, dies zu tun. Ganz anders in Herisau. In der Hinterländer Gemeinde gab es aufgrund der hohen Nachfrage einen Preisanstieg von fünf Prozent.

Mieter müssen 16 Prozent mehr bezahlen als 2009

Aussagekräftiger ist der Vergleich über einen längeren Zeithorizont. Dabei zeigt sich: Die Preise für Eigentumswohnungen sind in den letzten zehn Jahren in Ausserrhoden stärker gestiegen als im Nachbarkanton St.Gallen. Seit 2009 betrug der Anstieg zwischen 30 und 60 Prozent, je nachdem ob es sich um einfache oder gehobene Wohnungen handelt. Dieses Wachstum sagt jedoch nichts über das Preisniveau aus. Seit 2015 tendieren die Immobilienpreise seitwärts. Anders als bei den Eigentumswohnungen hinkt Ausserrhoden bei den Einfamilienhäusern St.Gallen hinterher. Im Kanton muss für solche Objekte, je nach Grösse, heute 30 bis 65 Prozent mehr bezahlt werden als 2009.

Bei den Häuserpreisen hinkt die Entwicklung in Ausserrhoden jener im Nachbarkanton St.Gallen hinterher.

Bei den Häuserpreisen hinkt die Entwicklung in Ausserrhoden jener im Nachbarkanton St.Gallen hinterher.

Grafik: PD

Tiefer in die Tasche greifen für Wohnen müssen auch die Mieter in Ausserrhoden. Dies zeigt die Entwicklung der Wohnungsmieten. In den letzten zehn Jahren gab es in diesem Bereich einen Anstieg von 16 Prozent. Allerdings ist auch hier eine Trendwende feststellbar. Gemäss der SGKB-Statistik sinken seit 2015 die Mieten.