Die Polizei, dein Freund und Helfer

Es ist spätabends kurz vor elf Uhr. Nach einem beruflichen Anlass in Urnäsch warte ich am Bahnhof auf den Zug nach Herisau. Bei frostigen Temperaturen ist weit und breit kein Mensch zu sehen.

Jesko Calderara
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St. Gallen - Jesko Calderara Redaktion Appenzell (Bild: Jesko Calderara)

St. Gallen - Jesko Calderara Redaktion Appenzell (Bild: Jesko Calderara)

Es ist spätabends kurz vor elf Uhr. Nach einem beruflichen Anlass in Urnäsch warte ich am Bahnhof auf den Zug nach Herisau. Bei frostigen Temperaturen ist weit und breit kein Mensch zu sehen. Wenigstens verfügt das Bahnhofareal über einen modernen und geheizten Wartesaal. Gemütlich setze ich mich in eine Ecke. Der Durst oder genauer gesagt der Getränkeautomat treibt mich nochmals aus dem Wartesaal. Ein folgenschwerer Entscheid, wie sich später zeigen sollte. Denn dummerweise lasse ich meine Fotokamera und die persönlichen Unterlagen zurück. Beim Versuch, wieder den Warteraum zu betreten, folgt die böse Überraschung: Die automatische Verriegelung hat zugeschlagen. Ohne Warnung. Ohne Hinweis. Verdutzt stehe ich vor der Tür und versuche vergebens, das Gepäck aus dem Innenraum zu holen. Keine Hilfe erhält man im Polizeiposten Urnäsch, der im selben Haus untergebracht ist. In der idyllischen Gemeinde ist dieser nur dreimal wöchentlich besetzt. Verzweiflung macht sich breit. Als letztes fällt mir abends um elf Uhr nur noch die Notrufzentrale der Kantonspolizei in Herisau ein. Eine nette Dame nimmt den Anruf entgegen und hört sich meine Geschichte an. Sie verspricht, sich sogleich um meine missliche Lage zu kümmern. Und prompt ruft die Polizistin nach wenigen Minuten mit einer erfreulichen Nachricht zurück. Zu meinem Retter wird an diesem Abend der Lokführer jenes Zuges, mit dem ich heimwärts fahren will. Er trägt einen Schlüssel für den Wartesaal, der ohne Vorankündigung schliesst, bei sich. Erleichtert und mit vollständigem Gepäck trete ich die Heimfahrt an. Eigentlich lernt man(n) es ja bereits in der Rekrutenschule: Die persönliche Ausrüstung ist stets bei sich zu tragen. In einer ähnlichen Situation werde ich mir künftig diese militärische Regel in Erinnerung rufen.

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