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«Die Person, die ich sein will»

Die Appenzellerin Sara Streule ist gedanklich immer irgendwo anders: In Taiwan, in London, in Australien. Durch ihren Mode-Blog kommuniziert sie mit Modefans aus der ganzen Welt, die ihren individuellen Kleidungsstil lieben und teilen.
Nina Ladina Kurz
Sara Streule mag es ausgefallen: In ihrem Blog zeigt sie ihren eigenen Stil. (Bild: pd)

Sara Streule mag es ausgefallen: In ihrem Blog zeigt sie ihren eigenen Stil. (Bild: pd)

Goldene Plastikschuhe, lila glitzernde Strümpfe, zwei übereinander getragene Kleider, beide in Violett-Lila-Farben, und eine Einhorn-Halskette. Dazu violette Ohrringe, die in ihrer Octopus-Form an Fischerhaken-Köder erinnern, eine geometrisch geschnittene, platinblonde Bob-Frisur mit Pony und immer ein Lächeln auf ihren violett bemalten Lippen.

Die Appenzellerin Sara Streule gleicht nicht diesen von H & M-Plakaten lächelnden Prototyp-Models. Zum Glück nicht, wie sie sagt. «Ich will ein Chamäleon sein, mich immer wieder neu erfinden und weiterentwickeln», so die 30-Jährige.

«Paradiesvogel? – Das passt!»

Unter dem Pseudonym «Lovely Sara» präsentiert sie ihren Stil auf dem Blog «Sara is in Love with»: farbenfroh, ausgefallen, unkonventionell. Der Blog sei ihre Spielwiese, eine Plattform für ihre Kreativität. Zweimal pro Woche stellt sie einen neuen Look online. Ob die Bezeichnung Paradiesvogel eine Beleidigung wäre? – «Nein, ich stelle mir einen Paradiesvogel sehr farbenfroh und exotisch vor. Das passt doch!»

Auf die Bezeichnung Bloggerin möchte sie sich jedoch nicht reduziert wissen. Künstlerin? Designerin? Diese Begriffe könne man nicht voneinander trennen. Mode habe einen Bezug zu Kunst, Zeitgeschichte und Design. Bereiche wie eine Symbiose, die sich gegenseitig inspirieren. Ihr eigener Stil sei beeinflusst von Pop-Art, japanischen Blogs und Mode aus den 50er-, 80er- und 90er-Jahren. Es sei nicht so, dass sie sich ohne Make-up und ausgefallene und bunte Kleider nicht gefalle, sagt Sara Streule, «doch die Mode ermöglicht mir, genau die Person zu sein, die ich sein will».

Ohne Einfluss von Kampagnen

Die Outfits für die Blog-Einträge stellt sie nach Lust und Laune zusammen, die grafischen Elemente gestaltet sie selbst. Früher hätte sie damit Mühe gehabt, Bilder von sich selbst ins Netz zu stellen, «doch der Blog soll persönlich sein und meinen Stil zeigen».

Ging es um Kleider, war Sara Streule schon immer eigenwillig. Auch als Kind und Jugendliche. «Im beschaulichen Brülisau wuchs ich ohne den Einfluss von grossen Werbekampagnen der Modewelt und Markendruck auf. Dies hat meine Individualität sicher gefördert.» Dass sie aufgrund ihrer Kleiderwahl auffällt, war ihr bereits damals egal.

Als sie nach der Studienzeit in einem Grafikdesign-Studio in London arbeitet, verliebt sie sich in einen Schweizer und kehrt in ihr Heimatland zurück. Die Leute würden den Stil ihres Freundes im Gegensatz zu ihrem wohl als «normal» bezeichnen, sagt Sara Streule und lacht. Er sei es aber, der sie ermutige und auch die Fotos für den Blog mache.

Der Hut-Tick

Dass sie ab und zu verwunderte Blicke der Passanten erhalte, stört sie nicht. Sie wolle weder bewusst provozieren noch um jeden Preis auffallen. Nur wenn ihr jemand sage, sie lebe in einer oberflächigen Welt, wehrt sie sich: «Die gleichen Menschen, die behaupten, Mode sei oberflächig, verurteilen mich wegen meinem lila Lippenstift oder meinen goldigen Schuhen», sagt sie, «das ist doch paradox.» Ihr grosses Idol hat sich ebenfalls nie darum geschert, was andere von ihr denken: die 2007 verstorbene englische Moderedaktorin Isabella Blow. Die exzentrische Grande Dame der Mode hatte zu Lebzeiten gesagt, Hüte könnten einen Menschen verändern.

Eine Liebe, die Sara Streule mit ihr teilt. «Hüte sind wie ein Schutz zwischen mir und dem Rest der Welt», sagt die Ostschweizerin. Sie besitzt ausgefallene Kreationen, wie sie die Royals zu den Pferderennen tragen, Modelle mit Netzen vor dem Gesicht wie zu Zeiten der grossen Filmdiven und moderne Variationen wie ihr Lieblingsmodell: ein Hut, bestehend aus zwei übergrossen Kirschen. «Ohne Hüte wäre mein Stil nicht komplett», sagt sie.

Ob sie nicht lieber in London leben wolle, oder in New York? «Momentan lebe ich gerne hier», sagt sie, «hier habe ich meine Familie, meinen Job und gute Freunde.» Durch ihren Blog hat sie sich ein globales Kontaktnetz aufgebaut. Man tauscht sich aus, schickt Bilder von neuen Designideen und inspiriert sich gegenseitig.

Das sei das Schönste am digitalen Zeitalter: «Egal, wo ich bin, ich kann stets in Kontakt mit meinen Leuten in London, Taiwan und Australien sein und einen kreativen Austausch führen.»

Kein kommerzieller Erfolg

Diese Möglichkeit bestärkt sie in ihrem Bestreben, so individuell zu sein, wie sie möchte. Und mit ihrem Blog möchte sie genau dies weitergeben. Kommerziellen Erfolg strebt sie nicht an. Gegen Bezahlung Mode zu zeigen, dir ihr nicht gefällt, kommt für sie nicht in Frage.

Die schönsten Komplimente seien die der Leserinnen, sagt sie: «Wenn sie mir schreiben, dass sie dank mir den Mut hatten, etwas Unkonventionelles anzuziehen und einfach die Person zu sein, die sie sein möchten. Dann habe ich ich meinen ganz persönlichen Auftrag erfüllt.»

www.saraisinlovewith.blogspot.com

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