Die Perle glänzt wieder

Stein ist die jüngste Gemeinde im Kanton Appenzell Ausserrhoden. In den vergangenen Jahren haben die Hinterländer mit einer regen Bautätigkeit auf sich aufmerksam gemacht.

David Scarano
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Stein. «Die Perle des Appenzellerlandes»: So lautet der vom aktuellen Gemeindepräsidenten Fritz Leirer geprägte Slogan der Gemeinde Stein AR. Der Leitspruch geht zurück auf den Titel eines Gemäldes, das die Gemeinde Anfang der 1940er-Jahre geschenkt erhielt und seither im Rätezimmer auf der Gemeindekanzlei den Betrachter erfreut. Damit betont Fritz Leirer unter anderem die vorzügliche geographische Lage der Hinterländer Gemeinde, die mit dem Alpstein vor Augen im Herzen des Appenzellerlandes, aber dennoch so stadtnah liegt.

Die Stadt St. Gallen, als Ostschweizer Metropole, ist nur gerade 15 Auto-Minuten entfernt, nicht viel länger brauchen Fussgänger oder Velofahrer über die frisch renovierte Haggenbrücke.

Rekord: 1960 Einwohner

Stein hat wie andere Ausserrhoder Dörfer eine wechselvolle Entwicklung hinter sich. Die jüngste Gemeinde des Kantons – sie trennte sich 1749 von Hundwil – erlebte im Jahr 1888 mit knapp 1960 Einwohnern ihren Höchststand. Danach begann der Krebsgang, bis 1970 mit 1069 Einwohnern der Tiefpunkt erreicht wurde.

Seither geht's wieder aufwärts. In den letzten Jahren hat die «Perle» wieder zu glänzen begonnen. Stein verzeichnet eine überdurchschnittliche Bautätigkeit. Hätten sich alle Ausserrhoder Gemeinden in der jüngsten Vergangenheit so entwickelt wie Stein, müsste der Kanton keinen Stillstand beklagen.

Jährlich um 1 Prozent wachsen

Die Gemeinde Stein hat sich zum Ziel genommen, jedes Jahr um etwa ein Prozent bei der Bevölkerungszahl zuzulegen. «Wir sind auf Kurs», sagt Gemeindepräsident Fritz Leirer.

Im letzten Jahr ist die Steiner Gemeindebevölkerung auf 1357 Bewohner angewachsen, mittlerweile sind es schon 1377. Der Gemeindepräsident betont jedoch, dass das Wachstum nicht «auf Teufel komm raus» erreicht werden soll. «Wir streben ein sanftes und gesundes Wachstum an, das die jetzige Infrastruktur auslastet, aber keine zusätzlichen Verwaltungsgebäude bedingt», sagt er. Das Ziel, wenn möglich im Jahre 2016, sind circa 1460 Einwohner.

Wichtige Zonenplanrevision

Die rege Steiner Bautätigkeit basiert auf der im Jahr 2006 in Kraft getretenen Zonenplanrevision. Damit konnte attraktives Bauland eingezont werden. Die Hauptentwicklungsgebiete sind Schnädt West und Schnädt Ost beim Dorfeingang sowie Langenegg. Im letztgenannten Gebiet kommen Einfamilienhäuser zu stehen. In den «letzten Zügen» befindet sich die Überbauung Schnädt West, wo sechs Einfamilien- und zwei Mehrfamilienhäuser gebaut wurden. Alle Objekte sind vermietet oder verkauft worden.

In Schnädt Ost, unterhalb des Restaurant Hirschen, künden die Visiere eine nächste Bauetappe an. In einer ersten Phase entstehen drei grosse Mehrfamilienhäuser, in einem zweiten Schritt folgen Einfamilienhäuser. Trumpfkarte, um neue Bewohner nach Stein zu locken, ist das bezahlbare Bauland und die zentrale Wohnlage im Grünen mit der Nähe zur Stadt St. Gallen. Dank des Aufschwungs konnte die Gemeinde Stein den Steuerfuss um 0,3 auf 3,8 Einheiten senken.

Damit rangiert Stein AR hinter Teufen, Speicher, Schönengrund, ex aequo mit Walzenhausen kantonsintern auf dem vierten Rang.

Familienfreundlich

«Wir wollen vor allem Familien nach Stein holen», sagt Fritz Leirer. Die Gemeinde dürfe sich zu recht als familienfreundlich bezeichnen. Unter anderem werden alle Schulstufen an zentraler Lage angeboten. Zudem verfügt das Dorf über ein aktives Vereinsleben, das ein breites Freizeitspektrum abdeckt. Zu nennen gilt es etwa die Musikgesellschaft oder den Turnverein.

Deshalb hat der Gemeindepräsident keine Angst, Stein könne wegen der grossen Bautätigkeit eine so genannte Schlafgemeinde werden. Das Vereinsleben ist in Stein so lebendig, dass als Ersatz für die baufällige Dorfscheune ein Anbau an das Mehrzweckgebäude ins Auge gefasst wird, um auch dem Raumbedarf der Vereine zu entsprechen. Diese Unterstützung gewährt die Gemeinde gern. «Die Vereine sind wichtige Pfeiler im Dorfleben», sagt Fritz Leirer. Aktiv ist auch das Gewerbe. Den Beweis trat es im vergangenen Jahr an, als es erfolgreich eine Gewerbeausstellung durchführte.

Die Firmen und Unternehmungen sind zudem wichtige Arbeitgeber. «Wenn es dem Gewerbe gut geht, dann geht es auch uns gut. So bleibt Stein lebenswert», sagt Fritz Leirer. Ein besonderes Anliegen sind dem Gemeindepräsidenten auch Ausbildungsplätze für junge Berufsmenschen.