Nachbarn locken mit Gratis-Parkplätzen

Das Gewerbe erhofft sich durch die Initiative 30 Minuten Gratisparkieren eine Stärkung des Einkaufsstandortes. Andere Gemeinden bieten Gratisparkplätze bereits an. Deren Erfahrungen zeigen ein klares Bild.

Astrid Zysset
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Die Hoffnung des Gewerbes ist es, dass das Zentrum durch die halbe Stunde, in der gratis parkiert werden darf, belebter wird. (Bild: APZ)

Die Hoffnung des Gewerbes ist es, dass das Zentrum durch die halbe Stunde, in der gratis parkiert werden darf, belebter wird. (Bild: APZ)

In Herisau wird darüber abgestimmt, ob im Zentrum künftig für eine halbe Stunde gratis parkiert werden darf. Eine entsprechende Initiative hatte die SVP zusammen mit dem Gewerbe eingereicht, mit dem Ziel, den Einkaufsstandort zu stärken. Der Gemeinderat empfiehlt, die Initiative abzulehnen. Dies aus verschiedenen Gründen. Vor allem aber glaubt er nicht, dass die halbe Stunde einen positiven Effekt für die Gewerbebetreibenden haben wird.

In anderen Gemeinden wurden ähnliche Ansätze bereits umgesetzt. Flawil führte das halbstündige Gratisparkieren im Zusammenhang mit der Lancierung des neuen Parkierungsreglements am 1. Oktober 2016 ein. Schrittweise. Im Mai dieses Jahres kamen weitere Zonen hinzu. «Mit dem neuen Reglement wollten wir in erster Linie das wilde Parkieren auf öffentlichem Grund in den Griff bekommen», sagt Markus Scherrer, Informationsbeauftragter der Gemeinde, zu den Hintergründen. Denn das Langzeitparkieren wurde darin auf zwei Stunden beschränkt. Vor allem die Parkplätze an der Bahnhofstrasse wurden jeweils rege von Pendlern genutzt, um den ganzen Tag ihr Fahrzeug abzustellen. Diese Problematik habe sich mit dem neuen Reglement entschärft. «Wir sind sehr zufrieden», so Scherrer. Auch das Gratisparkieren stösst auf positive Resonanz – vor allem beim Gewerbe. «Das ist eine gute Sache», resümiert Gewerbevereinspräsident George Floros. Bei den Detaillisten hätte sich der Umsatz positiv entwickelt. «Genaue Zahlen kann ich nicht nennen, doch mir wurde berichtet, dass mehr Kundschaft verzeichnet wird.» Die Bahnhofsstrasse respektive das Zentrum sei belebter. Die Idee sei nun, das Gratisparkieren in ein paar Jahren gar auf die auch im Zentrum gelegene Magdenauer­strasse auszudehnen.

Gossau verfügt ebenfalls entlang der Hauptachsen über das halbstündige Gratisparkieren. Dies seit der Strassenneugestaltung vor fünf Jahren. Patrick Ammann, Präsident der Vereinigung Fachgeschäfte Gossau, schätzt, dass sich das Gratisparkieren positiv auf das Einkaufsverhalten entwickelt hat. «Es hängt ein wenig von der Branche ab, aber ich kann mir vorstellen, dass es für den schnellen Einkauf beispielsweise in der Metzgerei oder Bäckerei durchaus geschätzt wird.» Genaue Erhebungen gibt es jedoch nicht. Trotzdem: «Wenn wir das Gratisparkieren in Gossau abschaffen würden, bekämen wir das wohl zu spüren», so Ammann weiter. «So wie bei uns eine Abschaffung eine Signalwirkung hätte, würde die Einführung des Gratisparkierens im Ausserrhoder Kantonshauptort ebenfalls eine Wirkung haben. Aber eine positive. Davon bin ich überzeugt.»

Appenzell schränkte das Gratisparkieren ein

Im Bezirk Appenzell war das Parkieren lange Zeit gratis. Das Konzept der gebührenpflichtigen Parkplätze wurde im Jahr 2016 umgesetzt. Seither gilt: Auf dem Ziel-, dem Brauerei- und dem Hallenbadparkplatz wie auch auf den Parkplätzen zwischen Wühre- und Jakob-Signer-Strasse sind werktags nur noch die ersten 90 Minuten gratis. Danach muss bezahlt werden. In Appenzell wurde das Gratisparkieren somit eingeschränkt. Was meint das Gewerbe rückblickend zu diesem Schritt? «Eine tolle Sache», findet Milo Goldener vom Detailhandelsverband Appenzell. Mitarbeitende der kantonalen Verwaltung wie auch der Detailhandelsgeschäfte hätten zuvor die Parkplätze den ganzen Tag über belegt. Jetzt sind sie frei für die Kundinnen und Kunden. Und diese würden das Angebot schätzen. Verfügbare und nicht überteuerte Parkplätze seien das A und O, damit ausreichend Einkaufstouristen kämen, so Goldener. «Man sieht es ja in St. Gallen. Dort ist die Innenstadt durch das Fehlen der Parkplätze beinahe leer geworden.» Der Herisauer Initiative kann er darum Gutes abgewinnen, wobei er 30 Minuten doch schon als sehr kurz erachtet. «Das reicht, um ein paar Lebensmittel zu kaufen. Mehr nicht. Für ein richtiges Einkaufserlebnis wären 90 Minuten sicherlich besser gewählt.»

Hinweis

Die Abstimmung findet am 23. September statt.