Die neuen Zoras sind bekannt

Die Ausserrhoder Frauenzentrale zeichnet fünf engagierte und couragierte Frauen aus dem Kanton mit dem Prix Zora aus.

Karin Erni
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Hester Ryffel, die Vizepräsidentin der Ausserrhoder Frauenzentrale, mit den ungewöhnlichen Bierdeckeln.

Hester Ryffel, die Vizepräsidentin der Ausserrhoder Frauenzentrale, mit den ungewöhnlichen Bierdeckeln.

Bild: Karin Erni

Engagements von Frauen werden in der Öffentlichkeit weniger stark wahrgenommen als jene der Männer, hat die Ausserrhoder Frauenzentrale festgestellt. Um das Wirken der Frauen sichtbarer zu machen, hat sie 2018 den Anerkennungspreis Prix Zora ins Leben gerufen. Auf dreieckigen Bierdeckeln, die in Restaurants und Kulturlokalen auflagen, wurden Frauen gesucht, die sich auf verschiedenen Gebieten ausserordentlich eingesetzt haben. Mit dieser ungewöhnlichen Werbemethode sollten nicht zuletzt Männer angesprochen werden. Die Namen konnten per Whatsapp, SMS oder E-Mail eingereicht werden. Die Aktion wurde im vergangenen Herbst wiederholt.

Aus den eingegangenen Vorschlägen prämiert die Frauenzentrale dieses Jahr wieder fünf Frauen mit dem Prix Zora. «Sie sollen für ihren grossen Einsatz für das Gemeinwohl oder für einzelne gesellschaftliche Gruppen im Kanton geehrt werden», sagt Geschäftsstellenleiterin Fabienne Duelli.

«Dabei wollen wir ganz unterschiedliche Lebenssituationen, die Regionen und verschiedene Lebensphasen berücksichtigen.»

Zudem werde versucht, auf aktuelle Themen des vergangenen Jahres einzugehen, so Duelli weiter. «Im 2019 waren beispielsweise der Frauen- und Klimastreik sehr prägend.» Insgesamt sind rund 40 Nominierungen von Frauen und Männern eingereicht worden. Aus diesen hat die Frauenzentrale Irma Giovanoli aus Heiden, Paula Schindler aus Herisau, Annegret Wigger aus Heiden, Sylvia Kaeser-Casutt aus Speicher und Margrit Wild aus Stein ausgewählt.

Prix-Zora-Feier am Internationalen Frauentag

Die Gewählten erhalten die Prix-Zora-Auszeichnung im Rahmen einer Feier anlässlich des Internationalen Frauentags am Sonntag, 8. März, im Restaurant Bären Hundwil. Nach einem Dorfrundgang und gemeinsamen Brunch findet die Preisverleihung statt. Die fünf Frauen erhalten einen originellen Überraschungspreis. An der Veranstaltung werden sie zudem die Gelegenheit erhalten, kurz über ihr spezielles Engagement im vergangenen Jahr zu berichten. Moderiert wird der Anlass auch dieses Jahr auf gewohnt humorvolle Weise von der Kommunikationsfachfrau Anita Keller aus Heiden.

Vizepräsidentin Hester Ryffel freut sich auf den Anlass. «Der 8. März ist ein spezieller Tag: An diesem Sonntag finden auch die Wahlen im Kanton St.Gallen statt, und wir hoffen, dass dort möglichst viele Frauen gewählt werden.» Und eines ist für sie jetzt schon klar: Die Prix-Zora-Verleihung soll in Ausserrhoden auch nächstes Jahr wieder stattfinden.

Ihre Hilfsbereitschaft ist unermüdlich

Irma Giovanoli aus Heiden.

Irma Giovanoli aus Heiden.

PD

Irma Giovanoli setzt sich mit viel Engagement für das Wohlergehen ihrer Mitmenschen ein und wird dabei von ihrem Ehemann tatkräftig unterstützt. Sie war in Heiden während vieler Jahre Gemeindeschwester und als «rollender Engel» bekannt. Auch nach ihrer Pensionierung ist ihre Hilfsbereitschaft unermüdlich. So kocht sie regelmässig für einen Rentner, sammelt Kleider für Rumänien, macht unentgeltliche Fusspflege, betreut eine Frau weiterhin im Altersheim und begleitet Menschen in schwierigen Lebenssituationen, so auch im Hospiz-Dienst.

Paula Schindler setzt sich fürs Klima ein

Paula Schindler aus Herisau

Paula Schindler aus Herisau

PD

  2019 war geprägt durch viele junge Menschen, welche sich für das Klima einsetzten. Eine davon ist Paula Schindler aus Herisau und Kantischülerin in Trogen. Sie ist Mitgründerin der Klimagruppe AR, eines rund 30-köpfigen Schülerkollektivs, welches sich seit rund einem Jahr mit verschiedenen Aktivitäten für den Klimaschutz einsetzt. Als junger Mensch braucht es wohl noch mehr Mut, hinzustehen und Forderungen zu Veränderungen zu stellen. Sie will sich auch in Zukunft fürs Klima sowie auch für Frauenrechte engagieren.

Annegret Wigger liess die Frauen streiken

Annegret Wigger aus Heiden.

Annegret Wigger aus Heiden.

PD

In nur wenigen Wochen organisierte Annegret Wigger mit anderen Frauen den «Frauenstreik» im Kanton. Dafür stellte sie ihre persönlichen, beruflichen und politischen Netzwerke zur Verfügung. Ergebnis war am 14. Juni 2019 eine Kundgebung in Trogen mit mehr als 150 Frauen und Männern, die sich mit den Gleichstellungsforderungen von Frauen aus drei Generationen solidarisierten. Mit der Parole «30 Jahre StimmRecht AR. MACHT vorwärts Frauen» schlossen sich die Teilnehmenden anschliessend der Grosskundgebung in St. Gallen an.

Sylvia Kaeser-Casutt ist voller Tatendrang

Sylvia Kaeser-Casutt aus Speicher.

Sylvia Kaeser-Casutt aus Speicher.

PD

Gleich mehrfach trafen Nominationen für Sylvia Kaeser-Casutt ein. Sie kann wohl als eine der «guten Seelen in Speicher» bezeichnet werden. So engagiert sie sich für Migranten und Migrantinnen, Kinder, Familien, bietet Menschen mit kreativen Ideen eine Plattform und investiert viel Herzblut und Zeit in das Miteinander im Dorf. Ihr begegnet man im Café zur Blume, in der Nähecke oder im Garten, auf dem Sonntagsspaziergang, in der Schule, am Bring- und Holmarkt oder auf dem Velo, wenn sie voller Tatendrang unterwegs ist.

Margrit Wild, Wirtin im «Ochsen» Stein

Margrit Wild aus Stein.

Margrit Wild aus Stein.

PD

Seit über 40 Jahren wirtet Margrit Wild zusammen mit ihrem Mann Josef im Restaurant Ochsen in Stein. Sie tragen mit ihren regelmässig stattfindenden «Stobeten» zum Erhalt der Appenzeller Tradition und Kultur bei. Unermüdlich ist Margrit Wild für ihre Gäste und Familie im Einsatz und hat für jeden ein gutes Wort und ein offenes Ohr. Sie erledigt im Hintergrund zudem das Büro für das Hotel-Restaurant sowie für die familieneigene Farmtechnikfirma, und kann getrost als «nimmermüdes Stehauf-Fraueli» bezeichnet werden.