Die Natur war mein Spielplatz

Speerspitz

Martina.signer
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Kürzlich war ich am Spatenstich für einen Spielplatz. Es sei wichtig, mit den Kindern draussen zu spielen, wurde gesagt. Und viele Kinder könnten heutzutage mit der Natur nichts mehr anfangen. Wehmut kam in mir auf. Und Mitleid mit Kindern, deren Eltern ihnen lieber ein Smartphone in die Hand drücken, statt die Umgebung zu erkunden. Denn mein Spielplatz war die Natur.

Eines meiner Stiefelchen habe ich 1990 im Matsch verloren. Ich hatte auf der Baustelle im Schlamm gespielt. Tief war ich mit meinen Füssen im Dreck versunken. Der Sog beim Laufen wurde so stark, dass bei einem Schritt nur noch der besockte Fuss mit rauskam. Ich war zwei Jahre alt. Mein Lieblingsbild aus dieser Zeit zeugt von dem Vorfall. Darauf sitze ich bei der Treppe meines Elternhauses, zeige mit dem Finger in die Luft, habe die Stirn, an der ein Schlammklumpen klebt, in krause Falten gelegt. Auf dem Foto trage ich einen knallroten Overall und es ist mir anzusehen, dass ich mein Stiefelchen vermisse. Im Laufe meiner Kindheit habe ich bestimmt einige lieb gewonnene Gegenstände an die Natur verloren. Denn ich war bei schönem – und auch weniger schönem – Wetter meist draussen. Wir verbrachten Stunden damit, kleine und grössere Bäche zu stauen oder sammelten Blüten für eine «Hexensuppe» und warfen Stöckchen für unsere Collie-Mischlingshündin Senta.

Die Erinnerungen an meine Kindheit beinhalten viel Dreck an den Füssen, Grasflecken auf den Hosen und Laub in den Haaren. Was ich damit sagen will, ist Folgendes: Liebe Eltern, geht mit euren Kindern nach draussen und erlebt die Welt ausserhalb der vier Wände. Auch wenn es mal matschig und neblig ist. Daran werden sich die Kleinen besser erinnern, als an «Ice Age 5» und «Farmville».

Martina.Signer

martina.signer@toggenburgmedien.ch