Die Narren sind los

Sonntagsgedanken

Josef Manser, Bütschwil
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Die Fasnacht erreicht in die- sen Tagen ihren Höhepunkt. In den Nächten vor der Fastenzeit wird ausgelassen gefeiert. Der Schmutzige Donnerstag hat seinen Namen vom Fett (Schmotz). Mit Fett und Öl wird nicht gespart. Kalorienreiche Nahrung soll vorbereiten, die Fastentage gut zu bewältigen. Karneval kommt aus dem Lateinischen und bedeutet: Fleisch, lebe wohl.

«Kein Getreide wird an diesen Tagen gemahlen»

Älteste Wurzeln zum närrischen Tun finden wir bereits vor 5000 Jahren in Mesopotamien. Eine altbabylonische Inschrift aus dem 3. Jahrtausend vor Christus bezeugt ein siebentägiges Fest unter dem Priesterkönig Gudea. Auf der Inschrift steht: «Kein Getreide wird an diesen Tagen gemahlen. Die Sklavin ist der Herrin gleichgestellt und der Sklave an seines Herrn Seite. Die Mächtige und der Niedere sind gleichgeachtet.»

In den Kulturen des Mittelmeerraumes lassen sich ähnliche Feste finden, die meist mit dem Erwachen der Natur im Frühling in Zusammenhang stehen. In Ägypten wurde ein tolles Fest zu Ehren der Göttin Isis gefeiert. Die Griechen veranstalteten für ihren Gott Dionysos ein Fest und nannten es Apokries (Fleisch vorbei). Die Römer feierten vor der Sonnwende vom 17. Dezember bis 19. Dezember die Saturnalien zu Ehren von Gott Saturnus. Das ganze Volk war zum öffentlichen Gelage eingeladen. Hinrichtungen gab es während dieser Tage keine. Sklaven und Herren tauschten zeitweise die Rollen, feierten und sassen gemeinsam bekränzt bei Tische, tranken und assen, konnten das freie Wort wagen und überschütteten sich mit kleinen Rosen, ähnlich wie heute die Konfettis fliegen. Die Römer organisierten farbenprächtige Umzüge, bei denen ein geschmückter Schiffswagen gezogen wurde. Masken, Figuren, Geister, unheimliche Gestalten, Lärm und Bräuche sollen den Winter vertreiben, damit die warme, fruchtbare Zeit Einzug hält.

Ulk und Schabernack vor der Fastenzeit gab es im frühen Mittelalter an Klosterschulen. Vor den strengen und ernsten vierzig Tagen wurde der Lebensfreude viel Raum gegeben. Der Lateinlehrer schmiedete mit seinen Schülern lateinische Knittelverse nach Art von Schnitzelbänken. Es ergab sich die Möglichkeit, die Schwächen und Marotten der strengen Lehrer oder Klosteroberen auf humorvolle Weise zu Sprache zu bringen. Der Pater, der Musik und Gesang lehrte, verband das dichterische Werk mit Melodien, die er selber oder seine Schüler komponierten. Und es wurde Theater gespielt. Dazu trugen die Spieler Masken. Die an der Schule gelehrten Künste fanden so ihre praktische Anwendung.

Ich wünsche Ihnen bunte und fröhliche Fasnachtstage.

Josef Manser, Bütschwil