«Die nächsten zwei Wochen sind entscheidend»: Regierungsrat Balmer mit eindringlichem Corona-Appell an die Ausserrhoder Bevölkerung

In Appenzell Ausserrhoden verschärft sich die Situation in der Coronakrise. Aufgrund der steigenden Zahl an Neuinfektionen und Hospitalisierungen werden die Kapazitäten in den Spitälern knapper.

Jesko Calderara
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In Ausserrhoden gibt es sechs Intensivpflegeplätze, drei davon mit Beatmungsgeräten.

In Ausserrhoden gibt es sechs Intensivpflegeplätze, drei davon mit Beatmungsgeräten.

Bild: Urs Bucher
Franziska Kluschke ist Kantonsärztin.

Franziska Kluschke ist Kantonsärztin.

Bild: DSC

Die Zahlen sind alarmierend: In den vergangenen sieben Tagen sind in Appenzell Ausserrhoden 197 Personen positiv auf Covid-19 getestet worden, dazu gab es in diesem Zeitraum zwei Todesfälle infolge des Coronavirus. Alleine am Donnerstag und Freitag wurden zudem 13 Einlieferungen ins Spital verzeichnet. Erstmals seit Ausbruch der Coronapandemie befindet sich Ausserrhoden in einer exponentiellen Entwicklung. Dies bedeutet, dass sich die Zahl der Neuinfektionen derzeit innerhalb von sieben Tagen verdoppelt. Für das Gesundheitssystem hat dies schwerwiegende Folgen. «Mit den Fallzahlen steigen auch die Hospitalisationen», sagte Kantonsärztin Franziska Kluschke am Montag an einer Medienkonferenz. Auch diese würden sich aktuell wöchentlich verdoppeln.

Regierungsrat Yves Noël Balmer ist Vorsteher des Departements Gesundheit und Soziales.

Regierungsrat Yves Noël Balmer ist Vorsteher des Departements Gesundheit und Soziales.

Bild: PD

Ausserrhoden hat 60 Spitalbetten, diese können aber in Zusammenarbeit mit der Berit Klinik in Speicher, der Hirslanden Klinik am Rosenberg in Heiden und dem Spital Appenzell auf 162 ausgebaut werden. Das eigentliche Problem sind gemäss Regierungsrat Yves Noël Balmer die Intensivpflegeplätze. Davon gibt es in Ausserrhoden sechs, aber nur drei mit Beatmungsgeräten. Um diese zu bedienen, braucht es Fachpersonal. Balmer sagte:

«Wir können dafür nicht einfach einen Orthopäden einsetzen.»

Ketten sind kaum mehr rückverfolgbar

Zurzeit sind in Ausserrhoden 24 Personen wegen des Coronavirus im Spital, eine davon auf der Intensivstation. Sie werden in den Spitälern Herisau und Heiden behandelt. Falls die Kapazitäten nicht ausreichen, müssen Patienten ins Kantonsspital St.Gallen verlegt werden. «Wenn die Fälle im Nachbarkanton ebenfalls stark ansteigen, werden die Versorgungskapazitäten auch dort immer kleiner», warnte Kluschke.

Mit steigenden Fallzahlen sind nicht nur die Hospitalisierungen ein Problem, sondern auch das Contact-Tracing. Die Belastungsgrenze sei überschritten, der Ablauf müsse angepasst werden. Viele Ketten sind gemäss Kluschke nicht mehr eindeutig rückverfolgbar. Entscheidend sei jetzt die Mithilfe der Bevölkerung, sagte die Kantonsärztin. Patienten müssten sich bis zum Erhalt des Testresultats in Selbstisolation begeben und alle engen Kontakte der letzten 48 Stunden vor Auftreten der Symptome informieren.

Bis Massnahmen Wirkung zeigen, dauert es zwei Wochen

Ende der vergangenen Woche ist in Ausserrhoden die zweithöchste Alarmstufe erreicht worden. An einer ausserordentlichen Sitzung hat der Regierungsrat am Samstag deshalb weitere Massnahmen beschlossen. So gilt seit Montag eine Maskenpflicht im Büro und beispielsweise auf Wochenmärkten sowie ein Verbot von Chor- und Gesangsproben. Zudem sind Veranstaltungen mit über 50 Personen nicht mehr erlaubt, für private Treffen wurde die Teilnehmerzahl gar auf 15 beschränkt. Auch in der Gastronomie werden die Schrauben nochmals angezogen.

Regierungsrat Yves Noël Balmer appellierte an die Bevölkerung, die Massnahmen einzuhalten. «Die nächsten zwei Wochen werden entscheiden, ob wir die Lage in den Griff bekommen.» So lange dauert es ungefähr, bis die am Montag in Kraft getretenen Verschärfungen Wirkung zeigen. Aufgrund der stark steigenden Fallzahlen drängt die Zeit. Man habe nicht zuwarten können, bis der Bund am Mittwoch neue Massnahmen beschliessen wird, so Balmer.

«Nun haben wir sie drei bis vier Tage früher getroffen. Das verschafft uns einen Vorsprung.»