Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

AB-Direktor: «Die Nachteile einer Tunnellösung in Teufen werden zu wenig bedacht»

Die erhöhten Kosten beim Projekt Doppelspur haben die Tunneldiskussion in der Gemeinde Teufen neu entfacht. Wäre jene Lösung denn besser? Thomas Baumgartner, Direktor der Appenzeller Bahnen, sagt klar Nein. Kostenmässig wäre der Tunnel nach wie vor teurer.
Interview: Astrid Zysset
Geplant ist der Bau der Doppelspur durch Teufen. Nun ist aber die Tunneldiskussion neu aufgeflammt. Wie wird die Bahn künftig die Gemeinde durchqueren? (Bild: APZ)

Geplant ist der Bau der Doppelspur durch Teufen. Nun ist aber die Tunneldiskussion neu aufgeflammt. Wie wird die Bahn künftig die Gemeinde durchqueren? (Bild: APZ)

Die Kosten für die geplante Doppelspur in Teufen sind mittlerweile deutlich höher als einst geplant. Im Edikt zur Abstimmung über den Kurztunnel waren 36,82 Millionen für den Bau veranschlagt gewesen, mittlerweile liegen die Kosten bei 53,3 Millionen Franken. Im April gaben die Appenzeller Bahnen (AB), der Kanton und die Gemeinde bekannt, dass sie mit weiteren Mehrkosten rechnen und darum nun eine Standortbestimmung vornehmen wollen. Die Konsequenz daraus: In der Gemeinde ist die Diskussion um einen Tunnelbau anstelle der Doppelspur neu aufgeflammt. Dreimal wurde über einen Tunnel bereits abgestimmt, jedes Mal hatte die Bevölkerung die entsprechenden Kredite beziehungsweise Ideen verworfen. Wie wertet AB-Direktor Thomas Baumgartner die neue Tunneldebatte?

An der Bürgerversammlung in Teufen war ein möglicher Tunnel das vorherrschende Thema. Selbst Gemeindepräsident Reto Altherr sagte, dass man aktuell keine Lösung ausschliessen wolle. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Thomas Baumgartner: Die Tunneldiskussion scheint in Teufen wohl nie ganz zu verstummen. Die AB und der Kanton verfolgen nach den jüngsten beiden ablehnenden Volksabstimmungen um eine Kostenbeteiligung an einen Tunnel weiter die Doppelspur.

Scheint, als würden Sie der Diskussion nicht allzu viel Gewicht beimessen.

Nein, aber man muss die Mechanismen von Bahnprojekten und die Verantwortlichkeiten in den Entscheidungsprozessen berücksichtigen. Bahnprojekte durchlaufen andere Bewilligungsverfahren und müssen das Fahrplanangebot ermöglichen, das der Bund und die Kantone als Hauptaktionäre der Appenzeller Bahnen bestellen. Unser aller Mobilitätsbedürfnis wächst ständig und hier hat die Doppelspur deutliche Vorteile gegenüber dem einspurigen Tunnel.

Derzeit werden Unterschriften gesammelt, um die Realisierung aller Varianten, inklusive der Tunnellösung, erneut zu prüfen. Hat Sie die Petition überrascht?

Überrascht ist der falsche Ausdruck. Ich fände es für Teufen schade, wenn im Dorfzentrum in den nächsten, sagen wir mal zehn Jahren, einfach nichts geschieht und die heutige, unbefriedigende Situation bleibt. Der Bahnhof muss in jedem Fall umgebaut werden, sonst erfüllen wir die Vorgaben aus dem Behindertengleichstellungsgesetz nicht und können das von den Kantonen bestellte Fahrplanangebot nicht wirtschaftlich und betriebssicher umsetzen. Zudem müssten wir in der Zwischenzeit dringend die Bahnübergänge im Dorf sichern. Wer will denn eine Schrankenanlage bei der Schützenbergstrasse? Ich kenne niemanden.

In puncto Sicherheit wäre der Tunnel aber die bessere Lösung.

Beide Lösungen haben Vor- und Nachteile. Die Nachteile eines Tunnels werden in meinen Augen zu wenig bedacht. Der Ersatz der Hangbrücke, die Schliessung der Trottoirlücken und die Verbesserungen für den Veloverkehr bleiben beim Tunnel zusätzliche Aufgaben, die zu lösen sind und viel Geld kosten. Und was geschieht im Raum Stofel? Der Tunnel würde dort enden. Anschliessend würde die Bahn wieder das gewohnte Trassee nutzen. Das hat gegenüber der Doppelspur massgebliche Nachteile. Für die Bahn und ihre Kundinnen und Kunden sind betriebliche Aspekte wichtig, wie etwa die Fahrplanflexibilität. Diese ist mit der Doppelspur deutlich höher.

Aus Ihrer Sicht: Ist es realistisch, dass der Tunnel doch noch umgesetzt wird?

Wenn wir in den nächsten vier bis fünf Jahren eine deutliche Verbesserung gegenüber dem heutigen Zustand erwirken wollen, dann sehe ich die Möglichkeit eines Tunnels nicht.

Die Kostensteigerung bei der Doppelspur hat die Tunneldiskussion ausgelöst. Mittlerweile dürften beide Lösungen vermutlich etwa gleich teuer werden.

Das ist ein Trugschluss. Wir warten jetzt erst einmal die Ergebnisse der Standortbestimmung ab. In den eingangs erwähnten Kosten ist ja nicht nur die Dorfdurchfahrt, sondern auch der Bahnhofumbau und die Neugestaltung der Bahnhofkreuzung enthalten. Die aktuellen Kostenschätzungen werden nun reflektiert. Es wurden neue Forderungen ans Projekt gestellt. Der Kanton will Retentionen für das Regenwasser, die kosten alleine 500 000 Franken. Wenn man alles differenziert betrachtet, wird zum Tunnel und einem abgesenkten Bahnhof weiterhin eine erhebliche Kostendifferenz bleiben, die es zu finanzieren gilt. Zudem muss auch beim Tunnel das Risiko von Mehrkosten gewürdigt werden.

Der Umbau des Bahnhofs beginnt im kommenden Juni. Werden diese Arbeiten den Bau der Doppelspur präjudizieren?

Die Gleisanlage ist so konzipiert, dass sie später auf die Doppelspur passt. Aber jetzt muss sie die heutige Einspurlinie übernehmen. Wir brauchen deshalb einen dreigleisigen Bahnhof. Die Perronanlage muss für den niveaufreien Ein- und Ausstieg erhöht werden. Das dient im Übrigen allen Reisenden, nicht nur Personen mit einem Handicap. Und die Teufner Bevölkerung will sicher ein Dach auf dem Mittelperron und nicht jahrelang im Regen stehen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.