Die Nacht der «Anderswelten»

Sieben «Anderswelten»-Angebote stehen am Freitag im Rahmen der Erzählnacht in Appenzell Ausserrhoden zur Auswahl. Sie richten sich an Kinder, Erwachsene und Familien. Ein Augenschein im Primarschulhaus Schönengrund-Wald.

Monika Egli
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«Die Geschichte vom Wolkenbrot», aufgeführt von den Drittklässlern Michelle Willi, Ramon Zweifel, Valeria Grütter, Laurin Riss und Fabrice Steiger (von links). Aufgeregt waren sie «gar nicht» (Michelle), «ein wenig» oder «überhaupt nicht, ich könnte vor 10 000 Personen spielen» (Fabrice). (Bilder: eg)

«Die Geschichte vom Wolkenbrot», aufgeführt von den Drittklässlern Michelle Willi, Ramon Zweifel, Valeria Grütter, Laurin Riss und Fabrice Steiger (von links). Aufgeregt waren sie «gar nicht» (Michelle), «ein wenig» oder «überhaupt nicht, ich könnte vor 10 000 Personen spielen» (Fabrice). (Bilder: eg)

SCHÖNENGRUND. Verdunkelte Fenster, bunte Windlichter, märchenhafte Dekorationen allüberall: Es ist wieder Erzählnacht im Primarschulhaus Schönengrund-Wald. In der Aula tummeln sich aufgeregte Kinder, im «Café Andersch» herrscht kurz vor Vorstellungsbeginn emsiges Treiben. Eltern und Grosseltern stärken sich mit Snacks, hergerichtet von Schülern, verkauft von Lehrkräften, unter ihnen Gemeindepräsidentin Hedi Knaus. Niemand geizt mit Trinkgeld, wohl wissend, dass der Gewinn der Schulbibliothek zugute kommen wird.

«Das Grossereignis»

Schulleiter Markus Künzler, an diesem besonderen Abend als Fotograf im Schulhaus unterwegs, berichtet von der Bedeutung der Erzählnacht im Schulhaus Schönengrund: «Sie ist für uns das Grossereignis schlechthin. Alle 93 Kinder werden einbezogen.» Während die Kindergärtler sowie die Erst- und Zweitklässler zusammen mit ihren Lehrkräften jeweils für die Dekorationen und die Kaffee-Stube zuständig sind, bereiten die Kinder der 3. bis 6. Klasse je eine Produktion vor. Jede Klasse führt ihre Geschichte im Halbstundentakt vier Mal auf – eine reife Leistung, die viel Konzentration erfordert.

Wolken-, Tier-, Märchenwelt

«Anderswelten» heisst das Motto der diesjährigen Erzählnacht. Die Drittklässler haben sich für «Wolkenwelt» entschieden. Sie erzählen dem Publikum die Geschichte vom Wolkenbrot, während die Bilder aus dem gleichnamigen Buch an die Wand projiziert werden. Die Kinder dürfen – mit Rücksicht auf das Lampenfieber – ihre Texte ablesen und mit dem Rücken zum Publikum sitzen. Weiter geht es ins Schulzimmer der vierten Klasse. Hier wird ein Stabpuppentheater aufgeführt; jeder Schüler und jede Schülerin hat dazu seine Märchenfigur im Werken selber hergestellt. Erzählt wird ein russisches Märchen, das zum Teil umgeschrieben und angepasst worden ist. Das Stück dauert an die 25 Minuten; umso erstaunlicher deshalb, dass die Kinder selber entschieden haben, die Texte auswendig zu lernen, um den spannenden Ablauf nicht mit Papierrascheln zu stören.

«Tierwelt» heisst es bei den Fünftklässlern. In Dreiergruppen haben die Schüler und Schülerinnen selber lustige Tiergeschichten erfunden, die sie zu zweit erzählen, während der Dritte im Bunde das Ereignis mimisch darstellt oder zumindest als passende «Dekoration» dabeisteht. Die sechste Klasse schliesslich erarbeitete unter dem Motto «Hörwelt» mit Hilfe des Computers drei Hörspiele. Dazu gehörten nebst dem Entwickeln der Geschichten die Sprachaufnahmen und das Hinterlegen mit passenden Geräuschen. Eine Schülerin und ein Schüler lockern das reine Zuhören mit einem Theäterli auf. Die erste der vier geplanten Aufführungen ist den Kindern ausnahmslos gelungen. Nun legt sich die Nervosität. Gutgelaunte Eltern, erleichterte Lehrkräfte und übermütige Kinder geniessen den weiteren Verlauf der Erzählnacht, die im Schulhaus Schönengrund-Wald bereits zum neunten Mal über die Bühne ging.

Für jeden etwas

In sieben Ausserrhoder Dörfern fanden am Freitag Anlässe im Rahmen der Schweizer Erzählnacht statt. Nebst Schönengrund veranstalteten auch die Schule Gais und die Bibliothek Teufen Anlässe für Kinder. In Teufen konnten der Kindermusiker Markus Tschirky und Thomas Szokody engagiert werden. In Heiden boten die momentan laufenden «Polnischen Kulturtage» den Rahmen, während sich Urnäsch mit Geschichten am offenen Feuer in der Naturerlebnishütte Schönauwald an Familien wandte. Mit der Erzählnacht in der Bibliothek Schwellbrunn richtete man sich ausschliesslich an Erwachsene, ebenso in der Bibliothek Herisau, wo Kurt Fröhlich vom «Fährbetrieb» das Publikum in den Bann zu ziehen vermochte.

Blick hinter die Kulissen zu den Viertklässlern mit ihren Stabpuppen, die gleich ein russisches Märchen zeigen werden.

Blick hinter die Kulissen zu den Viertklässlern mit ihren Stabpuppen, die gleich ein russisches Märchen zeigen werden.

Auch die Produktionen der Fünftklässler (Bild) und die Hörspiele der Sechstklässler richteten sich sowohl an Kinder wie auch Eltern, während…

Auch die Produktionen der Fünftklässler (Bild) und die Hörspiele der Sechstklässler richteten sich sowohl an Kinder wie auch Eltern, während…

…an anderen Orten Anlässe ausschliesslich für Erwachsene angeboten wurden, wie hier in der Bibliothek Herisau, wo Kurt Fröhlich das Programm bestritt. (Bild: jw)

…an anderen Orten Anlässe ausschliesslich für Erwachsene angeboten wurden, wie hier in der Bibliothek Herisau, wo Kurt Fröhlich das Programm bestritt. (Bild: jw)