Die Nacht auf dem Gipfel

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Nach einem langen Tag mit Arbeit und Sport geniesst Ramona Forchini einen Moment der Stille. (Bilder: Karin Erni)

Nach einem langen Tag mit Arbeit und Sport geniesst Ramona Forchini einen Moment der Stille. (Bilder: Karin Erni)

Sommerserie Es gibt Leute, die regelmässig auf dem Säntis übernachten. Neben den Mitarbeitern der Swisscom sind dies vor allem Sportler, die sich vom Schlafen in der Höhe bessere Blutwerte versprechen.

Karin Erni

karin.erni@appenzellerzeitung.ch

Die Toggenburger Mountainbikerin ­Ramona Forchini setzt seit drei Jahren auf Höhentraining. Weil sie neben dem Sport in einem 30-Prozent-Pensum auf dem Sekretariat der Berufsschule Wattwil arbeitet, kann sie sich nicht wie eine Profisportlerin einfach mal für ein paar Wochen ins Engadin verabschieden. ­Forchini absolviert ihr Höhentraining daher auf dem Säntis – quasi im Schlaf. Dafür fährt sie nach der Arbeit jeweils mit der letzten Bahn auf den Berg und verbringt den Abend und die Nacht auf 2500 Metern Höhe.

Die U23-Weltmeisterin fährt für das Innerschweizer Strüby-Bixs-Team, dem zehn Athleten angehören. Neben ihrer Lieblingsdisziplin Crosscountry fährt sie auch Zeit- und Strassenrennen. Weil die Wattwilerin das 23. Altersjahr überschritten hat, bestreitet sie dieses Jahr erstmals alle Rennen in der Elite-Kategorie. Für sie heisst das, einen Zahn zulegen und das Training intensivieren. «Ich war diesen Sommer zwischen den Wettkämpfen circa drei Wochen auf dem Säntis.»

Langweilig werde es ihr nie auf dem Gipfel, sagt Ramona Forchini. «Es gibt immer etwas zu tun. Ich trainiere mit dem Velo auf der Rolle. Anschliessend koche ich mir etwas Feines in der Küche, lese oder erledige mein Büro.» Manchmal schaue sie einfach nur aus dem ­Fenster. «Das Wetter ändert hier oben zeitweise fast jede Minute.» Insbesondere die Gewitter seien ein Erlebnis. Es sei schon vorgekommen, dass die Fenster­scheibe mitten im Sommer zugefroren sei. Wenn es stürme, werde es sehr schnell ungemütlich. «Lüften kann man dann glatt vergessen, weil man das Fenster kaum noch zubekommt.» Bei schönem Wetter geht sie gerne ein bisschen spazieren und beobachtet die Steinböcke und Murmeltiere. «Hier oben kann ich gut von meinem Alltag abschalten und mich erholen.» Um 21.30 Uhr geht die Sportlerin meist ins Bett. «Weil es keine Vorhänge hat, wird es schon um fünf Uhr morgens hell im Zimmer und es wird schwierig, weiterzuschlafen.»

Wenn ihr die Decke doch einmal auf den Kopf fallen sollte, geht sie ins Berggasthaus Alter Säntis hinüber. Dieses hat auch am Abend geöffnet. «Dort ist ­immer jemand, mit dem man plaudern kann.»