Vom Alphorn über das Fagott bis zum Waldhorn: Die Musikschule Herisau feiert ihr 40-Jahr-Jubiläum

«Musik ist etwas vom Wichtigsten für die Entwicklung der Kinder», sagt der Leiter der jubilierenden Musikschule Herisau, Andreas Koller.

Alessia Pagani
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Ist seit 17 Jahren Leiter der Musikschule Herisau-Appenzeller Hinterland: Andreas Koller

Ist seit 17 Jahren Leiter der Musikschule Herisau-Appenzeller Hinterland: Andreas Koller

Bild: Alessia Pagani

13.30 Uhr an einem Mittwoch an der Eggstrasse 27 in Herisau: Durch die Räume tönen Instrumentalklänge. Jemand spielt auf einer Trompete, Gitarrensaiten werden bearbeitet, aus einem Zimmer tönt ein Klavierspiel. Seit 40 Jahren bildet die Musikschule Herisau-Appenzeller Hinterland Kinder und Erwachsene musikalisch weiter.

Das Angebot umfasst rund 40 Instrumente und reicht vom Alphorn über das Fagott bis zum Waldhorn. Seit fast der Hälfte dieser Zeit – 17 Jahre – leitet Andreas Koller die Institution. Und dies tut der gebürtige Gossauer mit Herzblut. Denn Koller ist sich sicher: «Musik ist etwas vom Wichtigsten für die Entwicklung der Kinder.» Nicht nur, dass das Erlernen eines Instruments die Vernetzungen im Hirn fördere. Auch stärke es das Sozialverhalten.

Finanzielle Faktoren und gesellschaftliche Entwicklungen dürften keine Hindernisse darstellen. Koller sagt:

«In der reichen Schweiz sollte es jedem Kind möglich sein, ein Instrument zu spielen.»

Er selber hat als Kind mit dem Trompetenspiel begonnen. Vor seinem Studium am Konservatorium in Zürich schloss Koller das Lehrerseminar ab. Heute ist er unter anderem Dirigent im örtlichen Musikverein und spielt in mehreren Bläserformationen mit.

Seit fünf Jahren mehr Ab- als Anmeldungen

Die Zeiten haben sich geändert. Für die Musikschule nicht immer zum Vorteil. «Früher hatten wir mehr Schüler. Jetzt machen wir aktiver Werbung und zeigen uns.» Die Musikschule steht allen Kindern und Erwachsenen aus dem Hinterland offen. Seit fünf Jahren sind die Schülerzahlen sinkend.

Einschneidend war für Koller die Eingliederung der musikalischen Grundschulung im Jahr 2009 in die Volksschule: Auf einen Schlag verlor die Musikschule mehrere hundert Kinder. Heute sind knapp 600 Kinder und Erwachsene eingeschrieben. «Bei jedem Übertritt, von der Unter- in die Oberstufe oder in die höhere Ausbildung, springen Schüler ab.» Der 49-Jährige zeigt Verständnis dafür. Zwingen könne man niemanden. «Musik muss Spass machen.» Denn, so weiss auch der Profimusiker: Klappt ein Akkord, eine Grifffolge, eine Tonleiter über längere Zeit nicht, kann dies frustrierend sein. «Hier sind auch unsere Lehrer gefordert. Unsere Aufgabe ist es, individuell auf die Schüler einzugehen. Nur so können wir unsere Freude vermitteln.»

Die Zahl der Lehrpersonen ist seit Kollers Stellenantritt von 35 auf 28 gesunken. Aber nicht nur wegen der sinkenden Schülerzahlen. Wie Koller sagt, setzen die Arbeitsbedingungen zu. «Musiklehrer bewegen sich irgendwo zwischen selbstständigerwerbend und angestellt. Sie brauchen Arbeit, aber eine Pensengarantie gibt es nicht. «Kommen weniger Schüler, bedeutet dies auch weniger Einnahmen. Hinzu kommen die Arbeitszeiten.»

Mit Einführung der Blockzeiten haben sich diese drastisch verändert. «Es gibt weniger Möglichkeiten für die Schüler. Am liebsten würden alle gleichzeitig direkt nach Schulschluss kommen. Oft wird heute in den Abend hinein Unterricht erteilt.»

Nebst jener in Herisau gibt es noch die Musikschulen Appenzeller Vorderland in Heiden und Appenzeller Mittelland in Teufen. Der Kanton hat ein jährliches Budget. Dieses soll etwa zehn Prozent der Betriebskosten der drei Musikschulen decken. Die restlichen, nicht von den Einnahmen gedeckten Kosten übernehmen die Gemeinden.

Das Jubiläumsprogramm

 Anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums organisiert die Musikschule Herisau verschiedene Veranstaltungen. Den Auftakt macht morgen Samstag ein Kinder- und Familienkonzert in der Aula im Ebnet West. Dieses wird um 9.30 und 11 Uhr über die Bühne gehen und hat die Bremer Stadtmusikanten zum Thema. Am 25. April, 11 bis 14 Uhr, wird an der Eggstrasse 27 zum Tag der offenen Tür geladen. Der 20. Juni steht ganz unter dem Zeichen Open Air und wird gemeinsam mit der Oberstufe Herisau (10 Jahre Neigung) gestaltet. Auf der Open-Air-Bühne werden Produktionen beider Institutionen zu sehen und zu hören sein. Die Musikschule wird mit Ensembles, Bands und Orchestern auftreten. Anfang November lädt die Musikschule in Herisau und Stein zu vier Erlebniskonzerten mit dem Titel «Karneval der Tiere». (pag)