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Die Motivation ist erloschen

Nach einem Löscheinsatz wurde Daniel Rhiner, Kommandant der Feuerwehr Wattwil/Lichtensteig, wie ein Brandstifter angeklagt. Nach mehr als einem Jahr wurde das Strafverfahren vor kurzem eingestellt. Als Konsequenz tritt Daniel Rhiner am 31. Mai als Feuerwehrkommandant ab.
Sabine Schmid
Daniel Rhiner war wegen Verursachen einer Feuersbrunst angeklagt. Nun zieht er die Konsequenzen und tritt als Feuerwehrkommandant ab. (Bild: Sabine Schmid)

Daniel Rhiner war wegen Verursachen einer Feuersbrunst angeklagt. Nun zieht er die Konsequenzen und tritt als Feuerwehrkommandant ab. (Bild: Sabine Schmid)

Wattwil. Der Löscheinsatz bei einem Hausbrand in der Schomatten im Dezember 2009 war für die Feuerwehr Wattwil/Lichtensteig ein Routineeinsatz. Nach den Löscharbeiten kontrollierte ein Offizier mit der Wärmebildkamera, ob alle Glutnester gelöscht sind. Dies war der Fall und so räumte die Feuerwehr ihre Sachen zusammen und ging. Eine Brandwache stellte sie keine auf. Nach gut 15 Stunden stand das Haus in Vollbrand, es wurde durch das zweite Feuer komplett zerstört. Wieso dieser zweite Brand ausbrach und ob er in Zusammenhang mit dem ersten Brand stand, haben die Brandermittler nie herausgefunden. «Wir haben unsere Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen erledigt», sagt der damalige Einsatzleiter, Feuerwehrkommandant Daniel Rhiner.

In den Fängen der Justiz

Rund fünf Stunden lang musste er an diesem Dezembertag der Polizei Red und Antwort stehen. Er habe den Polizisten mitgeteilt, was er und seine Feuerwehrleute an der Front beobachtet hatten. «Eigentlich war das nichts Aussergewöhnliches», blickt Daniel Rhiner zurück. Umso grösser war dann sein Erstaunen, als er sowie ein weiterer Feuerwehroffizier im April letzten Jahres – also vier Monate nach dem Brandereignis – wegen Verursachen einer Feuersbrunst angeklagt wurden. Dasselbe Vergehen wird auch einem Brandstifter angelastet. Die erfahrenen Feuerwehrmänner traf diese Anzeige wie ein Schlag. «Als Feuerwehrleute stehen wir im Dienste der Öffentlichkeit und plötzlich sind wir für ein angebliches Vergehen privatrechtlich angeklagt», stellte Daniel Rhiner fest. Diese mögliche Folge sei ihm – wie auch anderen Feuerwehroffizieren – unbekannt gewesen. Im Gegenteil, von seiner Anstellung bei der Flughafen-Feuerwehr in Zürich her hat er geglaubt, dass er für Folgen aus einem Einsatz abgesichert wäre.

Erstmalig in der Schweiz

Trotz des laufenden Verfahrens hat der Arbeitgeber des Feuerwehrkommandanten, die Gemeinde Wattwil, ihn stets unterstützt. «Der Gemeinderat und die Feuerwehrkommission haben nie an meiner Arbeit gezweifelt. Ich hatte zu jeder Zeit das Gefühl, von ihnen getragen zu sein. Das hat mir sehr gut getan», sagt Daniel Rhiner. Auch in der eigenen Feuerwehr, sei es vom Kader wie auch von der Mannschaft, fiel nie ein negatives Wort. Aufmunterung und Unterstützung gab es zudem von den Offizieren der umliegenden Feuerwehren. Einen solchen Fall habe es in der Schweiz noch nie gegeben, sagt Daniel Rhiner. «Die Offiziere waren darum auch interessiert, wie der Fall ausgehen wird. Viele haben gedroht, dass sie mit ihrem Job aufhören werden, wenn wir verurteilt würden.» In diesem Fall hätte das schlimme Folgen für den Kanton St. Gallen haben können, denn es hätten auf einen Schlag viele Kaderleute und Kommandanten gefehlt. Das Amt für Feuerschutz war sich wohl nicht ganz bewusst, was die Vorgänge bei den Feuerwehrverantwortlichen ausgelöst haben. «Von dieser Seite erhielten wir keine Unterstützung», sagt Daniel Rhiner. Immerhin hat der Schweizerische Feuerwehrverband auf den Fall reagiert. Er hat nun eine Rechtsschutzversicherung für solche Fälle abgeschlossen, die alle Feuerwehrleute in Anspruch nehmen können.

Gute Erinnerungen, aber…

Daniel Rhiner und sein Anwalt wendeten viel Zeit und Energie auf, um sich aus der Sache herauszubringen. «Wir mussten jeden Vorwurf der Untersuchungsrichterin mit guten Argumenten widerlegen. Ich hatte mehrmals das Gefühl, dass wir unsere Unschuld beweisen mussten», sagt er. Vor wenigen Wochen kam dann das erlösende Schreiben, die Anklage wird ad acta gelegt und kommt wegen Mangel an Beweisen nicht vors Gericht. Aus juristischer Sicht ist somit alles in Ordnung. Daniel Rhiner aber zieht aus dem Fall seine Konsequenzen und tritt per Ende Mai als Kommandant zurück und beendet nach 22 Jahren seinen Feuerwehrdienst. «Ich habe meine Motivation verloren», sagt er. Sein Engagement bereut er nicht, im Gegenteil: «Ich habe viel erlebt, viel gelernt und konnte auch viel weitergeben. Eine solche Zusammengehörigkeit und ein solches <Feuer> findet man sonst nirgends.» Daniel Rhiner kann seinem Nachfolger, der in den nächsten Wochen bestimmt wird, eine gut ausgebildete und technisch hochstehende Feuerwehr übergeben. Er selber wird die Organisation weiterhin unterstützen. Auch in seiner Tätigkeit als Leiter Infrastruktur und Unterhalt sowie als Feuerschutzbeamter wird er mit der Feuerwehr noch verbunden sein.

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