«Die Motivation fehlt uns nie»

SKI ALPIN. Schule oder Berufslehre und Skifahren unter einen Hut zu bringen, dieser Aufgabe stellen sich Nina Holenstein aus Krummenau und Mirjam Oertle aus Ennetbühl. Die beiden sind sich einig: Diese Mühe lohnt sich, auch wenn der Weg an die nationale Spitze hart, lang und ungewiss ist.

Sabine Schmid
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Mirjam Oertle aus Ennetbühl war schon mehrmals verletzt. Trotzdem hofft sie, den Sprung ins Nationale Leistungszentrum Ost zu schaffen. (Bild: pd)

Mirjam Oertle aus Ennetbühl war schon mehrmals verletzt. Trotzdem hofft sie, den Sprung ins Nationale Leistungszentrum Ost zu schaffen. (Bild: pd)

Zwei ganz normale Mädchen, 15 und 16 Jahre alt. Die eine besucht die Oberstufe in Nesslau, die andere absolviert eine Lehre auf der Gemeindeverwaltung Nesslau-Krummenau. Doch statt Ausgang und Herumhängen heisst es für die beiden Konditionstraining und Slalomläufe zu absolvieren. Sie haben sich bewusst dafür entschieden und bereuen diesen Weg kein bisschen. Nina Holenstein und Mirjam Oertle haben einen Traum, nämlich im alpinen Ski-Weltcup von sich reden zu machen.

Saison ist noch nicht zu Ende

Nina Holenstein, die Schülerin der Sportschule Nesslau, gehört dem Kader des Nationalen Leistungszentrums NLZ Ost an. In diesem Winter startete sie erstmals an FIS-Rennen. Weil sie aber in ihrer ersten FIS-Saison ist, darf sie nur an 25 Rennen mitfahren. Mit ihren Resultaten ist Nina Holenstein zufrieden. «Ich hatte wenige Ausfälle», bilanziert sie. Und sie hatte auch Glück, dass sie von Verletzungen verschont war. Rund die Hälfte ihrer Trainingskolleginnen fielen nämlich verletzt aus.

Wegen einer Blessur musste auch Mirjam Oertle einen Monat lang pausieren. Die Fahrerin des Junioren-Kaders des Ostschweizer Skiverbandes OSSV spricht daher von einer durchzogenen Saison. «Es stehen noch einige Rennen auf dem Programm», sagt sie motiviert. Sie hofft, dass sie sich mit guten Resultaten für ein nationales Kader empfehlen kann.

Nina Holenstein möchte natürlich ihren Kaderstatus behalten, ein bisschen liebäugelt sie mit dem nächsten Schritt, dem C-Kader von Swiss Ski. Ob sie diesen schafft, werden die Selektionen zeigen.

Erfahrungen an der SM

Wichtig ist für Nina Holenstein und Mirjam Oertle auch, dass sie sich bei den Schweizer Meisterschaften der Elite gut präsentieren können. Beide haben vom OSSV einen Startplatz in ihren Disziplinen erhalten.

«Es ist eine Ehre, dass wir uns mit den Weltcup-Fahrerinnen messen können», sagen die beiden Toggenburgerinnen. Hoffnungen auf einen Titel machen sie sich angesichts der namhaften Konkurrenz natürlich keine. Die Erfahrung, die sie dabei machen, möchten sie aber nicht missen. Und zudem sehen sie diese Rennen als Chance, auf sich aufmerksam zu machen, um weiter zu kommen.

Nicht zuletzt dient der Start an den Schweizer Meisterschaften auch dazu, sich innerhalb des Jahrgangs zu vergleichen. Nina Holenstein, die bei den Junioren bei allen Disziplinen an den Start geht, wurde an der Junioren-SM in der Super-Kombination Achte. Mirjam Oertle hat sich entschieden, in dieser Saison in allen Disziplinen ausser in der Abfahrt zu fahren.

«Ich war schon einige Male verletzt und möchte daher zuerst auf den technischen Disziplinen aufbauen», erklärt sie. An der Schweizer Meisterschaft der Elite fuhr sie auf den 55. Rang im Riesenslalom, im Slalom schied sie aus.

Grosse Unterstützung

Da stellt sich natürlich die Frage, wie sich Mirjam Oertle nach einigen Verletzungen immer wieder aufraffen kann, um ihren Traum weiter zu verfolgen.

«Ich hatte viel Unterstützung von verschiedener Seite, so dass ich den Anschluss wieder geschafft habe», sagt sie. Die Motivation, unzählige Stunden im Kraftraum und im Training zu verbringen, habe ihr nie gefehlt. Wohl aber der Sport. «Nach diesem Jahr habe ich mich richtig aufs Skifahren gefreut», blickt sie zurück. Die Motivation ist auch für Nina Holenstein nie ein Problem, sagt sie. Ihrem Ziel ordnen die beiden jungen Frauen einiges unter. «Wir sind dankbar, dass wir von vielen Seiten unterstützt werden», sagen sie.

Dabei meinen sie nicht nur ihre Eltern, sondern auch die Lehrer an der Sport- und der Berufsschule, die Gemeindeverwaltung Nesslau-Krummenau sowie die Kollegen, welche Rücksicht auf ihr intensives Hobby nehmen. Am Wochenende in den Ausgang zu gehen und zu feiern, anstatt sich auf ein Skirennen vorzubereiten, reizt die jungen Skitalente wenig. «Wir haben es an den Rennwochenenden sehr lustig», betonen sie.

Tauschen möchten sie nicht und wenn sie nochmals die Wahl hätten, würden sie den selben Weg nochmals einschlagen. «Der Sport bringt uns sehr viel, er ist eine schöne Lebenserfahrung», finden Nina Holenstein und Mirjam Oertle. Sie sind überzeugt, dass sie in gewissen Punkten weiter sind als ihre gleichaltrigen Kolleginnen und Kollegen.

Es gibt immer einen Weg

Noch bis Mitte April sind Nina Holenstein und Mirjam Oertle beim Training und an den Rennen. Viel Zeit für die Erholung bleibt dann nicht, denn schon rund einen Monat später stehen wieder Konditionstrainings und erste Skitage auf dem Gletscher auf dem Programm. Gilt es wieder das zu tun, was die Trainer ihnen raten. Dies, um in der nächsten Saison fit zu sein.

Schule, Beruf, Sport, Freunde und noch Zeit für sich – «Ja, manchmal ist es schon ein bisschen viel, das man unter einen Hut bringen muss», geben Nina Holenstein und Mirjam Oertle zu. «Doch man findet immer einen Weg.»

Nina Holenstein aus Krummenau gehört zum Kader des Nationalen Leistungszentrum Ost von Swiss Ski. (Bild: pd)

Nina Holenstein aus Krummenau gehört zum Kader des Nationalen Leistungszentrum Ost von Swiss Ski. (Bild: pd)

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