Die Möbelmalerei im Fokus

Jost Kirchgrabers neues Buch dokumentiert die Möbelmalerei des 18. Jahrhunderts im Toggenburg und dem Appenzellerland. Nicht von ungefähr fand die Vernissage dazu im Museum Herisau statt.

Johannes Wey
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herisau. Der Ort für die Buchpräsentation von Jost Kirchgrabers «Kunst der Möbelmalerei – Ein ungeschriebenes Kapitel zur Schweizer Kunstgeschichte» war mit Bedacht gewählt: Im Museum Herisau werden nämlich schon lange Beispiele appenzellischer Möbelmalerei ausgestellt. Und um diese und schwerpunktmässig um ihr toggenburgisches Pendant geht es in Kirchgrabers Buch, das sich auf das 18. Jahrhundert beschränkt.

Möbel aus Museum Herisau

«Es freut uns sehr, dass einige unserer Ausstellungsstücke Eingang in dieses Buch gefunden haben», sagte Kurator Thomas Fuchs in seiner Laudatio und wies auf ein Inventarisierungsprojekt der beiden Appenzell hin, womit eine grosse Anzahl von Stücken Appenzeller Möbelmalerei erfasst und verglichen werden soll – bei dieser Gelegenheit rief Fuchs auch private Besitzer dazu auf, sich für das Projekt zu melden.

Abgekupferte Motive

In seinem Diavortrag zeigte Kirchgraber auf, welchen Weg die Sujets aus europäischen Grossstädten auf toggenburgische und appenzellische Möbelstücke genommen haben: «Auf diesen Möbelstücken kommen Szenen vor, die wir keinesfalls als lokale deuten dürfen», so der Autor. Händler hätten Kupferstiche, die «Massenmedien des 18. Jahrhunderts», als Vorlagen in die hiesigen Gefilde gebracht, wo sie im wahrsten Sinne des Wortes abgekupfert und von der Ausführung her an die lokalen Gepflogenheiten angepasst wurden. Zur Illustration zeigte Kirchgraber unzählige Bilder in der Originalausführung und als Adaption auf historischen Möbelstücken.

Musik prägt die Vernissage

«Auf den Möbeln wird viel Musik gemacht», hielt Kirchgraber mit Blick auf die zahlreichen Motive, die Musikanten zeigen, fest. Passend dazu begleiteten Urs Klauser und Daniel Som, Mitglieder der Gruppe «Tritonus», die historische Volksmusik wiederaufleben lässt, die Vernissage. Mit Schalmei, Drehleier und Sackpfeife, Instrumenten, die auch auf den Möbelstücken auftauchen, entführten sie die Anwesenden in die Vergangenheit.

Jost Kirchgraber: «Kunst der Möbelmalerei. Ein ungeschriebenes Kapitel zur Schweizer Kunstgeschichte», Hier+Jetzt, Baden 2011.