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Die moderne Welt bleibt draussen

Frühere Bauernmaler haben ihren Alltag als Bauern und Sennen festgehalten. Heutige Vertreter zeichnen dieses Bild fort und blenden moderne Einflüsse aus. Einen Überblick gibt eine Sonderausstellung im Volkskunde-Museum in Stein.
Michael Genova
Die jüngere Generation der Bauernmaler: Willi Forrer, Theres Tobler-Manser und Albert Zellweger zeigen ihre Werke im Volkskunde-Museum Stein. (Bild: mge)

Die jüngere Generation der Bauernmaler: Willi Forrer, Theres Tobler-Manser und Albert Zellweger zeigen ihre Werke im Volkskunde-Museum Stein. (Bild: mge)

STEIN. Verwurzelt wie ein Stier in der Landschaft. So seien auch die Bewohner des Appenzellerlands und des Toggenburgs. Dieses Bild wählte Präsidentin Simone Tischhauser zur Begrüssung der Gäste im VolkskundeMuseum Stein. Dabei spielte sie auf ein Gemälde des Innerrhoder Bauernmalers Josef Manser («Mölpis Sepp») an. Es zeigt einen prächtigen Stier mit einem Ringhalfter, der Teil einer neuen Sonderausstellung ist. Unter dem Titel «Mit Hand ond Herz» wurde die Schau am Samstag eröffnet. Sie präsentiert je zwei Bauernmaler aus beiden Appenzell und aus dem Toggenburg.

Der Hektik des Alltags entrinnen

Zwei Generationen stehen sich in der Ausstellung gegenüber. Aus Ausserrhoden Josef Oertle (1915–2004) und Albert Zellweger (*1960), aus Innerrhoden Josef Manser (1911–2005) und Theres Tobler-Manser (*1953) und aus dem Toggenburg Jakob Tischhauser (1907–1991) und Willi Forrer (*1935). Die knapp 60 gezeigten Bilder sind ab 1960 entstanden. Die Bauernmalerei als Stilrichtung gibt es jedoch bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts. «Bis heute sind die Motive die gleichen geblieben», sagte Gastkuratorin Rosa Maria Fäh. Früher habe das Gemalte der Realität entsprochen. Die bereits verstorbenen Maler Oertle, Manser und Tischhauser waren Bauern. Sie malten die Umgebung, in der sie lebten und arbeiteten. Die jüngere Bauernmalerei stellt laut Rosa Maria Fäh immer mehr eine Gegenwelt dar. Die moderne Landwirtschaft kommt nicht vor: Strommasten, Siloballen oder industrielle Stallbauten sind aus den Gemälden verbannt. Warum dies so sei, müsse man die Künstler selbst fragen, sagte Rosa Maria Fäh. Gleichzeitig äussert sie auch eine Vermutung. «Das Weglassen der Moderne soll die Hektik des Alltags vergessen machen.»

«Mit knorrigen Werkhänden»

Ein Heimspiel war der Auftritt für Regierungsrat Alfred Stricker, dessen Bauernhof direkt ans Volkskunde-Museum grenzt. Bevor er zu seiner Rede ansetzte, überredete er das Schötze-Chörli Stein kurzerhand, ein weiteres Zäuerli zu singen. Stricker erinnerte sich an seine erste Berührung mit der Bauernmalerei in seinem Elternhaus. Dort befand sich damals auch die Agentur der Ausserrhodischen Kantonalbank, welche seine Grossmutter führte. An den Wänden hingen drei Bilder: zwei Alpaufzüge und ein Bild der Gemeinde Stein. Letzteres habe bei ihm damals grösseres Interesse geweckt. Heute frage er sich: «Wieso geben sich Bauern mit ihren knorrigen Werkhänden immer wieder der Malerei hin?» Eine Antwort darauf habe er nicht gefunden. «Tatsache ist, dass es stattfindet.»

Vom Ofenbänkli zur Malerei

Hinweise auf die Motivation der Künstler sind in ihren bewegten Biographien zu finden. So zwang Josef Oertle aus Bühler eine schweres Hüftleiden fast ein Jahr lang aufs Ofenbänkli. Sein Sohn kaufte ihm Bretter und Farben und ermunterte ihn zum Malen. Später sagte er: «Ich glaube, dass ich Bauernmaler bin, wenn es andere sagen.» Selber würde er es nicht wagen, es zu sagen. «Ich bin einfach Bauer.» Oder der Lebensweg von Josef Manser, der mit 17 Jahren zu zeichnen beginnt, 1933 die Alp Mesmer kauft und dort das erste Berggasthaus baut. Wichtig für «Mölpis Sepp» waren Begegnungen mit dem Bauernmaler Johannes Zülle und dem Kunstmaler Carl August Liner. Von ihm lernte er auf der Alp das Mischen von Farben.

Appenzeller Volkskunde-Museum, Stein, bis 18 September.

Rosa Maria Fäh Gastkuratorin, Appenzeller Volkskunde-Museum, Stein (Bild: mge)

Rosa Maria Fäh Gastkuratorin, Appenzeller Volkskunde-Museum, Stein (Bild: mge)

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