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Die millionenschweren Geldgeber im Stiftungswesen des Kantons Appenzell Ausserrhoden

Kein Kanton in der Ostschweiz verfügt über so finanzstarke Vergabestiftungen wie Ausserrhoden. Sie engagieren sich in der Kultur und in vielen anderen Bereichen. Das ausgeprägte Stiftungswesen verdankt die Region kinderlosen Unternehmern.
Jesko Calderara
Die Steinegg-Stiftung liess den Rosengarten in Herisau neu gestalten. (Bild: Bilder: APZ/Toni Küng)

Die Steinegg-Stiftung liess den Rosengarten in Herisau neu gestalten. (Bild: Bilder: APZ/Toni Küng)

Die Neugestaltung und anschliessende Öffnung des Rosengartens für die Herisauer Bevölkerung, das Festspiel «Der dreizehnte Ort» zum Appenzeller 500-Jahr-Jubiläum in Hundwil und die Neugestaltung des Vorplatzes beim Appenzeller Volkskunde-Museum Stein: All diese Projekte und Ideen wären ohne die finanzielle Unterstützung durch Stiftungen nicht oder kaum realisiert worden.

Das Stiftungswesen in Appenzell Ausserrhoden ist vergleichsweise jung; es entwickelte sich grösstenteils in den letzten rund 30 Jahren. Dabei profitierte der Kanton vor allem von Unternehmern, die unverheiratet waren. «Ausserrhodens Glück sind kinderlose, visionäre Persönlichkeiten mit hohem Verantwortungsbewusstsein für den Kanton, seine Bevölkerung sowie den Industriestandort», sagt Heinz Stamm. Er ist Präsident der Steinegg-Stiftung sowie zwei weiterer, kleinerer Stiftungen. Beispiele für solche Industrielle sind die beiden Herisauer Heinrich Tanner sowie der Metrohm-Gründer Bertold Suhner.

Potente Stiftungen im Kanton

Unter den Ostschweizer Kantonen weist Ausserrhoden eine vergleichsweise hohe Zahl an potenten Stiftungen auf und wird deshalb hin und wieder etwas neidisch von seinen Nachbarn betrachtet. Für das starke Stiftungswesen gibt es verschiedene Gründe. Unter anderem habe die ausgeprägt liberale Gesinnung grossen Einfluss auf diese Entwicklung gehabt, meint Stamm. Denn Stiftungen sind letztlich Ausdruck eines freiwilligen gesellschaftlichen Engagements. Dazu kommt das reformierte Arbeitsethos, welches die Grundlage für die Frühindustrialisierung und die Textilblüte in Ausserrhoden bildete.

Der daraus entstandene Wohlstand ermöglichte erst die Wohltätigkeiten. Es verwundert deshalb kaum, dass vor allem Herisau als grösster Industriestandort im Appenzellerland über finanzstarke Stiftungen verfügt. Im kantonalen Handelsregister sind über 100 Stiftungen aufgelistet, darunter ungefähr zehn grössere Vergabestiftungen. Dazu zählen einerseits Vermögensstiftungen, die aus einem Nachlass entstanden sind. Der Stiftungszweck entspricht dem Willen des Stifters. Anderseits gibt es Unternehmensstiftungen wie die Steinegg- und die Metrohm-Stiftung. Sie halten Mehrheitsbeteiligungen an verschiedenen Unternehmen, wodurch Beiträge für eine gesunde Wirtschaftsstruktur und die Sicherung von Arbeitsplätzen geleistet werden. Zu ihren Aufgaben gehört gleichzeitig auch das gemeinnützige Wirken.

Der Schweizer Stiftungsreport 2018 schätzt das Vermögen aller Stiftungen im Kanton auf rund 318 Millionen Franken. Werden die stillen Reserven bei Liegenschaften und Beteiligungen berücksichtigt, so dürfte die Vermögenssubstanz allerdings wesentlich höher liegen. Konkrete Zahlen werden keine veröffentlicht, genauso wenig wie Angaben zu den jährlichen Ausschüttungen. Denn egal ob grosse oder kleine Vergabungen: Stiftungen sind diskrete Geldgeber. Oftmals fliessen die zugesagten Beiträge, ohne dass die Öffentlichkeit davon gross Notiz nimmt. Das habe mit der Bescheidenheit der Stiftungsgründer und der dem Appenzeller eigenen Mentalität zu tun, sagt Stamm. Die Frage nach einer guten, zweckdienlichen Kommunikationsstrategie sei aber immer wieder ein Thema.

Vom Generationenspielplatz bis zur Hotelrettung

Die meisten Vergabestiftungen haben ein breites Tätigkeitsfeld; so etwas wie einen typischen «Appenzeller Zweck» gibt es nicht. Schwerpunktmässig sind sie in den Bereichen Kultur, Bildung, Soziales, Förderung von Jugendanliegen und der Stärkung des lokalen sowie regionalen Wirtschaftsstandortes tätig. Stamm hält diese Breite für sinnvoll. Es stehe dem Stiftungsrat innerhalb des vorgegebenen Stiftungszwecks frei, Schwerpunkte zu setzen. Eine Gemeinsamkeit besteht dennoch: Grösstenteils ist das Wirkungsgebiet der Stiftungen auf das Appenzellerland und die angrenzenden Regionen beschränkt.

Nebst den eingangs erwähnten Beispielen gibt es eine Vielzahl weiterer Projekte, zu deren Gelingen die Stiftungen in den vergangen Jahren stark beigetragen haben. Dazu gehören die Erweiterung des Alters- und Pflegezentrums Heinrichsbad in Herisau, die Sonderausstellung «iigfädlet» in den Ausserrhoder Museen, die Sanierung des Kulturobjekts Alte Mühle in Wolfhalden, die zurzeit aktuelle Rettung des kulturhistorisch bedeutenden Hotels Linde in Heiden, der Generationenspielplatz Kreckel in Herisau, die St. Galler Festspiele oder der seinerzeitige Ausbau der Tribünen für den Schwägalp-Schwinget, um nur einige Beispiele zu nennen.

Meist sind es Institutionen, Veranstalter, Vereine oder Privatpersonen, die mit einer Idee oder einem konkreten Gesuch um finanzielle Unterstützung an Stiftungen gelangen. Hin und wieder, beispielsweise beim Rosengarten und bei der Restaurierung des Industriedenkmals Schwarzes Haus an der Glatt in Herisau, wurde die Steinegg Stiftung proaktiv tätig. Grundsätzlich arbeitet jede Stiftung selbstständig. Die Präsidenten der grossen Vergabestiftungen treffen sich jedoch periodisch, um die mögliche finanzielle Unterstützung grösserer Projekte zu diskutieren und wenn sinnvoll zu koordinieren.

Naturgemäss kann angesichts der ständig zunehmenden Zahl von Gesuchen nicht sämtlichen Anliegen entsprochen werden. Einerseits sind die Mittel beschränkt, anderseits können Vorhaben, welche einen rein kommerziellen Charakter aufweisen oder Staats- und Gemeindeaufgaben sind, grundsätzlich nicht unterstützt werden. «Stiftungen sind kein verlängerter Arm der öffentlichen Hand», betont Stamm.

Gelegentlich werden die Vergabestiftungen als heimlicher Machtfaktor angesehen. Solche Befürchtungen hält Stamm für unbegründet. Beim Einsatz grösserer Summen erfolge ein sorgfältiges Controlling, eine Nachüberprüfung; ansonsten werde keinerlei Einfluss genommen. Er erklärt dies anhand eines Beispiels aus der Kultur: «Stiftungen dürfen nicht wertend sein und entscheiden, ob moderner Ausdruckstanz und Videokunst gut oder schlecht sind.» Abgesehen davon werden diese gleich wie Unternehmen von anerkannten Revisionsgesellschaften sorgfältig geprüft. Auf diese Feststellung legt Stamm grossen Wert.

Die Zahl der Stiftungen könnte steigen

Für die Zukunft des Stiftungswesens in Ausserrhoden ist der Präsident der Steinegg-Stiftung positiv gestimmt, obschon das zurzeit niedrige Zinsumfeld verschiedenen Stiftungen zu schaffen macht. Als Erfolgsfaktor nennt Stamm vor allem auch die pragmatische kantonale Stiftungsaufsicht, welche die Arbeit der Stiftungen wirkungsvoll unterstützt und damit erleichtert. Er rechnet in den nächsten Jahren gar mit dem Entstehen weiterer Vergabestiftungen.

Metrohm-Stiftung

Die wichtigste Vergabestiftung in Ausserrhoden ist die Metrohm-Stiftung. Ihr gehört das gleichnamige Herisauer Unternehmen. Metrohm-Gründer Bertold Suhner regelte 1982 die Nachfolge und brachte sein Aktienkapital in eine Stiftung ein. Damit wollte er verhindern, dass sein Lebenswerk verkauft wird. Insgesamt gründete Suhner drei Vergabestiftungen. Die Metrohm-Stiftung engagiert sich unter anderem in den Beriechen Kultur, Soziales und lokale Wirtschaft. (cal)

Steinegg-Stiftung

Die 1996 vom Herisauer Unternehmer Heinrich Tanner gegründete Steinegg-Stiftung fördert gemeinnützige und kulturelle Werke, unterstützt Organisationen und Veranstaltungen, deren Tätigkeit und Interessen der Öffentlichkeit dienen, und leistet Beiträge zur Erhaltung einer gesunden Wirtschaftsstruktur im Kanton. So hält die Steinegg-Stiftung Mehrheitsbeteiligungen an der Hänseler AG und der AG Cilander sowie einen Aktienanteil an der Cabana. (cal)

Huber+Suhner-Stiftung

Die Huber+Suhner-Stiftung des gleichnamigen Industrieunternehmens engagiert sich in den Bereichen Soziales, Kultur und Sport, wobei der Nachhaltigkeit und der Nachwuchsförderung besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Der Stiftungszweck umfasst sowohl die Förderung interner Projekte zu Gunsten der Mitarbeitenden wie auch externer Vorhaben, die im Einzugsbereich der Schweizer Standorte Herisau und Pfäffikon liegen. (cal)

Johannes Waldburger-Stiftung

Der Herisauer Architekt Johannes Waldburger hat das Appenzellerland mit seinen Bauten geprägt, etwa mit dem ehemaligen Berggasthaus auf der Schwägalp. Zur Erbregelung wird 1980 die Johannes Waldburger-Stiftung mit folgendem Zweck gegründet: «Förderung von Bestrebungen, die im öffentlichen Interesse liegen und insbesondere Herisau und Schwellbrunn oder grösseren oder kleineren Kreisen der Bevölkerung dieser Gemeinden dienen.» (cal)

Lienhard-Stiftung

Fredy und Regula Lienhard blicken auf eine langjährige Förder- und Spendentätigkeit. 2007 gründete das in Niederteufen wohnhafte Unternehmerehepaar eine Vergabestiftung, um das Engagement nachhaltig zu sichern. Mit der Lienhard-Stiftung wollen sie regionale Projekte ermöglichen und unterstützen, welche die ihnen wichtigen Werte Engagement, Initiativgeist und Verantwortung mittragen und den Menschen in der Ostschweiz zugutekommen. (cal)

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