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Die Mammut-Mama von Herisau hat Nachkommen des gefällten Baums gezüchtet

Vor 15 Jahren hat Hester Ryffel Samen des kürzlich gefällten Mammutbaumes eingepflanzt. Mit Erfolg.
Karin Erni
Hester Ryffel mit dem grössten Nachkommen des Herisauer Mammutbaumes. Bild: Karin Erni

Hester Ryffel mit dem grössten Nachkommen des Herisauer Mammutbaumes. Bild: Karin Erni

Der vielbewunderte Mammutbaum bei der Migros in Herisau ist nicht mehr. Er wurde letzte Woche unter grosser Anteilnahme der Bevölkerung gefällt und abtransportiert. Doch das Gewächs lebt auf zweierlei Arten weiter: Erstens werden aus seinem Holz verschiedene Erinnerungsstücke und Kunstwerke hergestellt, zweitens existieren bereits zahlreiche Nachkommen des Baumriesen. Dafür verantwortlich ist Hester Ryffel.

Zapfen aus den USA mitgebracht

Die Herisauerin hat bereits vor fünfzehn Jahren einige Zapfen des Mammutbaums gesammelt. «Mein verstorbener Mann Mathias Hunziker war ein grosser Liebhaber dieser Bäume und hatte sich schon länger mit ihrer Biologie auseinandergesetzt.» Von einer USA-Reise hat das Ehepaar einige Zapfen heimgebracht und daheim erste Keimversuche angestellt. «Das ist eine Wissenschaft für sich», sagt die Hobby-Gärtnerin.

«Man muss wissen, dass die Riesenmammutbäume resistent sind gegen Waldbrände. Sie brauchen sie sogar, denn die Zapfen öffnen sich erst bei grosser Hitze.»

Das hatte für den Baum evolutionäre Vorteile: Nachdem viele der konkurrierenden Pflanzen im Wald verbrannt sind, können die Samen ungestört in der nährstoffreichen Ascheschicht keimen.

Anbaumethode 
perfektioniert

Diese speziellen Bedingungen hat das Ehepaar in seiner privaten Pflanzenzucht nachgeahmt. Zuerst wurden die Zapfen in den heissen Backofen gelegt, bis sie aufgesprungen sind. Die herausgefallenen Samen haben sie anschliessend für einige Monate in den Tiefkühler gegeben, um ihnen den Winter zu simulieren. «Im April – und nur dann – kann man sie in die Erde geben», erklärt Hester Ryffel. Als Substrat habe sie moosige Walderde verwendet.

«Die ersten Keimversuche mit den amerikanischen Bäumen gelangen zwar, doch starben die Pflänzchen ab, als sie etwa 20 Zentimeter hoch waren», erzählt Hester Ryffel. Die Anzucht mit den Herisauer Samen sei jedoch gelungen. Daraufhin habe sie jedes Jahr neue Pflänzchen angesät. Sie habe auch erfolgreich Nachkommen der Trogner Mammutbäume gezogen. Der Sohn des Herisauer Baums ist heute fast mannshoch und hat bereits erste Zapfen gebildet.

Mammutbäume mögen Höhenluft

«Sequoien mögen die Höhenluft. In ihrer Heimat, der Sierra Nevada in Mittelkalifornien wachsen sie in Höhenlagen von 1200 bis 2400 Metern», erklärt Hester Ryffel. «Mit unseren Wintern kommen die Fremdlinge gut klar. Mit der Klimaerwärmung werden die Bedingungen für die an trockenheisse Sommer gewöhnten Bäume sogar besser», ist die Mammut-Mama überzeugt. Einzig Blitzschläge und Stürme seien eine Gefahr für sie. Die Bäume können über 100 Meter hoch und mehrere Tausend Jahre alt werden. Sie sind die grössten Lebewesen der Welt und faszinieren viele Menschen.

«Ich gebe immer wieder Pflanzen an Interessierte ab. Es muss am neuen Platz jedoch ein genügend grosses Grundstück vorhanden sein, damit sie möglichst für immer dort bleiben können.»

Ihr verstorbener Mann habe seine Freunde vor dem Tod gebeten, einen Baum zu pflanzen, sagt Hester Ryffel. «Diesem letzten Wunsch sind einige Menschen nachgekommen. Und so gibt es in der Ostschweiz schon viele Nachkommen des Herisauer Mammutbaumes.»

Gemeinde will 
Geschenk nicht

Fast wäre Herisau kostenlos zu einem neuen Mammutbaum gekommen. Vor fünf Jahren hat Hester Ryffel der Migros vergeblich den Nachkommen ihres Baumes als Geschenk angeboten. Dieses Jahr machte der Herisauer Forstmaschinenunternehmer Elias Widmer einen neuen Anlauf. Er entwickelte die Idee, dass die Migros im Sinne einer «Wiedergutmachung» auf dem Generationenplatze im Kreckel einen Mammutbaum als Schattenspender pflanzen könnte.

Dies sei jedoch nicht möglich, erklärt der Präsident des Vereins Spielinsel, Glen Aggeler. «Die Baubewilligung der Gemeinde verlangt klar, dass ausschliesslich einheimische Gewächse gepflanzt werden dürfen.» Man wolle dort einen Lebensraum für Vögel und andere Kleintiere schaffen. «Das Heinrichsbad ist eine besonderer Raum der Biodiversität.»

Als Kompromiss stiftet die Migros nun eine Rotbuche, da eine solche für den Ladenneubau ebenfalls gefällt werden musste, wie das Unternehmen auf Anfrage bekannt gibt. Zusätzlich will die Migros eine Sitzbank aus dem Holz des Mammutbaumes anfertigen lassen und dem Spielplatz zur Verfügung stellen. Das freut Aggeler: «Es ist schön, wenn die Besucher bald unter einem schattenspendenden Baum sitzen können.»

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