Die Liebe in allen Facetten

Die junge Sopranistin Caroline Rüthemann sang am Sonntag in der katholischen Kirche Lichtensteig von der Liebe – von der schmachtenden, anhimmelnden Liebe, von der jungen und alten Liebe, vom Leben und vom Tod. Dazu spielte Max Heinz Orgel.

Tanja Trauboth
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lichtensteig. Caroline Rüthemann wuchs in Mogelsberg auf und studierte in Zürich und Bern Gesang und Musikpädagogik. Am Sonntag gab die 25jährige Sopranistin in der katholischen Kirche Lichtensteig ein Konzert, zusammen mit Max Heinz an der Orgel. Die beiden wählten Liebeslieder aus den Musikepochen Barock und Romantik und gaben ihrem Konzert den Namen «Töne im Bauch – Musik zum Lieben und Leben». Rüthemann sang auf Englisch, Französisch und Deutsch. Als Zugabe folgte das weltberühmte «Ave Maria» von Franz Schubert (1797–1829).

Das passte zur romantischen Komponente, zum Bauchgefühl, aber auch zum «Wonnemonat Mai», der ja auch der Monat Marias sei, wie Max Heinz erklärte.

Verzweifeltes Schmachten

Der englische Komponist Henry Purcell (1659–1693) vertonte die Liebe und die Leidenschaft besonders gut. Gefühlvoll und mit klarer, von viel Vibrato durchsetzter Stimme, sang Caroline Rüthemann von Venus in zypriotischen Lagunen, von Zartheit und Liebe, aber auch von der Eifersucht, die die Leidenschaft vergifte.

Purcell wies aber auch auf das Ende der Liebe und des Lebens hin. Der Körper könne sich nach dem Tode endlich ausruhen, aber wo bleibe die Seele? Für die Dichter und Komponisten des Barock war die Liebe oft unerfülltes Schmachten nach der Angebeteten oder ein religiöses Gefühl. John Dowland (1563–1626), der für Laute und Gesang komponierte, schickt die Geliebte im Lied «Come away» zuerst weg.

«Ich sitze, ich seufze, ich weine, ich falle in Ohnmacht, ich sterbe», singt die Sopranistin mit schmachtendem Ausdruck dann in «Come again».

Junge und alte Liebe

Anders in der Romantik. Auch hier kommt die religiöse Verehrung durch, bei «Nehmet das Wort an» aus der Reformationskantate von Albert Becker (1834–1899). Alles ist viel überschwenglicher, bombastischer, alleine schon das Orgelsolo, des in Vaduz geborenen Josef Rheinsberger (1839–1901).

Nach den ersten lauten, Dramatik aufbauenden Wogen blitzt eine Melodie auf, die an Tanzböden und Jahrmarkt erinnerte. «Les Angélus» von Louis Vierne (1870 – 1937) erinnerte an das Angelusläuten morgens, mittags und abends, aber auch an den Zeitlauf eines Lebens, mit Jugend, Erwachsensein und Alter.

Bei Johannes Brahms (1833–1897) spinnen die Mädchen für ihren Brautschatz, nur eine weiss im «Mädchenlied» nicht, wofür.

«Die Tränen rinnen mir übers Gesicht – wofür soll ich spinnen? Ich weiss es nicht», singt Caroline Rüthemann von der vergeblichen Liebe für den imaginären Märchenprinzen. Auf jeden Fall würde das Mädchen einen jungen Mann einem alten vorziehen. Für den jungen streicht sie sich Rosenduft ins Gesicht. Den alten vertreibt sie mit dem bitterem Saft des Wermuts.

Brahms selbst soll auch schon ein alter Mann gewesen sein, als er die «Mädchenlieder» komponierte, erklärte Hanspeter Heiler, der durch das Programm führte.