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Die letzte Bastion

Brosmete
Felix Merz

Die Zeit drängt. Lange hat man es hinausgeschoben, jetzt ist der Moment da. Es zwickt und presst, da bleibt keine Zeit für Debatten. Vor der Erlösung erwartet einen in etlichen Restaurants auf den Herrentoiletten jedoch ein Panikmoment. Sie thronen an den Wänden, gleich oberhalb der Pissoirs, die Ausschnitte aus Tageszeitungen. Um die Zeit der Ruhe gewinnbringend zu nutzen, kann man sich überschlagsartig eine Tageslektüre zu Gemüte führen. Letzthin in einem Gasthaus – die Zeit drängte so richtig – musste ich mich im Bruchteil einer Sekunde für einen Themenkreis entscheiden. «Wirtschaft», sprudelte es aus mir heraus. Ein Fehlentscheid. Die Titelgeschichte entpuppte sich als langweilig.

Was nun? Der «Sport» war leider bereits besetzt. Sollte ich meinen Mitstreiter nebenan auf die Schulter klopfen? «Entschuldigen Sie, können wir kurz tauschen?» Eher schwierig während eines laufenden Prozesses. Auch herüberschielen schien mir keine gute Lösung, denn offensichtlich trainierte er seinen Oberkörper regelmässig, was hätte böse enden können. Da stand ich also und fragte mich, ob es überhaupt Sinn macht, eine der letzten Bastionen der Ruhe mit Informationen zu stören. Liebe Wirtsleute, eher nicht. Wenn schon, dann lieber der andere Klassiker auf Schweizer Herrentoiletten: die gute alte Prostatawerbung. Da weiss man wenigstens, was man hat. Oder was man bald braucht.

Felix Merz

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