Die lange Durststrecke ist vorbei

Es gibt wieder Bier im Toggenburg. Selbst gebrautes Bier. Dreissig Jahre nach dem Aus für die Brauerei Burth in Lichtensteig öffnet die Brauerei St. Johann mit Bar und Restaurant am Standort der alten Brauerei in Neu St. Johann. Diese schloss vor fast hundert Jahren.

Matthias Giger
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Verwaltungsrat Philipp Grob, Braumeister Rainer Schinkel, Verwaltungsrat Tobias Kobelt (Urenkel des früheren Neu St. Johanner Brauers Gustav Hail) und Verwaltungsrat André Meyer – die Männer hinter der Brauerei St. Johann – prosten an der Eröffnung den Aktionären zu. (Bilder: Matthias Giger)

Verwaltungsrat Philipp Grob, Braumeister Rainer Schinkel, Verwaltungsrat Tobias Kobelt (Urenkel des früheren Neu St. Johanner Brauers Gustav Hail) und Verwaltungsrat André Meyer – die Männer hinter der Brauerei St. Johann – prosten an der Eröffnung den Aktionären zu. (Bilder: Matthias Giger)

NEU ST. JOHANN. Meint ein Aktionär zu einem anderen: «Halt. Nicht so weit nach vorne. Ich habe es lieber im Glas als im Gesicht.» Dabei wäre es eine historische Bierdusche, die er da im unglücklichsten Fall unfreiwillig in Kauf genommen hätte. Denn wenige Minuten später wird der Verwaltungsrat Philipp Grob das Fass mit dem ersten Bier der Brauerei St. Johann anstechen. Gekonnt, ohne eine Dusche auszulösen. Auf diesen Moment hat das Toggenburg viele Jahre gewartet. 30 Jahre nach dem Aus für die Brauerei Burth in Lichtensteig, war die Region ein weisser Fleck auf der Brauereikarte der Schweiz, wie es Verwaltungsrat Philipp Grob ausdrückt. Jetzt gibt es wieder eine Brauerei im Toggenburg. Nicht nur das. Zur Brauerei AG, die von über 800 Aktionärinnen und Aktionären getragen wird, gehören auch das Restaurant zur Mauer, in dem ab morgen zum Bier und zum Toggenburg passende Speisen serviert werden, die Brauereibar sowie ein Festsaal und der Mönchskeller. Noch nicht ganz fertig ist der Gewölbekeller.

Weitere Bierideen

Dass ein eigenes Bier ein identitätsstiftendes Gut ist, unterstrich Gemeindepräsident Kilian Looser: «Ich wünsche mir, dass dieser Leuchtturm weit über die Grenzen des Toggenburgs hinaus leuchten wird.» Geleuchtet haben auch die Augen der rund 300 zur Eröffnung gekommenen Aktionärinnen und Aktionäre, als sie mit einem Becher St. Johann in der Hand die Brauerei besichtigen. Zum Biertrinken ist dem Braumeister Rainer Schinkel weder Zeit noch eine Hand frei geblieben. Letztere benötigte er, um die Antworten auf die Fragen der Aktionäre mit Gesten zu untermalen. Zum Glück hat er vor der Führung mit den drei Verwaltungsräten Tobias Kobelt, André Meyer und Philipp Grob gleich nach dem Fassanstich einen Schluck des ersten Sudes vom St. Johann Hell probiert. Wobei es ohnehin zu den Aufgaben eines Brauers gehört, das Bier zu verkosten und zu verfeinern. Dazu hat er reichlich Gelegenheit. Bald werde er nebst dem St. Johann Hell weitere Standardsorten brauen. Aber auch saisonale Bierspezialitäten, beispielsweise ein Bock zu Weihnachten.

Moderne Technik, altes Gebäude

Die Investoren haben die Brauereibar sofort in Beschlag genommen, was auch im Braukeller an dem häufigen Klicken zu hören gewesen ist. Eine unter Druck stehende Leitung führt vom Biertank direkt hoch zum Zapfhahn am Tresen.

Die eingeladenen Aktionäre haben sich nebst der Brau-Infrastruktur und den Räumen der Gastronomie und Bar auch für die Heizanlage interessiert. Die für den Brauprozess nötige Wärme – das aufgebrochene, mit Wasser aus einheimischen Quellen vermengte Malzschrot wird beim Einmaischen aufgekocht – bezieht die Brauerei von dem Holzenergiezentrum in Nesslau. «Es war eine ziemliche Herausforderung, die Anlage darauf einzustellen. Es hat nun aber geklappt und insofern ist die Brauerei St. Johann Pionierin», sagt Braumeister Rainer Schinkel auf dem Rundgang.

Ein grosser Teil der Anlage ist im alten Gebäude angesiedelt, in dem Gustav Hain, der Urgrossvater des Verwaltungsrates Tobias Kobelt, bis 1919 Bier braute. Der Tradition wird nicht nur damit, sondern auch im neuen Restaurant Rechnung getragen. Die Tische und Stühle stammen aus dem alten Restaurant zur Mauer.

www.brauereistjohann.ch

O'zapft is: Philipp Grob (links) sekundiert von Braumeister Rainer Schinkel.

O'zapft is: Philipp Grob (links) sekundiert von Braumeister Rainer Schinkel.

Die Brauereibar mit freier Sicht auf die Kupferkessel des Sudhauses.

Die Brauereibar mit freier Sicht auf die Kupferkessel des Sudhauses.

Rainer Schinkel führt die Aktionäre durch den Braukeller.

Rainer Schinkel führt die Aktionäre durch den Braukeller.

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