Die Landsgemeinde lebt wieder auf

Vor ein paar Tagen fand in Winterthur eine besondere Landsgemeinde statt. Moderiert wurde sie von einem Exil-Appenzeller, der mit seinen Insider-Kenntnissen und dem urchigen Dialekt dem Anlass eine authentische Note verlieh.

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Bild: Martina Basista

Bild: Martina Basista

Vor ein paar Tagen fand in Winterthur eine besondere Landsgemeinde statt. Moderiert wurde sie von einem Exil-Appenzeller, der mit seinen Insider-Kenntnissen und dem urchigen Dialekt dem Anlass eine authentische Note verlieh. Martin Widmer ist Leiter der Hauptpost Winterthur, die sich vis-à-vis dem Bahnhofgebäude befindet. In jungen Jahren hat er selber noch an der Ausserrhoder Landsgemeinde teilgenommen. Selbstverständlich kennt er das Landsgemeindelied auch heute noch, doch vorgetragen hat er es in Winterthur nicht. Bei der Versammlungsleitung kam ihm nicht nur sein Appenzeller Hintergrund zupass. Profitieren konnte er auch von seiner Erfahrung aus Gemeindeversammlungen als Schulpräsident der Oberstufenschulgemeinde Ossingen-Truttikon, die in der Agglomeration von Winterthur liegt.

Zusammen mit seinem Jugendfreund Daniel Lüscher hat er seinerzeit die Klimaschutz-Organisation «myblueplanet» gegründet, die in Winterthur ihren Sitz hat. Lüscher ist wie Widmer ein Ausserrhoder. Er ist in Speicher geboren, wohnt nun aber schon eine Weile in Winterthur. Mit der Non-Profit-Organisation «myblueplanet», die er präsidiert, versucht der Pilot einen konkreten und messbaren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Die nun durchgeführte Klimalandsgemeinde ist das jüngste in einer ganzen Reihe von Projekten, die die Bürgerinitiative in den letzten Jahren lanciert hat. Abgestimmt wurde über die Vergabe von Preisgeldern an vier Projekte, die in Winterthur dem Klimawandel begegnen sollen. Der Anlass sollte urtümliche Demokratie mit modernem Klimaschutz verbinden.

Lüscher und Widmer sind nicht die ersten Ausserrhoder, die in Winterthur Einfluss nehmen. Der in Urnäsch aufgewachsene Thomas Guglielmetti ist seit zwei Jahren Programmleiter des Theaters Winterthur. Der Dramaturg trägt damit die künstlerische Verantwortung für das grösste Gastspieltheater der Schweiz. Und der langjährige Co-Moderator der Trogener Gespräche, Walter Bührer, war bis zu seiner Pensionierung stellvertretender Chefredaktor des Winterthurer «Landboten» und pendelte deshalb täglich vom Appenzellerland in die Eulachstadt.

Christian Jossi