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Die Kunst des Aufhörens

Brosmete
Alex Baumann

Nun ist also eingetreten, was ich immer zu verhindern versuchte. Ich habe meinen Zenit überschritten, war an meinen dritten Olympischen Spielen nur noch Ersatz, weil ich am entscheidenden Leistungstest im Dezember Vierter statt mindestens Dritter wurde. Jetzt können alle mit Recht sagen: «Der hat den Absprung verpasst.» Wie konnte es nur so weit kommen? Eine Geschichte, die der Sport schreibt. Nach dem Gewinn der Bronzemedaille an den Weltmeisterschaften 2016 überlegte ich mir intensiv den Rücktritt. In jedem Grosserfolg keimt bereits der Samen des Niedergangs, weil er nicht mehr steigerbar ist. Ich hatte fast alle meine sportlichen Ziele erreicht, kämpfte mit chronischen Knie- und Rückenschmerzen und war alt. Warum also weitermachen? Aber ich war top in Form, erhielt durch die Resultate lukrative Angebote und hatte immer noch Spass am Training. Warum also aufhören? Schliesslich gab mein Arbeitgeber den Ausschlag, indem er mir ein flexibles Nebeneinander von Job und Sport ermöglichte. Im Juni machte ich den besten Leistungstest aller Anschieber. Bestärkung. Am nächsten Tag riss ich mir aber im Trainingslager den Adduktor ab. Verzweiflung. Schluss, Aus, Ende? Ich wusste, wenn ich jetzt aufhöre, würde ich die Reha nur halbherzig durchziehen und ein Leben lang Nachwehen haben. Also weiterkämpfen. Erste Rennen im Januar. Ernüchterung. Dann Podestplätze im Februar. Erleichterung. Im Frühling ging es trotz hartem Training mit der Leistung steil bergab. Ratlosigkeit. Aber ein Jahr vor Olympia gibt man nicht auf. Anders und härter trainieren. Es wird besser. Hoffnung. Aber gereicht hat es am Schluss wegen ein paar Hundertstel eben doch nicht. Erniedrigung. Nichts verwüstet dich nachdrücklicher als das Zerbersten des Selbstverständnisses. Fazit: Auf dem Zenit aufzuhören, ist diffiziler als gedacht. Sport ist wie Bergsteigen im Nebel: Es geht über Stock und Stein und wo genau der Gipfel war, weiss man erst auf dem Abwärtsweg. Erkenntnis. Auf ins neue Leben!

Alex Baumann

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