Mit Gratisparkieren soll die Kundschaft bei Laune gehalten werden

Eine halbe Stunde soll in der Gemeinde gratis parkiert werden dürfen. Das verlangen die SVP und das Gewerbe mit einer Initiative, über die am 23. September abgestimmt wird. Doch was sind die Hintergründe?

Interview: Astrid Zysset
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Für das Gewerbe gehört eine halbe Stunde Gratisparkieren zu einem attraktiven Einkaufsstandort. (Bild: APZ)

Für das Gewerbe gehört eine halbe Stunde Gratisparkieren zu einem attraktiven Einkaufsstandort. (Bild: APZ)

Die SVP und der Gewerbeverein sind der Überzeugung, dass Herisau als Einkaufsstandort gestärkt werden kann, wenn eine halbe Stunde gratis parkiert werden darf. Sie haben eine Initiative eingereicht. Einwohnerrat wie auch Gemeinderat lehnen das Begehren ab. Am 23. September wird darüber abgestimmt. Christian Oertle, Präsident der SVP Herisau, über die Umstände, die zu dieser Initiative geführt haben.

Christian Oertle, 2009 kam die halbe Stunde Gratisparkieren bereits einmal zur Abstimmung – und wurde abgelehnt. Warum sollte es nun klappen?

Damals fiel der Entscheid äusserst knapp aus. Nur rund 200 Unterschriften hätten zu einer Annahme der Initiative gefehlt. Heute ist die Ausgangslage eine andere: Heute ist das Gewerbe mit an Bord. Zudem arbeiten die Parteien untereinander produktiver zusammen. Es ist nicht mehr verpönt, eine Idee einer anderen Partei zu unterstützen, wie es 2009 noch der Fall war. Darum unterstützen nun auch andere Parteien unsere Initiative.

Klingt, als müsste die Initiative an der Urne nur noch durchgewunken werden.

Das würde ich niemals behaupten. Das wäre ziemlich überheblich, und sicher, dass die Initiative angenommen wird, ist es längst nicht. Schlussendlich entscheidet das Volk. Und einige Gegenstimmen gibt es nach wie vor.

Im Einwohnerrat wurde die Initiative abgelehnt. Der Gemeinderat ist ebenfalls dagegen. Er befürchtet Mindereinnahmen bei der Parkplatzbewirtschaftung. Auch mögliche Missverständnisse führt er an, dass die Leute nicht realisieren würden, dass sie die Parkuhren trotzdem bedienen müssen. Weiter geht er davon aus, dass der Suchverkehr zunehmen wird, da nach einer halben Stunde die Kundinnen und Kunden umparkieren wollen. Können Sie diese Argumente nachvollziehen?

Nein. Absolut nicht. Das mit dem Umparkieren ist zwar nicht auszuschliessen, aber 90 Prozent der Kundinnen und Kunden stellen ihr Auto hin und lassen es dann dort. Dass einzelne vielleicht vergessen, die Parkuhr zu stellen, kann sein. Aber ehrlich gesagt: Der Kunde ist nicht dumm. Der wird das mit der Zeit schon begreifen. Und betreffend des finanziellen Aspekts: Den Geschäften generiert das Gratisparkieren Mehreinnahmen. Das wiederum schlägt sich in höheren Steuern nieder. Oder zugespitzt gesagt: Wenn wir nur einem Geschäft helfen können, damit es in nächster Zukunft nicht schliessen muss, hat es sich gelohnt. Es kostet die Gemeinde zwar etwas, aber es kommt auch x-fach etwas zurück.

Dass die Initiative den Gewerbebetrieben tatsächlich etwas bringt, bezweifelt der Gemeinderat.

Ich weiss. Dabei arbeiten schon viele mit diesem Kundenservice: Bei der UBS, dem Coop, am Bahnhof und bei der Post ist das Parkieren während der ersten Minuten gratis. Und auch die Nachbargemeinden Flawil, Appenzell und Gossau haben das Gratisparkieren längst eingeführt. Nur unser Gemeinderat will die Vorteile nicht sehen.

Ist das Gratisparkieren so wichtig für das Gewerbe?

Mit dem Gratisparkieren alleine ist es nicht getan. Aber jenes ist ein Teil eines Puzzles, das attraktive Rahmenbedingungen für das Gewerbe definiert.

Der Gemeinderat setzt auf die Zentrumsentwicklung, um die erwähnten attraktiven Rahmenbedingungen zu schaffen.

Darauf warten wir schon lange. Auf langwierige, monumentale Veränderungen zu hoffen, können sich aber viele Gewerbebetriebe nicht leisten. Zum Vergleich: Von der Bahnhofsentwicklung reden wir schon seit etwa 10 Jahren, von der Umfahrung Herisau sogar seit über 50. Wir müssen aber jetzt etwas gegen das Lädelisterben tun. Die Situation, wie sie sich aktuell darstellt, darf nicht unterschätzt werden. Im Gutenberg-Zentrum sind viele Läden verschwunden. Und seit die Migros nicht mehr im Dorfzentrum ist, hat die Laufkundschaft rapide abgenommen. Es ist an der Zeit, das wir aus dem Dornröschenschlaf aufwachen und unser Gewerbe unterstützen. Das Ei des Kolumbus ist das Gratisparkieren nicht, aber es kann immerhin einen positiven Effekt bringen.

Klingt, als wäre die Situation ziemlich dramatisch.

Überzeichnen will ich es nicht. Wir haben ein attraktives Dorf. Aber wir müssen auch etwas tun, um die Kundinnen und Kunden bei Laune zu behalten. Das kann mit einem gross angelegten Konzept sein, mit Blumenkisten, mit einer Strasse, die wir – überspitzt gesagt – violett einfärben oder auch mit Gratisparkplätzen. Aber etwas müssen wir tun. Sonst kann es wirklich gefährlich werden.

Plant die SVP bis zur Abstimmung noch Wahlkampf?

Wir werden Flyer verteilen, Leserbriefe schreiben und eine Standaktion auf dem Obstmarkt durchführen. Es ist wichtig, die Leute zu animieren, abstimmen zu gehen.