Die künstlerische Ader geweckt: Kunstprojekt mit Asylsuchenden in Appenzell war ein Erfolg

16 Asylsuchende konnten sich im Rahmen eines interkulturellen Projekts der Kunsthalle Ziegelhütte kreativ betätigen. Die Werke, die dabei entstanden sind, werden am Sonntag im Foyer des Kunstmuseums Appenzell präsentiert.

Claudio Weder
Drucken
Teilen
Asylbewerber betätigen sich kreativ – und lernen sich dabei gegenseitig kennen. (Bild: PD)

Asylbewerber betätigen sich kreativ – und lernen sich dabei gegenseitig kennen. (Bild: PD)

Unter dem Namen «Heimat. Kunst – Kultur – Begegnung» hat die Heinrich-Gebert-Kulturstiftung in Zusammenarbeit mit dem Asylzentrum Appenzell erstmals ein interkulturelles Kunstprojekt mit Asylsuchenden durchgeführt. Daran teilgenommen haben 16 Personen (sieben Frauen und neun Männer) aus Eritrea, Afghanistan, Syrien, Ungarn, Sri Lanka und Tibet. An vier Workshops beschäftigten sie sich mit verschiedenen Facetten der Kunst – und konnten sich schliesslich sogar selbst kreativ betätigen. Die 35 entstandenen Werke werden am Sonntag um 15 Uhr im Foyer des Kunstmuseums Appenzell präsentiert.

Initiiert wurde das gesamte Projekt im April 2018 von Claudius Fischli, der sich schon in der Vergangenheit mehrere Male freiwillig für Asylsuchende engagiert hatte. Esther Hörnlimann, die das Projekt als Koordinatorin seitens des Asylzentrums begleitet hat, schätzt solches Engagement: «Jegliche Struktur, Begegnung und Möglichkeit zum sprachlichen und kulturellen Austausch ist eine enorme Bereicherung für unsere Asylbewerber», sagt sie.

Viel Talent unter den Teilnehmenden

Für die Asylsuchenden standen neben Führungen durch die Kunsthalle Ziegelhütte und die Ausstellung «All our Darlings» auch ein Besuch in der Werkstatt des Bauernmalers Stefan Manser sowie diverse praktische Workshops auf dem Programm. «Wir wollten für die Teilnehmenden einen Ort der Begegnung schaffen – und ihnen gleichzeitig einen Zugang zur Kunst vermitteln», sagt Projektleiterin und Kunstvermittlerin Anna Beck-Wörner.

Wichtig sei gewesen, dass sich die Teilnehmenden nicht wie in der Schule fühlten, sondern sich auch praktisch beschäftigen konnten. Auf einer niederschwelligen Ebene konnten sie sich beispielsweise mit den Farben Appenzells, mit den Farben ihrer Herkunftsländer, mit ihren Wunsch- und Glücksfarben, aber auch mit universellen Formen wie Herzen oder Sternen beschäftigen.

Während der Workshops sind die 35 Werke entstanden. «Diese sind völlig unterschiedlich und reichen von gegenständlich bis abstrakt», sagt Anna Beck-Wörner. Spannend sei gewesen, dass die Asylsuchenden nicht alle die selben Voraussetzungen mitbrachten: «Einige haben noch nie in ihrem Leben gemalt, auch die Werkzeuge und Materialien waren für viele neu. Es hatte aber auch einige Talente darunter.»

Projekt soll weitergeführt werden

Am Samstag treffen sich die Teilnehmenden zum letzten Mal und beschäftigen sich mit Fragen, die im Zusammenhang mit öffentlichen Präsentationen auftauchen: Was zeige ich, wie wird dies gezeigt, wie äussere ich mich dazu? «Die sprachlichen Barrieren waren eine der grössten Herausforderungen», sagt Anna Beck-Wörner. Umso mehr würden auch die abschliessenden Präsentationen vor Publikum die Teilnehmenden vor eine Hürde stellen.

Das kulturübergreifende Kunstvermittlungsprojekt war für alle Beteiligten ein bereicherndes Erlebnis. «Mich beeindruckten die Konzentration und Hingabe der Teilnehmenden im Atelier», sagt Esther Hörnlimann. «Die freudigen Gesichter aller Teilnehmenden werten wir als gutes Zeichen», ergänzt Beck-Wörner. Aus diesem Grund habe man beschlossen, das Projekt, falls möglich, in Zukunft weiterzuführen.

Hinweis

Die während der Workshops entstandenen Werke werden am Sonntag, 25. November, um 15 Uhr im Foyer des Kunstmuseums Appenzell präsentiert. Das Museum ist an diesem Tag ab 11 Uhr geöffnet.