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Hersteller von rund 500 verschiedenen Präparaten: Die Kräuterexperten aus Herisau

Gesundheit liegt im Trend und Naturheilmittel erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Davon profitiert auch die Hänseler AG.
Karin Erni
Vor der Produktion wird ermittelt, ob es sich um die richtige Pflanze handelt. (Bild: Karin Erni)Vor der Produktion wird ermittelt, ob es sich um die richtige Pflanze handelt. (Bild: Karin Erni)
Pharmaingenieur Christian Stübi begutachtet die angelieferte Ware. (Bild: Karin Erni)Pharmaingenieur Christian Stübi begutachtet die angelieferte Ware. (Bild: Karin Erni)
Im Labor wird der Wassergehalt der Pflanzen überprüft. (Bild: Karin Erni)Im Labor wird der Wassergehalt der Pflanzen überprüft. (Bild: Karin Erni)
Im Mazerationsraum reift die Mischung heran. (Bild: Karin Erni)Im Mazerationsraum reift die Mischung heran. (Bild: Karin Erni)
Ein kleiner Teil der Produktepalette von Hänseler. (Bild: Karin Erni)Ein kleiner Teil der Produktepalette von Hänseler. (Bild: Karin Erni)
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Die Kräuterexperten aus Herisau

An diesem Morgen ist die Luft beim Standort für die Frischpflanzenanlieferung bei der Hänseler AG in Herisau erfüllt von würzigen Kräuterduft. Auf der Rampe liegen 250 Kilogramm Thymianpflanzen. «Sie wurden heute Morgen im Kanton Thurgau gepflückt und sind ganz frisch», sagt Pharmaingenieur Christian Stübi. Dass die Pflanzen hier draussen verarbeitet werden, hat einen besonderen Grund. «Es könnte sein, dass sich noch Insekten im Produkt befinden, diese müssen wir aus hygienischen Gründen von den übrigen Waren fernhalten.»

Die Firma Hänseler beschäftigt 130 Mitarbeitende. Sie stellt rund 500 verschiedene Präparate her. Der grösste Teil davon sind pharmazeutische Rohstoffe, die an andere Hersteller oder Apotheken weiterverkauft werden. Ein Beispiel aus der Produktepalette sind Frischpflanzentinkturen, die Ausgangsstoff für verschiedene Naturheilmittel und Homöopathika sind.

Stübi nimmt eine Probe der Lieferung, um sie im hauseigenen Labor untersuchen zu lassen. «Dort wird festgestellt, ob es sich um die richtige Pflanzenart handelt und der Wassergehalt wird überprüft. Aufgrund des Resultats berechnen wir, wie viel Lösungsmittel zugegeben werden muss, um die Wirkstoffe aus der Pflanze zu gewinnen. Das Verhältnis muss exakt stimmen.» Diese Vorgehensweise sei in der Arzneibuchmonografie festgelegt, die für die Herstellung und Qualitätskontrolle von Arzneimitteln international verbindlich sei, sagt Stübi.

«Die moderne Pflanzenheilkunde benötigt Mittel, die bei jeder Charge die gleiche Wirksamkeit, Qualität und Unbedenklichkeit besitzen.»

Dies etwa im Unterschied zu einem Kräutertee, der als Lebensmittel gelte und je nach Herkunft und Zubereitungsart natürlichen Schwankungen unterliegen könne und dürfe, so Stübi weiter.

Ein Mitarbeiter häckselt die Thymianpflanzen, damit sie weiterverarbeitet werden können. Dazu wird ein sogenannter «Blitz» verwendet, wie er in der fleischverarbeitenden Industrie zur Herstellung von Wurstwaren üblich ist. Die scharfen Messer rotieren und verarbeiten die störrischen Kräuter in kleinste Stückchen. «In dieser ersten Verarbeitungsstufe geht es darum, möglichst viele der Pflanzenzellen aufzubrechen. Darin sind die Wirkstoffe eingeschlossen, die wir gewinnen wollen», erklärt Stübi.

Die Mitarbeiter in der Produktion tragen einen Mundschutz

Nach dem Häckseln wird der Behälter mit dem duftenden Inhalt in die Produktionsräumlichkeiten verfrachtet. Hier herrscht die höchste Sicherheitsstufe des Betriebs. Der Zutritt ist nur in spezieller Hygienekleidung erlaubt. Jegliche Funkenbildung muss wegen der Explosionsgefahr durch den verwendeten hochprozentigen Alkohol verhindert werden.

Die Mitarbeiter der Produktion tragen einen Mundschutz, wenn sie mit den Substanzen hantieren. Bei jedem Verarbeitungsschritt erhält das Produkt einen Kleber, damit immer genau festgestellt werden kann, wo im Betrieb es sich gerade befindet. Die Extraktionsverfahren unterscheiden sich nach Pflanzenart und ihrem späteren Verwendungszweck, erläutert Christian Stübi.

«Es gilt das Prinzip Gleiches löst sich in Gleichem.»

Das bedeutet, dass wasserlösliche Wirkstoffe mit Wasser gelöst werden, die fettlöslichen mit Fett. Alkohol ist für Arzneimittel das häufigste Lösungsmittel. Zur Gewinnung von ätherischen Ölen kommt in der Regel die Destillation mit Dampf zur Anwendung. Im Falle des Thymians wird die Mazeration gewählt, das Einlegen in eine Mischung aus Wasser und Alkohol.

In einem Raum mit gleichbleibender Temperatur dauert die Mazeration 10 bis 30 Tage. Die Mischung wird täglich von Hand umgerührt. «Nach zehn Tagen beginnen wir Proben zu ziehen und zu analysieren. Sobald die gewünschten Werte erreicht sind, wird der Prozess gestoppt», sagt Stübi. «Länger zuwarten bringt nichts mehr, denn nach einiger Zeit stellt sich in den Zellen ein Gleichgewicht ein, bei dem kein weiterer Wirkstoff mehr gelöst wird." Es könnte dann sogar passieren, dass unerwünschte Substanzen in das Mittel gelangen. Die Mischung wird abgepresst und die fertige Tinktur in Glasflaschen abgefüllt.

Die Firma Hänseler verfügt über flexibles Equipment. Das ermöglicht auch die Herstellung kleinerer Chargen, zum Beispiel für Naturheilpraxen oder Apotheken und Drogerien. Alle Herstellungsprozesse sind GMP-zertifiziert und werden vom Schweizerischen Heilmittelinstitut Swissmedic kontrolliert. Ebenso die Distribution, die GDP-zertifiziert ist. 2,6 Millionen Gebinde verlassen die Firma pro Jahr. Pro Tag erfolgen 360 Auslieferungen direkt zu den Kunden in der Region. Damit die Qualität der Produkte gewährleistet ist, sind die Lieferfahrzeuge so ausgerüstet, dass im Innern immer die gleichen Temperaturen herrschen.

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