Reise in die Vergangenheit: Neue Hypnosepraxis im Appenzellerland

Elke Cappellari hat im Hotel Blaue Krone in Brülisau eine Hypnosepraxis eröffnet.

Karin Erni
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Elke Cappellari ist eine der wenigen Hypnose-Therapeutinnen im Appenzellerland. (Bild: KER)

Elke Cappellari ist eine der wenigen Hypnose-Therapeutinnen im Appenzellerland. (Bild: KER)

Der Hypnose haftet etwas Geheimnisvolles an. Die vor Jahrzehnten beliebten Shows, in denen Menschen lustvoll in Zitronen bissen oder auf Kommando steif wie Bretter wurden, hinterliessen einen wohl eher zweifelhaften Eindruck der Methode.

Doch in den letzten Jahren hat sich das Blatt gewendet. Der positive Nutzen auf Gesundheit, Wohlbefinden und Leistung haben dazu geführt, dass Hypnose zunehmend Einzug in die verschiedensten Lebensbereiche hält. Die englische Herzogin Kate Middleton beispielsweise bekennt sich dazu, ihre Kinder mit Hilfe von Hypnose geboren zu haben, und viele Sportler setzen sie regelmässig zur Leistungssteigerung ein. Auch die Schulmedizin nutzt vermehrt die Kraft der Imagination. Immer öfter werden Operationen ohne Narkose und Schmerzmittel durchgeführt. Am Universitätsspital Genf erhalten derzeit über 4000 Pflegerinnen, Pfleger, Ärztinnen und Ärzte eine Grundausbildung in Hypnosetechnik. Eingesetzt werden die Kenntnisse in der Notfallabteilung, in der Schmerzklinik und auf der Krebsstation.

Den Hypnose-Popstar nach Brülisau geholt

Der Berner Gabriel Palacios hat der Hypnose hierzulande einen Popularitätsschub verpasst. Der Hypnosetherapeut und Autor tritt regelmässig im Fernsehen auf. Seine Kurse sind auf Jahre ausgebucht. Im Frühjahr war der Shootingstar der Szene in der Blauen Krone Brülisau zu Gast. Ins Appenzellerland geholt hat ihn Elke Cappellari. Sie hat ihre Ausbildung bei Gabriel Palacios absolviert und betreibt im Hotel seit diesem Jahr eine eigene Hypnosepraxis. «Ich habe in meiner Jugend auch solche Hypnoseshows gesehen und war schon damals fasziniert von der immensen Kraft, die in unserem Unterbewusstsein steckt», so Cappellari. In den Schriften des Epigenetikers Bruce Lipton fand sie die wissenschaftliche Bestätigung. «Mit dem bewussten Geist bestimmen wir unser Leben nur gerade zu 5 Prozent. Die verbleibenden 95 Prozent werden durch das Unterbewusstsein bestimmt.» Durch einen Krankheitsfall in der Familie habe sie begonnen, sich vertieft mit der Hypnosetherapie zu befassen. «Krankheit entsteht oft aus Angst und Stress. Wer sich davon befreit, kann schneller gesunden», ist sie überzeugt. «Weil Ängste, aber auch Überzeugungen und Glaubenssätze aus der Kindheit im Unterbewusstsein wie auf einer Festplatte gespeichert sind, ist es auch möglich, solche Prägungen mittels Hypnose neu zu überschreiben.»

Klient ist dem Therapeuten nicht ausgeliefert

Im Vorfeld einer Hypnosesitzung bespricht Elke Cappellari mit dem Klienten dessen Erwartungen und Wünsche. Oft gehe es dabei um Alltagsprobleme, Ängste oder Suchtproblematiken. In einem Entspannungssessel macht sie mit dem Klienten einige einleitende Übungen. Mit suggestiven Sätzen versetzt sie ihn anschliessend in einen tiefen Entspannungszustand. Die hypnotisierte Person bestimme selber, wie weit sie sich in die Vergangenheit hineinbegeben wolle, so Cappellari. «Wenn sie es will, kann sie sich bis in die frühe Kindheit zurückführen lassen. In diesem Zustand kann sie Erlebtes noch einmal anschauen und mit dem Verstand des Erwachsenen auflösen.» Wenn sie aber Widerstände gegen eine Rückführung spüre, könne sie mit der Person gemeinsam passende Suggestionsätze finden, die praktische Hilfe bei vielen Problemen im Alltag bieten.

Sie räumt auch mit einem alten Vorurteil auf: «In der Hypnose ist man dem Therapeuten nicht ausgeliefert, man muss es selber wollen, sonst funktioniert es nicht.» Auch Schaden anrichten könne eine Behandlung nie, so die Therapeutin. «Wenn bei einer Sitzung einmal nichts Weltbewegendes passieren sollte, hat es immerhin etwas super Entspannendes.»