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Die Kraft der Gebetsheiler

Wie können Gebetsheilende unheilbar kranken Menschen helfen? «Sie können ihnen die Angst nehmen», sagt Landammann Roland Inauen. An einer Fachtagung sprach der Volkskundler über eine lebendige Innerrhoder Subkultur.
Michael Genova
Heilen durch Sprüche und Segen: Der Innerrhoder Landammann Roland Inauen ist ein profunder Kenner des Phänomens. (Bild: mge)

Heilen durch Sprüche und Segen: Der Innerrhoder Landammann Roland Inauen ist ein profunder Kenner des Phänomens. (Bild: mge)

APPENZELL. Wenn einer nicht mehr weiterweiss, fährt er nach Appenzell. Das sei sogar in ihrem Wohnort Horn bekannt, sagte Karin Kaspers-Elekes, die Präsidentin des Vereins Palliative Ostschweiz am Donnerstagabend in der Aula Gringel. Sie spielte damit auf das traditionelle Gebetsheilen an. Die Behandlung von Krankheiten mit Gebeten und Sprüchen wird in Appenzell Innerrhoden bis heute gepflegt. Als Redner hatte sie Landammann Roland Inauen gewonnen: Der Leiter des Museums Appenzell ist ein intimer Kenner dieser medizinischen Subkultur.

Hilfe bei Warzen und Heimweh

Man nennt sie Gebetsheiler, doch das ist die Beschreibung jener, die über sie schreiben. In Appenzell Innerrhoden sagt man eher: einer «tuet fö Hitz ond Brand». Dabei steht «Hitz» für hohes Fieber und «Brand» für Verbrennungen. Die Heiler helfen aber auch bei Warzen und Muskelschwund, stillen Blut und lindern sogar Heimweh. «Früher war es eine Selbstverständlichkeit, dass man in solchen Fällen jemanden angerufen hat», erinnerte sich Roland Inauen. Später sei ihm das Phänomen als Volkskundler wieder begegnet. Dabei habe ihm geholfen, dass er in einem Wirtshaus aufgewachsen sei. Denn dort waren die traditionellen Heilpraktiken regelmässig Thema am Stammtisch.

«Man wird nichts inne»

Roland Inauen schätzt, dass in Appenzell Innerrhoden zwischen 20 und 30 Männer und Frauen aus allen Schichten mit Gebeten heilen. Im Telefonbuch stehen sie nicht. «Wenn man aber etwas herumfragt, findet man schon jemanden.» Die Gebetsheiler scheuen die Öffentlichkeit, weil sie fürchten, ihre Kraft zu verlieren. Als die Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde 1930 Fragebogen in alle Gemeinden schickte, lautete die Frage Nummer 1431: «Kennt man Sprüche und Segen gegen Krankheiten und Wunden?» Mit Hilfe einer eigens einberufenen Kommission schrieb der Innerrhoder Ratschreiber nach einiger Zeit zurück: «Ja. Man wird aber von denen, die sie anwenden, nichts inne. Selbst ein Mitglied der Kommission, das sich rühmt, Blut stillen zu können auf solche Art, verriet das Mittel nicht.»

Gebetsheiler wissen laut Roland Inauen aber auch um ihre Grenzen. Wirkliche Heilung sei selten. «Sie können Schmerzen und Symptome bekämpfen.» Und hier liegt die Verbindung zur palliativen Medizin, die das Leiden unheilbar kranker Menschen lindern will. Ähnliches könnten auch Gebetsheiler leisten, so Inauen. «Sie schenken den Patienten Ruhe, nehmen ihnen die Angst und begleiten sie auf ihrem Weg.»

Demut und Barmherzigkeit gehört zur Grundhaltung der Gebetsheiler. Meist teilen sie eine starke Ausrichtung auf eine überirdische Kraft. «Der Herrgott macht's, nicht ich», sei eine typische Aussage. Inauen verglich die Arbeit der Heiltätigen mit den religiös begründeten Heilungen an Wallfahrtsorten. «Sie zeigen, was durch die Kraft des Glaubens möglich ist.»

Forum bündelt Angebote

In Appenzell Innerrhoden vernetzt das Forum Palliative Care Angebote, die sich an unheilbare kranke Menschen richten. Marie-Louise Wick vom Innerrhoder Spitexverein und Ingrid Albisser von der Pro Senectute AI stellten am Abend die Aktivitäten und die Mitglieder des Netzwerks vor. Neben der Spitex und der Pro Senectute sind dies Ärzte, Bürgerheim, Pflegeheim und Spital, aber auch der Hospizdienst und die Kirchen.

Forum Palliative Care AI: Ingrid Albisser, Telefon 071 788 10 26.

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