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«Es ist selten, dass wir auf Friedhöfen graben können»: Archäologen finden in Urnäsch 600 Jahre alte Knochen

Die Sondiergrabungen beim alten Urnäscher Friedhof sind ergiebiger als erwartet.
Karin Erni
Archäologin Iris Hutter mit einem menschlichen Kieferknochen. (Bilder: Karin Erni)

Archäologin Iris Hutter mit einem menschlichen Kieferknochen. (Bilder: Karin Erni)

Ein Jahr bevor die Bauarbeiten für das neue Urnäscher Gemeindehaus beginnen, steht bereits ein Bagger auf dem Grundstück. Die Baumaschine wird für eine archäologische Sondiergrabung auf dem alten Friedhof benutzt.

Wo sich heute ein kleines Pärkli befindet, wurden von der Zeit des Kirchenbaus um 1414 bis zur Terrassierung und Erweiterung des Friedhofs im Jahr 1864 die Gebeine der Urnäscher Verstorbenen gebettet. Mit der Sondiergrabung soll frühzeitig geklärt werden, ob noch Reste des alten Friedhofs im Boden vorhanden sind. So bliebe genügend Zeit, historisch interessantes Material zu sichern, bevor die Bauarbeiten losgehen. Weil Ausserrhoden über keine eigene Kantonsarchäologie verfügt, wurde der Grabungsauftrag an den Kanton Thurgau vergeben. Die Dauer der Sondiergrabung ist auf eine Woche festgelegt.

Nebst Knochen wurden auch Glas- und Metallteile wie Sargnägel gefunden.

Nebst Knochen wurden auch Glas- und Metallteile wie Sargnägel gefunden.

Tote liegen verkehrt herum in der Erde

Das vierköpfige Team hat in den ersten zwei Tagen einen eineinhalb Meter tiefen Graben in Ost-West-Richtung ausgehoben. Das sei die Position, in der Tote in früherer Zeit normalerweise begraben wurden, sagt Archäologin Iris Hutter. So sei die Wahrscheinlichkeit gross, komplette Skelette zu finden.

«Nur komplette Skelette ermöglichen es, fundierte Aussagen über die Verstorbenen und ihre Lebensumstände zu machen.»

An den Kochen lassen sich Alter, Krankheiten, Unterernährung der damaligen Bevölkerung feststellen, was wiederum historisch interessant sei, so Hutter. «Doch diesmal hatten wir Pech. Vermutlich aufgrund des abfallenden Terrains wurden die Toten damals in Nord-Süd-Richtung begraben.»

So hat das Grabungsteam zwar eine grosse Zahl Skelette gefunden. Sie sind aber alle unvollständig. Von einigen sind Schädel und Oberkörper vorhanden, von anderen die Beine. Der zweite Graben wird nun entsprechend im rechten Winkel zum ersten und etwas näher zur Kirche hin ausgehoben. Dort erhofft man sich in den tieferen Schichten interessante Funde. Das Gebiet habe grosses archäologisches Potenzial, sagt Hutter.

«Es ist selten, dass wir auf Friedhöfen graben können, da sie normalerweise in Gebrauch sind.»

Ob und wann weitere Grabungsarbeiten durchgeführt werden, entscheidet die Ausserrhoder Regierung.

In den oberen Erdschichten lagen viele Knochen ungeordnet in der Erde.

In den oberen Erdschichten lagen viele Knochen ungeordnet in der Erde.

Knochen werden wieder beigesetzt

In der obersten Grabungsschicht ist eine grosse Zahl Skelettteile zum Vorschein gekommen. Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass die Knochen bei früheren Umgestaltungsarbeiten des Friedhofs oder des Pärklis gefunden und ungeordnet wieder eingegraben wurden. Nebst Knochen sind auch Glasscherben, Metallteile und viele Sargnägel aus unterschiedlichen Epochen darunter. Die menschlichen Überreste werden im Gemeinschaftsgrab auf dem neuen Friedhof Urnäsch beigesetzt.

Hinweis: Am 8. August, 17.30 Uhr gibt es vor Ort Infos für die Bevölkerung.

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