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Die kleinen Helfer der Behörden: Immer mehr offizielle Drohneneinsätze in Ausserrhoden

Privat ist die Drohne schon längst in Gebrauch. Nun soll sie vermehrt auch bei der kantonalen Verwaltung zum Einsatz kommen. Ein Überblick über die verschiedenen Einsatzgebiete in Ausserrhoden.
Claudio Weder
Zivilschützer werden zu professionellen Drohnenpiloten ausgebildet. (Bild: KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Zivilschützer werden zu professionellen Drohnenpiloten ausgebildet. (Bild: KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Drohnen sind längst nicht mehr bloss Spielzeuge für Hobbyfotografen und Technikfreaks – inzwischen werden sie immer mehr auch von den Behörden eingesetzt. In Ausserrhoden leisten die kleinen Fluggeräte bereits für das kantonale Tiefbauamt oder den Zivilschutz ihre Dienste. Auch die Polizei und das Amt für Raum und Wald prüfen derzeit mögliche Einsatzgebiete von Drohnen. Bis vor kurzem hatte die kantonale Verwaltung aber noch keine einzige eigene Drohne. Bei vergangenen offiziellen Drohneneinsätzen wurden meist private Geräte verwendet.

Einen ersten Schritt in Richtung offizieller Drohneneinsätze machte Ende Mai vergangenen Jahres das Amt für Raum und Wald. Zusammen mit dem Landwirtschaftsamt, dem Bauverband, den Patentjägern und einem professionellen Drohnenpiloten stellte es der Öffentlichkeit ein Pilotprojekt zur Rettung von Rehkitzen vor. Das hohe Gras wird im Frühjahr nämlich für viele junge Rehe zur Gefahr. Oftmals würden sich die Jungtiere im noch ungemähten Gras verstecken, wo sie dann von den Bauern meist übersehen werden.

Ein Blick auf die eidgenössische Jagdstatistik zeigt: Zwischen vier und 14 Rehe kommen alljährlich durch landwirtschaftliche Maschinen ums Leben. «Hinzu kommt eine hohe Dunkelziffer», sagt Heinz Nigg, Leiter des Amts für Raum und Wald. Warum die Zahl zwischen vier und 14 schwankt? «Der Witterungsverlauf ist entscheidend.» Wenn früh gemäht werden könne, dann würden die Bauern und die Rehe in der Regel gut aneinander vorbeikommen. Problematisch sei es erst dann, wenn die Rehe ihre Kitze setzen, bevor die Wiesen gemäht sind. Das sei vor allem in regnerischen Frühjahren der Fall.

Mit Hilfe von spezialisierten Drohnen könnten die Tiere in Zukunft vor dieser Todesfalle bewahrt werden. Die Drohnen sind mit einem Wärmesensor ausgerüstet, der die Rehe im Gras aufspüren könnte. Das Projekt, das Ende Mai vorgestellt wurde, ist allerdings noch auf dem Prüfstand, wie Heinz Nigg sagt. In einer neu gegründeten Arbeitsgruppe, die bis Anfang April, wenn die Setzzeit der Rehe beginnt, eine Lösung finden will, beschäftigen derzeit vor allem Fragen der Logistik und Koordination: «Das Rehkitz-Problem ist wetterabhängig. Das stellt uns vor allem hinsichtlich der Einsatzplanung der Drohnen vor Herausforderungen.» Hinzu kommen logistische Probleme, wenn beispielsweise mehrere Bauern gleichzeitig heuen wollen.

Vorteile gegenüber Helikoptern

Im Ausserrhoder Zivilschutz stehen seit September 2018 zwei Drohnen im Einsatz – oder besser gesagt: «Sie warten darauf, bis sie für einen Ernstfall aus dem Keller heraus müssen» sagt Samuel Signer, Leiter Zivilschutz Appenzell Ausserrhoden. Bislang wurden die Drohnen nur zu Übungszwecken eingesetzt. Mit einer kleinen Ausnahme: «Die Gemeinde Grub hat uns im letzten Jahr beauftragt, den Baufortschritt der neuen Hängebrücke zwischen Grub AR und Grub SG zu dokumentieren.»

Die beiden Drohnen wurden vom Kanton finanziert. Kostenpunkt: rund 17000 Franken. Bis vor kurzem wurden die Drohnen von den Zivilschützern mitgebracht und geflogen, stammten also aus dem Privatbesitz. Da sich die gesetzlichen Anforderungen an die Benutzung von Drohnen und die Anwendung der Datenschutzbestimmungen in den nächsten Jahren mit grosser Sicherheit verschärfen werden, lässt der Zivilschutz diese Fluggeräte ab sofort nur noch von seinen eidgenössisch lizenzierten Piloten fliegen. Dazu hat der Zivilschutz im letzten September ein spezialisiertes Drohnenteam ausgebildet (Ausgabe vom 20. September 2018). Es besteht aus sieben Piloten, die in der Zwischenzeit alle das Drohnenzertifikat «Due» des Schweizerischen Drohnenverbandes erhalten haben.

Die Drohnen werden vor allem zur besseren Dokumentierung von Einsatzplänen und bei grossen Übungen eingesetzt. Im Katastrophenfall soll die Drohnengruppe den Führungsstäben und Partnerorganisationen mit ihren Bildern und Videos rasch ein vollständiges Lagebild vermitteln. Auch einsturzgefährdete Objekte können mit einer Drohne gefahrlos untersucht werden. Gegenüber Helikoptern, die früher bei solchen Fällen zum Einsatz kamen, hat die Drohne dabei wesentliche Vorteile. Signer betont: «Sie ist günstiger, schneller verfügbar und weniger wetterabhängig als ein Helikopter, der meist nur bei guter Sicht fliegen kann.» Zudem würden – etwa beim Anflug auf ein Wohngebiet – weniger Abgas- und Lärmemissionen entstehen.

Hilfsmittel bei Suchaktionen und Verkehrsunfällen

Auch bei der Polizei macht man sich Gedanken über eine mittelfristige Beschaffung von Drohnen, wie Marcel Wehrlin, Stabsadjutant der Kantonspolizei Ausserrhoden, bestätigt. Die Polizei prüft derzeit mögliche Einsatzgebiete von Drohnen und mögliche formen der Zusammenarbeit mit externen Fachstellen wie etwa dem Drohnenteam des Zivilschutzes. Bei Ereignissen wie Verkehrsunfällen oder Bränden könnten Drohnen rasch Übersicht über den Schadensplatz verschaffen.

Zudem sei es denkbar, dass sie auch bei Suchaktionen zum Einsatz kommen würden. «Beispielsweise in unwegsamem Gelände, wo es zu gefährlich wäre, eine Person hinzuschicken, oder wo ein Helikopter an seine Grenzen stossen würde.» Sollten die Drohnen in Zukunft tatsächlich zum Einsatz kommen, würden sie aber den Helikopter nicht ersetzen. Die kleinen Fluggeräte wären mehr als ergänzende Hilfsmittel zu betrachten, so Wehrlin.

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