Die kleine, die ganz gross wurde

Der Rhode Rinkenbach steht mit Karl Dobler ein Hauptmann vor, der an der Landsgemeinde 2015 bereits zum 56. Mal die Rhodsgemeinde leitet – für den ehemaligen Wirtschaftsförderer des Kantons Neuenburg eine Herzensangelegenheit.

Rosalie Manser
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Karl Dobler waltet auch mit 82 Jahren mit viel Elan und Herzblut seines Amtes als Rhodshauptmann. (Bild: pd)

Karl Dobler waltet auch mit 82 Jahren mit viel Elan und Herzblut seines Amtes als Rhodshauptmann. (Bild: pd)

APPENZELL. Der Rhode Rinkenbach gehören seit jeher nur Personen an mit den Nachnamen Dobler, Herz, Moser, Eugster, Rechsteiner und Schmid. Bei den letzten drei Namen sind es gar nur Träger bestimmter Spitznamen. Deshalb dürfte die Rinkenbacher-Rhode zusammen mit der Rhode Stechlenegg wohl die kleinste sein. Bis ins Jahr 1977 besassen die «Rinkenbächler» keine eigene Rhodsfahne, und auch die finanziellen Möglichkeiten waren zu dieser Zeit äusserst bescheiden. «Als ich ein Schuljunge war, wurde ich von meinen Kameraden immer damit aufgezogen. Sie alle hatten an Fronleichnam und an der Landsgemeinde irgendwelche Ehrenämter inne, nur der kleine Karl musste den anderen bei den feierlichen Aufmärschen zusehen», erinnert sich Karl Dobler, der seit 56 Jahren der Rhode Rinkenbach als Hauptmann vorsteht. Er übt dieses Amt mit viel Herzblut aus, auch oder gerade weil er seit Jahrzehnten nicht mehr in seinem Heimatkanton lebt und für Sitzungen und Versammlungen extra den weiten Weg vom neuenburgischen Bôle nach Appenzell auf sich nimmt.

In Aktien investiert

Sein Vater, Karl Dobler sen., seines Zeichens ehemaliger Innerrhoder Landammann und Ständerat, war Rhodskassier. Damals half Karl jun. jeweils bei der Kassabuchführung und erzürnte seinen Vater mit der Bemerkung: «Hend ehr enad gad sövel Göld?».

Dies sollte sich in den 90er-Jahren, nicht zuletzt dank dem unternehmerischen Denken von Karl Dobler jun., zu einem Besseren wenden. Zusammen mit seinen damaligen Vorstandskollegen beschloss der Hauptmann, der sich als ehemaliger Wirtschaftsförderer im Kanton Neuenburg einen Namen weit über die Kantonsgrenzen hinaus gemacht hat, das Rhodsvermögen in erfolgsversprechende Wertschriften zu investieren. In der Folge wurden Roche-Genussscheine und Néstle-Aktien erworben. Die in den Pionierjahren von Zeit zu Zeit anfallenden Kursverluste wurden von den Vorstandsmitgliedern ausgeglichen.

Zweitreichste Rhode

Wurden die «Rinkenbächler» früher gerne von anderen Rhoden belächelt, hat sich das Blatt zu Gunsten der kleinen gewendet. Aktuell befinden sich gegen 120 000 Franken in der Rhodskasse. 1981 waren es noch 18 500 Franken gewesen. «Es ist aber mein persönliches Ziel, dass wir in den nächsten Jahren schon noch einen kleinen Sprung machen», hält der 82jährige Rhodshauptmann fest. Wie hoch dieses «Gömpli» sein soll, lässt sich Karl Dobler nicht entlocken. Sein süffisantes Lächeln lässt aber vermuten, dass das erklärte Ziel wohl das Übertrumpfen des Vermögens der Rhode Lehn sein dürfte, die seit Urzeiten als die reichste unter den sieben Innerrhoder Rhoden gilt. Deren Schatulle ist aktuell mit 160 000 Franken gefüllt.

Rede auf der Brückenwaage

Als am 26. April 1959 Karl Dobler zum Präsidenten der «Rinkenbächler» gewählt wurde, war es Tradition, dass der Hauptmann seine Rede an der Rhodsgemeinde auf der ehemaligen Brückenwaage vor dem Gasthaus Hörnli hielt. Der Standort ist bis heute derselbe geblieben, aber die Waage wurde vor einigen Jahren disloziert. Nicht zuletzt dem grossen Beziehungsnetz von Karl Dobler ist es zu verdanken, dass die Rinkenbacher Rhode jeweils an ihrer «Gmeend» eine illustre Gästeschar aus der internationalen Wirtschaft und Politik begrüssen kann. Jeweils rund fünfzig Mitglieder treffen sich zur Rhodsgemeinde und ebenso viele Gäste. Zur Tradition ist ebenfalls geworden, dass die Stegreifgruppe der Musikgesellschaft Harmonie Appenzell für ein Ständchen nach der Versammlung engagiert wird. Auch ein Apéro wird offeriert. «Aber dies alles ist durch Sponsoren finanziert. Das Rhodsvermögen soll für derlei Dinge unangetastet bleiben», so Karl Dobler.

Neue Fahne, neue Aufgaben

1977 ging der Traum vieler Rhodsangehörigen endlich in Erfüllung: Eine Fahne und neue Uniformen für den Fähnrich und die Junkerbuben wurden für knapp 12 000 Franken angeschafft. Von diesem Zeitpunkt an durften auch die Rinkenbächler an der Fronleichnamsprozession und am Landsgemeindeaufmarsch in Appenzell mitwirken. Man war damals sehr froh, auf das Wohlwollen anderer Institutionen zählen zu dürfen. «Das angewachsene Vermögen ist der Gemeinschaft verpflichtet und öffnet den Weg für neue Aufgaben. Wir möchten, dass <unser Göldli> zum Beispiel den jungen Rhodsgenossen zugute kommt, für die Ausbildung oder den Aufbau von neuen beruflichen Aktivitäten», betont Karl Dobler.

Da die Zukunft gerade kleiner Rhoden ungewiss ist, kursieren im dreiköpfigen Vorstand der Rhode Rinkenbach Pläne, wie der Kreis der Mitglieder erweitert werden könnte. Ideen sind vorhanden, Genaueres werde an der kommenden Rhodsgemeinde kommuniziert, ist von den Vorstandsmitgliedern zu erfahren.