Die Kirche hat den Kanton als Partner in Sachen Eheberatung definitiv verloren

AUSSERRHODEN. In Appenzell Ausserrhoden lebende Ehepaare, die in Schwierigkeiten stecken und sich beraten lassen wollen, können sich ab dem 1. Januar 2014 an die Beratungsstelle für Familien in St. Gallen wenden.

Roger Fuchs
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AUSSERRHODEN. In Appenzell Ausserrhoden lebende Ehepaare, die in Schwierigkeiten stecken und sich beraten lassen wollen, können sich ab dem 1. Januar 2014 an die Beratungsstelle für Familien in St. Gallen wenden. Bis anhin war für diese Beratungen die Beratungsstelle für Ehe- und Familienfragen (BEFL) von der Evangelisch-reformierten Landeskirche beider Appenzell zuständig.

Wernli musste handeln

Dass es zu diesen Veränderungen kommt, hängt mit der Tatsache zusammen, dass der Kirchenrat auf Ende Juni dieses Jahres die Auflösung der BEFL beschlossen und seinen Partnern (dem Kanton Appenzell Ausserrhoden und der katholischen Kirche) gekündigt hat. «Nach dieser Kündigung musste ich sofort handeln», sagt Jürg Wernli, Vorsteher des Departements des Innern. Er habe gleich den Auftrag erteilt, nach einer Lösung zu suchen, so dass der gesetzlich vorgeschriebene Beratungsauftrag ab dem 1. Juli weiterhin abgedeckt sei. Daran änderte sich auch nichts, als es kurz vor den Sommerferien zu einer weiteren Wende kam und die Synode (das Kirchenparlament) entschied, die vom Kirchenrat beschlossene Schliessung nicht zu stützen. Stattdessen erteilte die Synode dem Kirchenrat den Auftrag, erneut das Gespräch mit den bisherigen Partnern zu suchen und die BEFL in einer noch möglichen Form weiterzuführen.

Seit gestern steht definitiv fest: Die Landeskirche hat den Kanton per Anfang nächsten Jahres als Partner verloren. «Zum Zeitpunkt der Sommersynode war mit St. Gallen noch nichts unterschrieben», sagt Jürg Wernli. Doch eine Zusammenarbeit mit dem Nachbarkanton habe sich abgezeichnet. Gemäss Wernli hätte die Kooperation mit St. Gallen bereits am 1. Juli starten können. Man entschied sich jedoch für die bisherigen Strukturen bis Ende Jahr, so dass die hiesige Landeskirche Zeit hat, die Zukunft zu planen.

Kritik an Umgang mit Partnern

Rückblickend kann Jürg Wernli vor allem eines nicht verstehen: Den Umgang der Kirche mit den Partnern. «In einer Schlussbesprechung der Leistungsvereinbarung ist uns mitgeteilt worden, dass der Kirchenrat die Stelle auflösen will», erinnert sich Jürg Wernli. Was der Regierungsrat dagegen verstehen kann, ist das Bestreben der Kirche, das Beratungsangebot so zu positionieren, dass es mehr kirchliche Identität ausstrahlt. Der Kanton habe den gesetzlichen Beratungsauftrag bislang nur der hiesigen Beratungsstelle BEFL übergeben können, weil sie auch überkonfessionell ausgerichtet gewesen sei.

Kirche will eigenes Angebot

Kurt Kägi, Kirchenratspräsident der Evangelisch-reformierten Landeskirche beider Appenzell, zeigt sich auf Anfrage wenig überrascht. Er habe schon an der Synode gesagt, dass der Kanton dabei sei, seine Beratungsstellen zu harmonisieren. Das Beratungsangebot der BEFL habe alle Lebensfragen abgedeckt und sei demnach über das Angebot hinausgegangen, zu welchem der Kanton per Gesetz verpflichtet sei. Gemäss Kurt Kägi geht es nun darum, eine innerkirchliche Lösung zu finden. Die katholische Kirche sei weiterhin an einer Kooperation und an einem Angebot interessiert. Eine genaue Analyse soll in den nächsten Tagen gemacht werden. Für den Kirchenratspräsidenten steht fest, dass man keine Konkurrenzsituation schaffen will und das innerkirchliche Angebot eine Ergänzung oder gar Erweiterung bieten soll.

Günstiger als bisher

Jürg Wernli blickt derweil bereits in die Zukunft mit St. Gallen. Bei der dortigen Beratungsstelle rechnet man gemäss Wernli künftig pro Jahr mit rund 100 Beratungen für Ausserrhoden. Zwei Beratungstermine sind kostenlos, danach gilt der Sozialtarif.

Für Appenzell Ausserrhoden kommt die neue Kooperation günstiger. Zahlte man bisher jährlich 90 000 Franken an die BEFL, so kostet das neue Angebot den Kanton nur noch rund 50 000 Franken. «Ein angenehmer Nebeneffekt», sagt Jürg Wernli. Damit man in St. Gallen die neu hinzukommenden Beratungen auch gewährleisten kann, wird dazu extra ein neues Pensum geschaffen.