Die Kirche bleibt eine Kirche

Der Umbau der ehemaligen evangelischen Kirche Kappel läuft auf Hochtouren, nach der Sanierung werden Installationen für die Nutzung als Kulturraum eingebaut. Dennoch: Das Gebäude wird sein ursprüngliches Gesicht behalten.

Sabine Schmid
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Während der Umbauarbeiten, die derzeit im Gange sind, ist die kostbare Orgel mit einer Folie abgedeckt. (Bild: Sabine Schmid)

Während der Umbauarbeiten, die derzeit im Gange sind, ist die kostbare Orgel mit einer Folie abgedeckt. (Bild: Sabine Schmid)

EBNAT-KAPPEL. Auf den ersten Blick zeigt sich das Innere der ehemaligen Kirche Kappel wie gewohnt: Die Bänke entlang der Mauern, die Kanzel, der Altartisch ist leicht auf die Seite geschoben, und darüber thront die Orgel. Eingepackt in eine Folie, aber durchaus erkennbar. Doch die evangelische Kirche wird nach dem Umbau nicht mehr als solche genutzt. Der neue Besitzer, André Keller, will daraus einen Ort der Kultur machen. Und dieses Vorhaben hat auch schon seine Spuren hinterlassen. Dicke Kabel lugen aus der neuen Bodenabdeckung heraus, im hinteren Teil der Kirche wird in den nächsten Tagen eine Bar eingebaut, und bereits stapeln sich die Stühle, auf welchen das Publikum im künftigen Kulturraum Platz nehmen wird.

Augenmerk auf die Akustik

Was nun noch an die ehemalige Kirche erinnert, wird auch so bleiben, erklärt André Keller. Bis zur Eröffnung des Kulturraums werden aber noch einige technische Einrichtungen folgen, die für die künftige Nutzung unabdingbar sind. André Keller meint damit in erster Linie Schienen, auf welchen Scheinwerfer angebracht werden, und die Installation für den Ton. Die Akustik erfordere in dem grossen Raum mit viel Hall ein besonderes Augenmerk. Segel an der Decke hätten wohl eine Verbesserung gebracht. André Keller möchte aber nach Möglichkeit darauf verzichten, um dem Besucher das Gefühl zu geben, in einer Kirche zu sein. Mit Vorhängen und eventuell einem Teppich soll derselbe Effekt wie die Segel erreicht werden. «Wir werden uns wohl erst einmal auf Aufführungen von Gesang und Musik konzentrieren», sagt André Keller. Theateraufführungen könnte er sich durchaus auch vorstellen. Aber der Aufwand ist höher, vor allem was die Bühnenausstattung betrifft. Der Einbau einer fixen Bühne ist im Moment ebenfalls nicht geplant. Es gäbe die Möglichkeit einer Erhöhung um maximal einen Meter, erklärt André Keller. Rechnet er aber noch Kulissen darauf, sei bald einmal die Höhe der Balustrade erreicht, was das optische Erlebnis einschränkt. André Keller gefällt, dass es der Bau der Kirche möglich macht, dass das Publikum nahe beim Künstler sitzt. «So werden die Aufführungen viel spannender», findet er.

Künstler nahe erleben

Rund 300 Personen können die Veranstaltungen in der ehemaligen Kirche Kappel verfolgen. Dies, wenn der untere Bereich mit einer Konzertbestuhlung eingerichtet und die Empore voll besetzt ist. Geplant ist zudem die Möglichkeit einer Bistro-Bestuhlung. Die Gäste können sich an einer Bar erfrischen, die unter der Empore eingebaut ist. Diese werde aber bewusst nicht so eingerichtet, um auch Essen zubereiten zu können, denn er möchte die Restaurants im Dorf nicht konkurrenzieren, erklärt André Keller. Unter der Empore wird es zudem eine Garderobe für das Publikum geben. Toiletten hingegen gibt es direkt in der Kirche keine. André Keller hat diesbezüglich mit der evangelischen Kirchgemeinde verhandelt. Es sind zusätzliche Toiletten im Friedhofsgebäude geplant. Für die Übergangszeit greift man auf mobile Toilettenhäuschen zurück.

Funktionaler Raum

Wann der erste Anlass in der ehemaligen Kirche Kappel durchgeführt wird, lässt André Keller offen. Offen ist er auch bezüglich der Möglichkeiten, die sein Kulturraum bietet. Geplant sind im kommenden Jahr mehrere Anlässe zum Zwingli-Jubiläumsjahr. Auch habe er Anfragen für Hochzeiten erhalten. Aufgrund der Infrastruktur lässt sich der Raum für Vorträge, Seminare und Weiterbildungen nutzen. «Ich bin zuversichtlich, dass das Konzept funktioniert und wir Kulturfreunde in die ehemalige Kirche ziehen können», sagt André Keller. Zuerst aber muss der Umbau fertig sein, und er will eine Homepage aufschalten, auf welcher Informationen zum Kulturraum zu finden sind.

André Keller Besitzer der ehemaligen Kirche Kappel (Bild: pd)

André Keller Besitzer der ehemaligen Kirche Kappel (Bild: pd)