Die Kinder spielen die erste Geige

Drei Kandidaten bewerben sich um das Präsidium des Kirchberger Schulrats. Berufsleute, Politiker, vor allem aber Menschen mit ihren ureigenen Charakteren, Werten, Präferenzen. Fredy Metzger (CVP) gewährte uns als Erster Gastrecht.

Andrea Häusler
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KIRCHBERG. Blühende Wiesen, freilaufende Hühner, eine Holzdielen-Terrasse mit stilvollem Mobiliar. Auf dem Rasen ein Spielturm, daneben eine offene Feuerstelle und ein von rosa Rosen umrankter Pavillon. Fredy Metzger wohnt privilegiert, zuoberst auf dem Rätenberg, direkt an der Landwirtschaftszone. Einen Steinwurf von seinem Zuhause entfernt ist der 40-Jährige aufgewachsen, auf einem Bauernhof. Seine Eltern wohnen nach wie vor nebenan. Der Kontakt ist intensiv – speziell auch zu den Grosskindern. Laurin ist sechsjährig, keck und voller Bewegungsdrang, Schwesterchen Sophia süsse drei. «Mir ist es wichtig, dass die Kinder auf dem Land aufwachsen, sehen, woher die Milch oder die Eier kommen», sagt Fredy Metzger. Sophia besuche die Waldspielgruppe; wie auch Laurin zuvor. Soziales Lernen, im Kontakt mit der Natur, soll den Kindern ethische Werte und jene Bodenhaftung vermitteln, die seinen eigenen privaten und beruflichen Lebensweg positiv geprägt haben.

Abschied von 12 Wochen Ferien

«Outdoor»-Aktivitäten bedeuten Metzger Lebensqualität, bieten ihm Erholung und Entspannung: beim Joggen oder auch nur beim Umschichten des Komposts. Und in den Ferien. «Wir sind Camper», sagt er. Vorläufig zieht es die Familie mehrheitlich auf Plätze in der Schweiz – der Kinder wegen. «Laurin hat auf dem Campingplatz von Scuol die ersten Schritte gemacht und im Südtirol das Velofahren gelernt.» Irgendwann aber möchte Fredy Metzger nochmals durch Skandinavien reisen – mit der ganzen Familie.

Für derlei Projekte fehlt vorderhand die Zeit; wie für manches andere auch. «Die Kinder sehen mich derzeit öfter auf den Wahlplakaten als zu Hause», sagt er und spricht von der speziellen Situation, praktisch über Nacht zur öffentlichen Person geworden zu sein. «Gewöhnungsbedürftig war dies schon, anders, als vor meiner Wahl zum Schulrat 2007.» Dennoch vermag er der Kandidatur mit all ihren Konsequenzen nur Positives abzugewinnen: «Neue Erfahrungen zum einen, neue Kontakte zum andern. Weniger glücklich über Metzgers Avancen ist man im Schulheim Hochsteig in Lichtensteig, wo er, seit elf Jahren, mit einem 80-Prozent-Pensum als Sozialpädagoge und Wohngruppenleiter tätig ist. Die Wahl zum Präsidenten des Kirchberger Schulrats bedeutete das Ende des Arbeitsverhältnisses. «Und den Abschied von 12 Wochen Ferien jährlich», wie Fredy Metzger lachend ergänzt. Mittelfristig allerdings, räumt er ein, strebe er unabhängig vom Ausgang der Wahl eine berufliche Tätigkeit in leitender Funktion an.

Keine Scheu vor Hausarbeit

Inzwischen hat seine Frau Jeanette den Abwaschlappen zur Seite gelegt. Der Chromstahl in der Küche glänzt. «Kochen ist die Domäne meiner Frau, aber das Aufwärmen liegt mir», witzelt Fredy Metzger. An der Hausarbeit allerdings beteilige er sich konsequent und gar nicht so ungern. Auch deshalb, weil seine Frau, als Bankangestellte, ebenfalls zu 40 Prozent berufstätig sei. Ihren ursprünglichen Beruf der Floristin hat sie zum Hobby gemacht. Dekorativ arrangierte Blumen in kleinen Väschen repräsentieren ihre Kreativität auf dem massiven Holztisch im Esszimmer. Selbst gebaut hat er das Schmuckstück nicht. Obwohl er dies als gelernter Zimmermann nach wie vor könnte. «Wir haben anderes selbst gemacht: die Terrasse beispielsweise», sagt Fredy Metzger.

Das Musik-Gen geerbt

Sein wichtigstes Hobby aber ist und bleibt die Blasmusik und die Blechharmonie Kirchberg, die er bis vor Jahresfrist als Präsident geleitet hat. «Selbst während des Studiums in Luzern bin ich für die Proben nach Kirchberg gefahren», sagt er rückblickend. Das Musik-Gen scheint Laurin geerbt zu haben. Vorderhand «übt» er mit Papas alter Trompete. Ob diese dereinst auch sein Instrument werden wird? Der Entscheid hat Zeit. Bis dahin spielen er und seine Schwester im Hause Metzger ganz einfach weiterhin die sprichwörtliche erste Geige.

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