Die Ketten sind bestellt!

Brosmete

Erich Fässler
Drucken
Teilen

Endlich, bin ich versucht zu kommentieren. Wird Zeit, dass die Rowdies an die Kette gelegt werden. Oder sind die Ketten für den Tanzbären?

Die Ketten sind bestellt!, tönt wie ein Versprechen aus dem Himmelreich, eine Verheissung, dass das Ende des Chaos naht. Versprochen sind himmlische Zustände auf dem Landsgemeindeplatz zu Appenzell, denn dafür sind die Ketten tatsächlich bestimmt. Aber die Ketten sind auch ein Symbol für das geistige Chaos, das unbedachte Vorgehen der Platzöffnung und dafür, den Gordischen Knoten gewaltsam zu durchschlagen.

Die Ketten sind bestellt – schön wär’s, wenn Ordnung so einfach herzustellen, Unordnung und Durcheinander zu begradigen und auf die Reihe zu kriegen wären. In den USA würden massenweise Ketten bestellt. Was dort an Unordnung und alternativen Fakten durch die Atmosphäre schwirrt, hat die Welt noch nicht gesehen.

Die Ketten sind bestellt – könnte Mahnung der Redaktion sein. Uns Brösmelern wurde schon mitgeteilt, die Brosmeten sollten nicht politisch sein. Heilige Simplicitas, wie kann ich unpolitisch sein und offenen Auges durch die Welt gehen?

Die Ketten sind bestellt! Ein Satz, der in China gar nicht erst gesagt werden muss. Hier liegt die Gedankenfreiheit längst in Ketten, ist die Kette eine Metapher für die Unfreiheit. Als Kettlein um den Hals getragen, könnte sie gar Schmuck sein. Mit Kreuz, Anker und Herz wär’s gar Ausdruck tiefen Glaubens.

Die Ketten sind bestellt – eine Aussage, die droht und gleichzeitig beschwichtigt. Will heissen: Ich habe genug von der ständigen Kritik, dass die Verkehrsführung auf dem Platz des Volkes ein Unsinn und eine obrigkeitliche Untat ist. Ruhe, verdammt nochmal! Die Ketten sind bestellt, heisst dann: Wenn ihr nicht sofort Ruhe gebt, ja dann wird der Platz vielleicht doch noch zu einem «Platz des Himmlischen Friedens». Ihr habt die Wahl! Aber vergesst nicht: Die Ketten sind bestellt!

Erich Fässler